Werdohler wollen Druck auf die Bahn erhöhen

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Den Ortsheimatpflegern Udo Böhme, Barbara Funke und Heiner Burkhardt (von links) vergeht das Lachen, wenn sie sehen, wie die Bahn mit dem Eisenbahnviadukt in Ütterlingsen (im Hintergrund) umgeht.

Werdohl - Allmählich verlieren die Stadt und die Ortsheimatpfleger die Geduld mit der Deutschen Bahn AG: Nun ist schon wieder mehr als ein jahr ins Land gegangen, ohne dass das bundeseigene Verkehrsunternehmen sichtbar etwas zur Sanierung des Eisebahnviaduktes in Ütterlingsen unternommen hätte.

Rückblende: Im Mai 2014 sollte das Bauwerk, das zwischen 1859 und 1861 entstanden ist, abgerissen werden. Von diesem Plan nahm die Bahn aber nach heftigen Protesten Abstand. Ein Jahr später forderte die Stadt Werdohl die Bahn auf, die denkmalgeschützte Brücke zu sanieren. Geschehen ist anschließend aber offenbar nichts. Vor rund drei Monaten haben Stadt und Ortsheimatpfleger dann noch einmal die Beseitigung von Sträuchern und Bäumen eingefordert, die mittlerweile zwischen den Bruchsteinquadern wachsen. Anfang Mai wurden der Bahn Fotos vom aktuellen Zustand des Viaduktes zugeschickt. All das blieb ohne das in Werdohl erhoffte Ergebnis.

Jetzt wollen Stadt und Ortsheimatpfleger den Druck auf das Verkehrsuntermnehmen erhöhen. Gerade ein Staatsunternehmen wie die Deutsche Bahn müsse sich doch an die Regeln des Denkmalschutzes halten, betonen Udo Böhme, Heiner Burkhardt und Barbara Funke vom Ortsheimatpfleger-Team. Laut Gesetz haben Eigentümer von Denkmälern die Verpflichtung, das Denkmal instand zu setzen, instand zu halten, vor Gefährdung zu schützen und sachgemäß zu behandeln. Davon kann aus Sicht der Ortsheimatpfleger im Fall des Ütterlingser Viaduktes keine Rede sein. Vielmehr beschleicht sie der böse Verdacht, dass die Bahn das Bauwerk systematisch verkommen lassen will, um es dann als nicht mehr sanierungsfähig bezeichnen und abreißen lassen zu können.

Heiner Burkhardt, selbst Architekt, sieht dringenden Handlungsbedarf. „Vor der kalten Jahreszeit muss etwas passieren“, sagt er. Seine Befürchtung: Wasser könnte in das Bauwerk eindringen, im Winter gefrieren und das Mauerwerk weiter schädigen. deshalb müssten offene Stellen in der Eisenbahnbrücke verschlossen werden. Auch die in den Fugen sprießenden Bäume und Sträucher müssten beseitigt werden, weil ihr Wurzelwerk das Gemäuer ansonsten mittelfristig auseinander sprengen werde. „Wenn nicht bald etwas unternommen wird, wird das Viadukt nach einem weiteren Winter schlimm aussehen“, warnt Burkhardt vor einem weiteren Verfall des Viaduktes, das durch seine malerische Lage am nördlichen Stadtrand so etwas wie ein Wahrzeichen Werdohls geworden ist und abends auch angestrahlt wird.

Barbara Funke bedauert, dass die Bahn das kunstvoll ausgeführte Brückenbauwerk mit seinen vier auf Schiffspfeilern ruhenden Werkbögen so stiefmütterlich behandelt, führt aber auch ganz sachliche Gründe für einen dauerhaften Erhalt des Viaduktes ins Feld. „Diese Brücke ist nun fast 150 Jahre alt. So lange hält keine moderne Brücke. wenn hier als Ersatz eine Betonbrücke hingebaut würde, hätte das zur Folge, dass der gesamte Bahnverkehr im Lennetal alle 30 bis 40 Jahre total lahm gelegt würde, weil die Brücke erneuert werden muss“, gibt sie zu bedenken.

Wenn die Deutsche Bahn nun nicht bald reagiert, wollen die Stadt und die Ortsheimatpfleger das Westfälische Amt für Denkmalpfleghe einschalten. Auch rechtliche Schritte gegen die Bahn sollen geprüft werden.

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