Werdohl als Standort für Förderschule im Gespräch

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Matthias Reuver und Kerstin Kotziers von der Stadt Lüdenscheid und Anja Taddaj-Schlichting (von links) vom Märkischen Kreis erörterten die Möglichkeiten für die Versorgung der Förderschüler im Südkreis.

Werdohl - Der Elternabend in der Vier-Täler-Schule in Plettenberg hinterließ am Dienstagabend einige offene Fragen.

Unter anderem standen diese Fragen im Raum: Wo werden die Plettenberger Förderschüler ab Sommer 2018 unterrichtet? Eine Option ist ein Förderschulstandort in Werdohl. 

Anja Tadday-Schlichting vom Märkischen Kreis äußerte sich zurückhaltend. „Wir sind in Gesprächen. Und wir hoffen auf ein Ergebnis noch in diesem Jahr.“ Die Vier-Täler-Schule soll zum 1. August 2018 geschlossen werden; bereits ab Sommer 2017 werden am Standort Plettenberg keine neuen Schüler mehr aufgenommen. 

Weil aber nicht nur die Vier-Täler-Schule, sondern auch alle anderen Förderschulen im Umkreis immer weniger Anmeldezahlen haben, ist derzeit das ganze System im Umbruch. Deshalb, so verkündete Matthias Reuver von der Stadt Lüdenscheid, soll es nun eine große Lösung geben, die „zumindest die nächsten vier, fünf Jahre Bestand hat“. 

Große Förderschule für den südlichen MK

Diese Lösung soll so aussehen: Die Lüdenscheider Mosaikschule fusioniert mit der Lüdenscheider Friedensschule, sodass es eine große Förderschule für den südlichen Märkischen Kreis gibt. Warum? Weil die Landesregierung vorgegeben hat, dass eine Förderschule mindestens 144 Schüler haben muss, um existieren zu können. 

Bislang ist die Mosaikschule die einzige Schule im Gebiet, die diese Zahlen einhalten kann. Weiterhin sieht der Plan der Kreisverwaltung vor, dass es nach der großen Fusion zwei Teilstandorte im Südkreis geben soll – nämlich einen in Meinerzhagen, der dann unter anderem auch für die Förderschüler aus Herscheid zuständig sein soll, und einen Standort an der Lenneschiene. Räume dafür stünden in Altena, in Werdohl und in Plettenberg zur Verfügung.

Schule in Altena eher ungeeignet

Elternsprecherin Tina Stahlschmidt appellierte für einen möglichst zentralen Standort. Eine Schule in Altena wäre aus ihrer Sicht eher ungeeignet. „Laut Schulgesetz sind Kindern Fahrten von über 90 Minuten am Tag nicht zuzumuten – das gilt für hin und zurück. Vom Oestertal bis nach Altena braucht man aber schon ohne Stau oder Berufsverkehr für eine Fahrt 55 Minuten.“ 

Aus ihrer Sicht würde sich aufgrund der geografisch günstigen Lage ein Standort in Werdohl gut eignen, zumal auch die Kinder aus Werdohl und Neuenrade zu dem Einzugsgebiet des Lenneschienen-Standorts zählen. Aber auch Plettenberg ist noch im Rennen. „Wir würden gerne den Standort hier behalten“, betonte der Plettenberger Schulamtsleiter Christoph Wilk am Dienstag. 

Mehr als 100 Schüler weniger

Obwohl drei Klassenräume inzwischen für das Stadtarchiv verwendet werden, wäre noch immer genügend Platz vorhanden. Schulleiter Peter-Paul Marienfeld erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass die Vier-Täler-Schule in Spitzenzeiten, also vor gut fünf Jahren nach der Fusion mit der Werdohler Pestalozzischule, 140 Schüler unterrichtet habe.

Inzwischen hat die Vier-Täler-Schule nur noch 52 Schüler. Daher hat die Bezirksregierung die Schließung für 2018 und den Aufnahmestopp für nächsten Sommer angeordnet. Plettenberger Kinder, die sich ab nächsten Sommer für eine Förderschule anmelden wollen, sollen den jetzigen Teilstandort der Mosaikschule in Altena besuchen. 

"Müssen Plettenberger ja irgendwie versorgen"

„Legt man mit dieser Entscheidung nicht schon Altena als künftigen Standort der Förderschule für die Lenneschiene fest?“, wollte Elternsprecherin Stahlschmidt am Dienstag wissen. Tadday-Schlichting vom Kreis beteuerte: „Nein, das ist keine Vorentscheidung. Wir müssen die Plettenberger ja irgendwie versorgen, weil dort nicht mehr aufgenommen werden darf.“ 

Matthias Reuver ergänzte: „Wir haben bei der Bezirksregierung versucht, den Aufnahmestopp um ein Jahr aufzuschieben, konnten uns damit aber nicht durchsetzen.“ 

Die Entscheidung, wie es ab 2018 für die Förderschüler im südlichen Märkischen Kreis weitergeht, wird mit einem politischen Beschluss festgelegt.

Von Sebastian Schulz

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