Marder nagen gerne Schläuche im Auto an

Oft gelangt der Marder über die Lenkung in den Wagen, weiß Richard Froelian. Neuere Fahrzeuge seien inzwischen aber mit einem längeren Motor-Unterfahrschutz ausgestattet. - Fotos: Peuckert

Werdohl - Immer wieder suchen verzweifelte Fahrzeugführer in diesen Tagen Autowerkstätten auf, weil Marder sich in ihren Wagen eingenistet und dort ihrer Nagelust gefrönt haben. Hinter den tierischen Attacken steckt keine Böswilligkeit, sondern meist Revierverhalten.

Der Marder reagiere auf Geruchsstoffe, weiß Kfz-Mechaniker Richard Froelian vom Autoservice Eberle. Der Geruch von Gummistoffen, Schläuchen und Steckern ziehe ihn an. Über die Lenkung oder den Auspuff gelange das Tier in den Motorraum. Dort nage es mal am Kühlwasserschlauch, mal am Zündkabel.

„Kabel werden richtig durchgebissen, wie mit einer Zange durchtrennt“, erklärt Mike Baumgärtel, Kfz-Meister von Kaltenbach Automobile. Er habe in diesem Jahr schon einige Fälle von Marderbiss in der Werkstatt gehabt. Normalerweise könne ein einzelnes Kabel an der betroffenen Stelle repariert werden. Lägen die Kabel jedoch eng aneinander, müsste auch schon einmal ein kompletter Kabelbaum ausgetauscht werden. „Im extremsten Fall hat das mal 500 Euro gekostet“, erinnert sich Baumgärtel. In der Regel lägen die Reparaturkosten aber zwischen 150 und 200 Euro. Die Autofahrer versuchten, sich mit verschiedenen Mitteln gegen Marderbisse zu schützen. „Wir haben mal eine Motorhaube aufgemacht und da hingen vier, fünf WC-Erfrischer drin. Da strömte uns ein schöner Rosenduft entgegen“, erzählt Baumgärtel. Auch alte Socken mit Hundehaaren hätten sie schon im Motorraum gefunden.

Stromschläge erschrecken Tiere

Einige Menschen verwendeten Hochvoltanlagen. Dabei würden dünne Drähte im Motorraum untergebracht. „Das funktioniert wie ein Weidezaun“, erklärt Baumgärtel. Sobald der Marder die Drähte berühre, bekäme er einen leichten Stromschlag der ihn erschrecke. Schlecht sei diese Art des Selbstschutzes allerdings, wenn der Autofahrer seinen Wagen für Reparaturen in die Werkstatt bringe und nichts von den Drähten sage. „Dann bekommen wir auch einen Schlag“, sagt Baumgärtel.

Manchmal gehe es dem Marder aber gar nicht darum, Autoteile anzunagen, sagt Richard Froelian: „Wir haben schon Brötchen und Eier im Motorraum gefunden.“ Wenn sich der Marder Futter mit ins Auto nehme, gehe es ihm offensichtlich nur darum, ein warmes Plätzchen für den ruhigen Verzehr zu haben, meint der Auto-Experte.

Dem Marder werde es jedoch immer schwerer gemacht, ins Fahrzeug zu gelangen. „Es wird immer enger im Motorraum“, erklärt Froelian. Zudem verschließe ein Motor-Unterfahrschutz, der unter dem Wagen angebracht werde, viele Einstiegslöcher. Es gebe auch Autofahrer, die auf Gitter im oder unter dem Wagen zurückgriffen. „Der Marder mag es nicht, über Löcher zu laufen“, weiß Froelian. Einen hundertprozentigen Schutz gebe es jedoch seiner Erfahrung nach nicht.

Fahrer erkennen Schäden früh

Dank moderner Technik könnten Folgeschäden meist verhindert werden. Seien Schläuche oder Kabel beschädigt, erhalte der Fahrer sofort ein akustisches oder leuchtendes Warnsignal. Schnell können Folgen von Marderbissen teuer werden. Teilweise seien derartige Schäden durch die Teilkaskoversicherung abgedeckt, erklärt Michael Henke, Versicherungsfachmann der Provinzial-Niederlassung Werdohl. „Bei großen Versicherungen ist der Schutz in der Regel mit drin“, weiß er.

Auch er habe die Erfahrung gemacht, dass die meisten Mittel nur eingeschränkt helfen. In den meisten Fällen, bei denen ein Marder ein Fahrzeug besiedelt, handele es sich um ein natürliches Revierverhalten, erklärt die Werdohler Tierärztin Susanne Trilling. Jeder Marder beanspruche ein Gebiet für sich. Setze ein Artgenosse einen Fuß und zudem seine Duftmarke darauf, verspüre der Revier-Marder den Drang, die Spuren des Eindringlings mit seinem eigenen Geruch zu übertünchen.

Wenn sich ein Auto im Revier befindet und ist dieses durch ein fremdes Tier markiert worden, schrecken die Marder auch nicht davor zurück, in den Motorraum des Wagens zu klettern, sagt Trilling. Ist das Tier einmal da, sei es schwer, es wieder loszuwerden.

Manchmal helfe ein Umparken des Wagens. Das Aufstellen von Fallen oder gar das Töten der Marder seien hingegen nicht erlaubt, so die Tierärztin. Gerade wenn die Tiere werfen, dürfte ihnen auch nicht der Zugang zur Behausung verwehrt werden – etwa durch das Verstopfen von Einstiegslöchern. Kämen die Muttertiere nicht mehr zu ihren Jungen, könnten diese nicht alleine überleben. Menschen gegenüber seien Marder nicht aggressiv, ergriffen vielmehr die Flucht. Aufgrund dessen, dass Marder nachtaktiv seien, käme es aber eher selten zu Begegnungen zwischen Mensch und Tier.

Von Jana Peuckert

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare