Werdohl muss 150 Flüchtlinge erfassen lassen

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In NRW leben mehrere zehntausend Flüchtlinge, die noch nicht amtlich erfasst sind.

Werdohl - Den Mitarbeitern des sozialen Fachbereichs der Stadt Werdohl steht eine wahre Mammutaufgabe ins Haus: Seit Donnerstag wissen die Männer und Frauen um Bodo Schmidt, dass sie 150 in Werdohl lebende Flüchtlinge für zwei Tage zu einer Registrierungsprozedur ins Ruhrgebiet bringen müssen.

Schmidt: „Das wird schon eine ganz besondere Kraftanstrengung zu Beginn der Urlaubszeit.“ In Werdohl leben zurzeit 256 Flüchtlinge, die laufenden Übergänge in den Betreuungsbereich des Jobcenters schon abgezogen. Davon sind 150 Männer, Frauen und Kinder nicht vollständig mit ihren Personendaten registriert und haben deshalb auch noch keinen Antrag auf Asyl stellen können.

Schmidt: „Die meisten sind mit der großen Flüchtlingswelle nach Deutschland gekommen, haben ein paar Tage in einer Zentralaufnahme gelebt und sind dann Werdohl zugewiesen worden.“ Sie sind zwar melderechtlich erfasst, aber es gibt für diese 150 Personen noch keine amtliche Erfassung, die für ein mögliches Asylverfahren Voraussetzung ist. In ganz Nordrhein-Westfalen leben mehrere zehntausend Flüchtlinge, die noch nicht auf diese Weise erfasst sind.

Eine logistische Herausforderung

Die Mitteilung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge geht dahin, dass alle 150 Personen an einem Tag entweder nach Selm oder nach Bochum transportiert werden müssen. Die Anweisung sieht vor, dass die Menschen dort auch eine Nacht bleiben und am nächsten Tag wieder nach Werdohl zurückgebracht werden. Für das Integrationsteam im sozialen Fachbereich ist das eine logistische Herausforderung. Schmidt: „Wir sollen Montag oder Dienstag kommender Woche genauere Informationen bekommen, wie das funktionieren soll.“ Wahrscheinlich müssen mehrere Reisebusse angemietet werden.

Zunächst aber müssen alle 150 Flüchtlinge in ihrer jeweiligen Landessprache vernünftig informiert werden. Auch das ist schon eine große Aufgabe, zumal diese Menschen überall im Stadtgebiet verstreut leben. Das Bundesamt hat sich allein für Nordrhein-Westfalen die Frist gesetzt, bis Ende September alle Flüchtlinge vollständig erfasst zu haben. Viele Werdohler Flüchtlinge warten schon sehr lange auf diese Erfassung, um endlich einen Asylantrag stellen zu können und Gewissheit zu bekommen, wie ihre persönliche Zukunft aussehen wird. Das Bundesamt musste für diese Herkulesaufgabe erst Mitarbeiter anstellen und sie entsprechend ausbilden.

7230 Euro kommen pro Flüchtling an

Mit der vom Land angekündigten Neuzuweisung von Flüchtlingen mit Beginn dieses Monats hat die Stadt Werdohl wenig zu tun. Jetzt würden erst die Städte bedient, die eine Aufnahmequote von unter 90 Prozent haben. Nach der jüngsten Quotenberechnung liegt Werdohl bei 94,7. Schmidt: „Diese Zahl ändert sich regelmäßig.“ Eine neuerliche Erhebung und Quotenberechnung stehe kurz vor dem Abschluss, Ergebnisse kennt Schmidt noch nicht. „Wir rechnen aber höchstens mit einer ganz moderaten Zuweisung“, so der Fachbereichsleiter: „Nichts, was uns in irgendeiner Weise vor Probleme stellen würde.“

Bis vor Monaten war das Thema Flüchtlinge in aller Munde und beherrschte die öffentliche Debatte auch in Werdohl. Sorgen und Ängste löste die Ankündigung aus, das Haus Deipschlade in eine Übergangseinrichtung verwandeln zu müssen. Schmidt: „Davon sind wir gerade sehr weit entfernt. Selbst mittelfristig werden wir dieses Haus nicht für Unterkünfte brauchen.“ In der Kämmerei wird derzeit mit den Kosten der Flüchtlingshilfe schon für den Haushalt 2017 gerechnet. Von den vom Bund pro Flüchtling zugesagten 10 000 Euro kommen über das Land in der Werdohler Stadtkasse nur 7230 Euro an. Je nach politischer Sichtweise wird das als positiv oder negativ empfunden. Schmidt bleibt da ganz pragmatisch.

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