Werdohler Muslime suchen den Dialog

Bei den türkischen Spezialitäten durfte der Döner natürlich nicht fehlen. Er wurde beim Fest nach traditionellem Rezept zubereitet.

Werdohl - Es war ein Fest des Dialogs, der Freundschaft und des Friedens. Ausgelassen feierte die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) am Wochenende ihr Gemeindefest und gleichzeitig das 25-jährige Bestehen der Moschee an der Hardtstraße.

Von Lydia Machelett

Es war ein buntes Straßenfest, zu dem nicht nur Mitglieder aus anderen islamischen Gemeinden kamen, sondern auch Christen und Werdohler aller Nationalitäten. Genau so hatte sich Mehmet Avci, Pressesprecher der Gemeinschaft, das Fest vorgestellt.

„Wir wollen gemeinsam ins Gespräch kommen, uns öffnen und unsere Moschee und unseren Glauben vorstellen“, erklärte Avci. Der Dialog sei in Zeiten von Vorurteilen wichtiger denn je. „Uns ist es wichtig, dass wir radikale Ansichten ablehnen. So ist der Islam nicht, und das werden wir auch nicht müde, unseren Mitgliedern immer und immer wieder mit auf den Weg zu geben“, sagte Avci.

Und Gemeindemitglied Kya Emrullan erklärt: „Jugendliche sind immer dann bereits, sich extremen Gruppen anzuschließen, wenn sie keine eindeutige Identität haben und auf der Suche nach sich selbst sind. Daher wollen wir die Jugendlichen genau dort abholen. Ihnen Freund und Familie sein. Ihnen eine Heimat und Sicherheit bieten.“

Das gelingt offensichtlich gut, denn die Gemeinschaft wächst immer weiter. Derzeit zählt sie rund 280 Mitglieder. Nachwuchssorgen haben die Werdohler nicht. Denn knapp 100 Mitglieder sind Kinder und Jugendliche.

„Ich denke, das liegt daran, dass Tradition bei uns noch eine große Bedeutung hat. Kinder wachsen mit dem Glauben auf. Für sie ist es beispielsweise selbstverständlich, zum Freitagsgebet in die Moschee zu gehen“, sagte Emrullan. Durch die Tradition habe man als Türke eine andere Einstellung zur Gemeinschaft. Und genau die versuche die IGMG auch weiter zu fördern.

Gemeinsame Feste und regelmäßige Gemeinschaftsabende in der Moschee würden dafür sorgen, dass sich die Mitglieder unter einander gut kennen und immer wieder Freundschaften entstehen. „Wir sind schon so etwas wie eine Familie“, sagt Avci.

Vier Wochen lang haben die Mitglieder das zweitägige Gemeindefest vorbereitet. Vom Parkplatz bis zur Moscheeführung: Alles war genauestens organisiert. Dies habe etliche Absprachen erfordert. So musste eine Genehmigung für die Straßensperrung eingeholt werden und eine Erlaubnis, den Vossloh-Parkplatz nutzen zu dürfen.

Entlang der Hardtstraße war eine kleine Festmeile aufgebaut worden. Wer sie betrat, tauchte ein in eine andere Welt. Exotische Gerüche, Musik und zig verschiedene Sprachen. Wie lange die türkischen Frauen in der Küche standen, um all die süßen Köstlichkeiten zuzubereiten und liebevoll zu verzieren, ist unklar – aber es werden wohl Stunden gewesen sein.

Die Gäste kulinarisch zu verwöhnen, gehört zum Selbstverständnis der Gastfreundschaft. Ebenso wie die persönliche Begrüßung. Nach und nach mischten sich immer mehr Werdohler unter die Mitglieder der islamischen Gemeinschaft. Aufmerksam verfolgten sie beispielsweise die Moscheeführung. „Es ist schön zu sehen, wie offen alle hier sind“, freute sich Avci.

Die IGMG möchte das nächste Mal auf dem Stadtfest den Dialog mit den Werdohlern suchen. Dort wird ein Stand mit türkischen Spezialitäten aufgebaut.

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