Voßloh: „Werdohl ist bunt und vielfältig“

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Bürgermeisterin Silvia Voßloh freut sich bereits auf den neuen Brüninghaus-Platz.

Werdohl -  Wie entwickelt sich die Innenstadt in diesem Jahr weiter? Wird Werdohl die Aufnahme weiterer Flüchtlinge meistern? Und was wird aus den Schulen vor Ort? Bürgermeisterin Silvia Voßloh hat im Gespräch mit SV-Redakteur Volker Griese auf diese und andere Fragen geantwortet.

Die Baumaßnahmen am Brüninghaus-Platz und an der Lennespange haben nicht nur Befürworter in der Stadt. Auch über den Westpark, die Neugestaltung des Lenneufers entlang der Dammstraße, gibt es unterschiedliche Auffassungen. Für Bürgermeisterin Silvia Voßloh ist aber gerade der Brüninghaus-Platz mit der Verbindung zur Lenne ein ganz wichtiges Projekt im Rahmen des Stadtumbaus. „Gerade die breite Stadtspange ist ein Bereich, den jeder sofort sehen kann. Die Anbindung an die Lenne finde ich großartig. Ich bin froh, dass sie zum Ende des Jahres so weit fertig geworden ist, dass man sie begehen kann, dass der Anschluss zum Brüninghaus-Platz und zu den Lenneterrassen hergestellt ist“, sagte Vossloh. So könne dieser Bereich auch in der Umbauphase schon genutzt werden.

Sie freue sich, dass Planung, Umsetzung und Finanzierung dieser Baumaßnahme bis jetzt problemlos hätten abgewickelt werden können. „Und ich bin auch ganz zuversichtlich, dass das auf dem Brüninghaus-Platz im Jahr 2016 so weitergehen wird. Die ganz großen Arbeiten stehen hier freilich erst für dieses Jahr an. Bisher ist auf dem Brüninghaus-Platz praktisch nur der Neubau des Brunnens vorbereitet worden. Allerdings ist das Material, Platten aus chinesischem Granit, bereits geliefert worden.  „Ich freue mich schon darauf, dass dieser Platz irgendwann im Laufe des Jahres komplett fertig ist“, sagte Voßloh und richtete den Blick sofort weiter auf andere Bereiche.

„Ich finde es schön, dass wir in Werdohl einzelne Puzzleteile haben, die anfangen, sich miteinander zu verbinden“, erklärte die Bürgermeisterin mit Blick auf Brüninghaus-Platz, Lennespange, Lennepromenade und Westpark, aber auch den Kletterfelsen an der Altenaer Straße. Nach und nach entstehe so ein großer attraktiver Bereich in Werdohl. „Ich finde es einfach schön, an vielen Stellen entlang der Lenne etwas Besonderes anbieten zu können“, verteidigte Silvia Voßloh dabei auch ausdrücklich das Konzept des Westparks. In der Innenstadt gebe es die Lennespange als Zugang zum Fluss, der Westpark biete insbesondere Familien die Möglichkeit, das Fließgewässer naturnah zu erleben. Voßloh: „Der Bereich liegt sehr schön an der Lenne, kann aber mit ein paar kleinen Highlights noch aufgewertet werden. Das macht dann auch Lust darauf, sich dort längere Zeit aufzuhalten.“

Baumaßnahmen sind keine Verschwendung

Kritikern, die solche Maßnahmen als Geldverschwendung bezeichnen, hält die Bürgermeisterin entgegen, dass die Stadt nur mithilfe von Fördertöpfen noch etwas bewegen könne, ohne selbst viel Geld in die Hand nehmen zu müssen. In der Regel trägt Werdohl selbst 20 Prozent der Kosten. So sei es möglich, die Stadt aufzuwerten, sie weiterhin liebens- und lebenswert zu machen. Allerdings sei das Geld aus diesen Fördertöpfen auch nur für ganz bestimmte Investitionsmaßnahmen verfügbar. „Die Straßenbeleuchtung zum Beispiel kann davon nicht bezahlt werden“, sagt Voßloh.

Doch ließe sich nicht wenigstens der Eigenteil der Stadt anderweitig verwenden? Am Beispiel des Brüninghaus-Platzes macht Vossloh deutlich, dass dies nicht unbedingt eine kluge Entscheidung wäre: „Der Brüninghaus-Platz ist sanierungsbedürftig und kann nur mit Fördermitteln wirklich umgestaltet werden. Durch das Förderprogramm kann die Umgestaltung attraktiver ausfallen, wovon auch die Bürger einen Nutzen haben.“

Dazu gehöre auch das Fassadenprogramm, von dem Hauseigentümer im Stadtumbau-Gebiet (Innenstadt, Bahnhofsviertel und Ütterlingsen) profitieren können und aus dem zukünftig noch einmal 150 000 Euro zur Verfügung stehen. „Wir sind zuversichtlich, dass mit diesem Geld 2017 weitere Maßnahmen durchgeführt werden können“, sagte Voßloh. In der Vergangenheit war dieses Förderprogramm zur Begrünung und Gestaltung von privaten Hof- und Hausflächen so beliebt, dass bei der Stadt noch etwa 20 Interessenten auf der Warteliste stehen. Die können ihre Immobilien nun mit Unterstützung des Landes aufwerten. Für Silvia Voßloh ist das sogar so etwas wie ein kleines Konjunkturpaket für die ortsansässigen Handwerksbetriebe, die mit Auf- trägen der Immobilienbesitzer rechnen können.

Und wie sieht es um die städtischen Finanzen aus? Werdohl nimmt ja am Stärkungspakt Stadtfinanzen teil und untersteht damit einer strengen Aufsicht durch die Bezirksregierung, um bis zum Jahr 2021 wieder aus eigener Kraft einen ausgeglichenen Haushaltsplan vorlegen zu können. „Ja, wir haben hoch gesteckte Ziele. Die eine oder andere Maßnahme, um diese Ziele zu erreichen, ist aber nicht eins zu eins umsetzbar“, sagte Voßloh mit Blick auf den 69 Punkte umfassenden Plan mit Sparmaßnahmen, den sich die Stadt selbst auferlegt hat. Die Bemühungen, die Personalkosten zu senken, seien aber bisher schon sehr erfolgreich gewesen.

Wird Werdohl genauso erfolgreich die Aufnahme der Flüchtlinge bewältigen? Bürgermeisterin Silvia Voßloh ist da sehr zuversichtlich: „Wir haben in Werdohl eine super-engagierte Flüchtlingshilfe, die inzwischen ein sehr großes Angebot zur Unterstützung der Flüchtlinge aufgebaut hat. Außerdem haben wir im Rathaus ein großartiges Team von Mitarbeitern, die sehr starken – auch persönlichen – Einsatz zeigen.“ Inzwischen kümmere sich die Stadtverwaltung auf acht Vollzeitstellen ausschließlich um die Flüchtlingsarbeit. Natürlich sei die Aufnahme und Unterbringung der Flüchtlinge eine große Anstrengung, aber Werdohl werde diese Aufgabe meistern, ist Voßloh überzeugt. „Werdohl ist bunt und sehr vielfältig. Integration ist für die Werdohler nichts Ungewöhnliches und wir hier gelebt“, glaubt sie die Ursache für den relativ gelassenen Umgang der Bevölkerung mit den Migranten in der langjährigen Erfahrung mit der Integration von Zuwanderern gefunden zu haben.

Integration ist niemals zu Ende

Eine Integrationspflicht wie von der CSU gefordert und auch von der CDU in Erwägung gezogen, hält Silvia Voßloh deswegen auch für Flüchtlinge in Werdohl nicht für notwendig. Hier laufe die Integration sehr gut. Bei der VHS seien mehr als 160 Flüchtlinge in Integrationskursen untergebracht, in den Schulen würden die Seiteneinsteiger genannten Flüchtlingskinder vielfach in den normalen Unterricht integriert und zusätzlich separat in Deutsch unterrichtet. „Somit sind die Kinder in der Klassengemeinschaft aufgehoben. Das sind Dinge, die muss ich nicht vorgeschrieben bekommen, die sind doch ganz natürlich.“ Integration sei allerdings niemals zu Ende, sondern sei ein laufender Prozess.

Trotzdem sieht die Bürgermeisterin weiterhin Handlungsbedarf, vor allem, um genügend Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Deshalb müsse in diesem Jahr das Übergangsheim am Deipschlader Weg in Pungelscheid renoviert werden, wo insbesondere Einzelpersonen untergebracht werden könnten, die Werdohl derzeit verstärkt zugewiesen würden. Für Flüchtlingsfamilien könne die Stadt kurzfristig 15 Wohnungen anmieten.

Können vielleicht gerade Zuwandererkinder die Existenz der Werdohler Grundschulen sichern? Da hat Silvia Voßloh so ihre Zweifel. „Ganz entscheidend ist immer der Elternwille: An welcher Schule melden die Eltern ihr Kind an? Aber natürlich sind die Flüchtlingskinder eine Bereicherung, gerade vor dem Hintergrund, dass wir Einwohner verlieren.“ Insofern sei es positiv zu sehen, dass Migrantenkinder in Werdohl unterrichtet werden. Wenn sie helfen, die Grundschulstandorte zu sichern, um so besser.

Die Schließung der Hauptschule ist dagegen längst beschlossene Sache – was Silvia Voßloh bedauert. „An der Hauptschule ist so gute Arbeit geleistet worden! Es ist so wichtig, gerade diese Schüler auf den Weg zu bringen, dass sie später eigenständig ihr Leben meistern können.“ Was die zukünftige Nutzung des Hauptschulgebäudes angeht, verweist Voßloh auf den Arbeitskreis Schule, der sich im Januar auf der Basis von aktuellen Zahlen mit der Zukunft sowohl der Schulgebäude als auch der Schulformen in Werdohl befassen werde. Dessen Entscheidungen wollte die Bürgermeisterin nicht vorgreifen. Bis zur Jahresmitte werde es aber eine Entscheidung geben. „Ich gehe davon aus, dass wir einen einvernehmlichen Weg finden werden“, gab sich Voßloh optimistisch.

Und was würde die Bürgermeisterin mit einer Million Euro anfangen? An welcher Stelle, für welches Projekt in Werdohl würde sie dieses Geld investieren? Diese Entscheidung fällt Voßloh schwer: „Ich würde schauen, wo die Not am größten ist: im Bereich Kindergärten, Schulen oder Straßen, Senioren oder medizinische Versorgung. Da würde ich mich jetzt nicht festlegen, sondern würde das Geld breit und gerecht verteilen. Eine Million ist so viel Geld, dass ich an ganz vielen Stellen Verbesserungen erreichen könnte.“

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