Musikschule: FDP will Steuern erhöhen

Werdohl - Politik und Stadtverwaltung suchen weiter nach einem Ausweg aus der verfahrenen Finanzsituation, in der die Musikschule steckt. Gut eine Stunde lang diskutierten die Mitglieder des Kulturausschusses am Montag, ohne einer Lösung wesentlich näher zu kommen.

Auf Antrag von Volkmar Güldner-Rademacher (SPD) beauftragte der Ausschuss schließlich die Verwaltung, neue Sparpotenziale und Einnahmequellen zu suchen. Anne Hermes (FDP) brachte Steuererhöhungen ins Gespräch.

Die Musikschule kann schon im laufenden Jahr die Werdohler Sparziele nicht erfüllen. Ein städtischer Zuschuss in Höhe von 89.300 Euro war im Sparpaket eigentlich vorgesehen. Stattdessen muss Werdohl gut 103.000 Euro beisteuern.

Modellrechnung: 40 Schüler müssen gehen

Sparen könnte die Musikschule inzwischen nur noch an den Personalkosten. Alle anderen Möglichkeiten sind ausgeschöpft, wie Musikschulleiter Martin Theile schon im Herbst mehrfach betont hatte. Jetzt hat die Einrichtung eine „hypothetische Modellrechnung“ vorgelegt. Dieser ist zu entnehmen, wie viele Schüler die Musikschule verlassen müssten, damit das Sparziel erreicht wird.

Schon im kommenden Jahr müssten allein am Standort Werdohl 40 Schüler weniger die Musikschule besuchen. Auch in den Nachbarstädten Altena, Neuenrade und Plettenberg müssten Musikschüler gehen; insgesamt müsste die Einrichtung ihre Schülerzahl allein in 2016 um 152 reduzieren.

Fachbereichsleiter Michael Grabs wertete diese Zahlen als „Signal an die anderen Städte“. Die Verwaltung wolle wissen, ob die Nachbarkommunen diesen Weg mitgehen würden. „Das geht zu langsam. Wir müssen aktiv werden“, befand SPD-Ratsherr Güldner-Rademacher. „Die Verwaltung soll bei ihrer Haushalts-Planung für 2016 einkalkulieren, Geld zu verschieben, um die Musikschule nicht sterben zu lassen.“

Michael Grabs warnte, es gebe keine finanziellen Polster mehr, auf die Werdohl zurückgreifen könne. „Es ist ja nicht so, als hätten wir das Geld, das wir für den Haushalt einplanen“, sagte der Fachbereichsleiter. Es gehe nur um weniger neue Schulden. „Und die Schulden lastet die Stadt den Kindern auf, von denen jetzt die Rede ist.“

Anne Hermes (FDP) bezeichnete die Modellrechnung als „gefährlich“. „Sie suggeriert, dass sie jetzt umgesetzt werden könnte“, sagte Hermes. Das sei aber nicht der Fall, da keiner der Arbeitsverträge mit den Musiklehrern bis 2021 auslaufe. Selbst wenn Musikschüler gehen sollten, seien die Lehrer immer noch da. Einfach das Personal zu reduzieren, wie unter anderem Manfred Buchta (CDU) vorgeschlagen hatte, sei also nicht möglich.

Auch die FDP habe für das Sparziel gestimmt – „aber in Unkenntnis der Dinge“, befand Anne Hermes. „Es ist faktisch fast unmöglich zu erreichen.“ Die Politik solle auch Steuererhöhungen in Betracht ziehen, um den Zuschuss für die Musikschule weiter zu ermöglichen.

Rubriklistenbild: © dpa

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