Große und kleine Ereignisse in einem fiktiven Ort

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Margarete Koppetsch stellte ihr Buch vor.

Werdohl - Über fast 30 Besucher in der Stadtbücherei freute sich die Werdohler Autorin Margarete Koppetsch am Freitagabend. Ihre Sorge, „wieviele wohl kommen mögen“, erwies sich als unbegründet. Vor der Einführung in ihre Erzählung „Gleich einem Sommertag“ dankte Koppetsch ihrem Ehemann und den beiden Töchtern, die ihr Mut zu dieser Publikation gemacht hatten: „Ohne die wäre ich nicht hier, und das Buch läge auch nicht hier.“

Und dann ging es hinein in die fiktive Ortschaft Eichscheid – „das könnte jeder Ort im Märkischen Kreis sein“, erklärte die Autorin. „Von jeher habe ich mich für Geschichten interessiert – vor allem von Menschen aus den unteren Schichten.“

Erstaunen habe die Hauptfigur und Ich-Erzählerin Brigitte ausgelöst, die den jungen Pfarrer ihrer Gemeinde heiratet, schmunzelte Koppetsch und verneinte entsprechende persönliche Erfahrungen: „Ich bin weder in einer Pfarrfamilie groß geworden, noch habe ich in eine eingeheiratet.“

Ausgangspunkt für die Geschichte sei geschichtliche Neugier gewesen: „Wie waren die Menschen an Lenne, Ahe und Verse gekleidet?“ Und eine Vermutung: „Es wird gelebt, gelacht und geliebt worden sein.“ Die Erzählung mit erfundener Handlung vor dem Hintergrund historischer Begebenheiten umspannt die Zeit von 1957 bis in die 90er-Jahre: „Das ist schon Geschichte, aber viele können noch davon erzählen.“

Wie war das Leben 1957? „Eher ereignislos“, befand die Autorin und bewies mit ihrem Buch dann doch das Gegenteil. Zugegeben: „Es gab nur einzelne Fernseher“, und die Kinder gingen noch in den Kindergottesdienst statt „Die Sendung mit der Maus“ anzusehen. Doch es war auch die Zeit der schwingenden Röcke, der Petticoats, und jemand mit einem Auto war noch etwas Besonderes.

So auch der neu in Eichscheid eingetroffene junge Pfarrer, auf den die Erzählerin ein Auge geworfen hat. Als sie von einem anderen Mann belästigt wird, rettet der junge Pfarrer sie, was mit einem bemerkenswerten Satz geschildert wird: „Er hat ihn (den nichtswürdigen Nebenbuhler) in die Flucht geschlagen, indem er sich vorgestellt hat.“ So nahmen die Liebeshändel ihren Lauf, und der fürchterlich heiße Sommer 1957 wurde zum „schönsten“, den die Erzählerin jemals erlebt hatte.

Koppetsch erzählt vom Widerstand der Eltern, die durchaus nachvollziehbar argumentierten, dass ihre Tochter zunächst ihre Ausbildung beenden solle. Sie erzählt von der schließlich doch vollzogenen Hochzeit und jener Nacht, die auf den angeblich schönsten Tag im Leben folgte.

Und dann geht es hinein in ein Leben als Pfarrfrau und die Verzahnung des Lokalen mit den großen Ereignissen und Entwicklungen jener zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Abtreibung und sexuelle Befreiung, Atomrüstung und Eroberung des Weltraums, Linksterrorismus, Drogen, antiautoritäre Erziehung und das Nebenein-ander sowie schließliche Miteinander der beiden deutschen Staaten. Vieles davon hat Auswirkungen auf das Leben in Eichscheid – manchmal mehr, als eine Familie verkraften kann.

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