Wenn nur das Hören zählt

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Nur durch das Befühlen des Stoffes kann sich Arthur Krolzik ein Bild davon machen, welche Kleidung Andreas Späinghaus als Vorbild für die historische Kluft diente.

Werdohl - Dass der Geschichtsbummel diesmal einen anderen Verlauf als üblich nehmen würde, war bereits nach wenigen Minuten klar. „Sag uns doch mal, was du da überhaupt am Leib trägst “, fragte Arthur Krolzik und Andreas Späinghaus begann zu erzählen.

Die historische Stadtführung existiert bereits seit Juni 2015. Doch die Mitglieder des Blinden- und Sehbehindertenvereins Altena/Werdohl, dessen 1. Vorsitzende Arthur Krolzik ist, waren bislang noch nie zu Gast. Und so konnten Udo Böhme und Andreas Späinghaus nicht einfach nur erzählen, dass sich ihre historische Kluft, bestehend aus einem Hemd mit Puffärmeln und einer Mütze, an der einfachen Kleidung der Bauern orientiert, sondern mussten dies auch auf andere Weise anschaulich machen. So kam es, dass Arthur Krolzik die eigentümliche Form der Kopfbedeckung, die sich an die Maße einer Käseplatte anlehnt, einfach mal befühlte. An insgesamt zehn Punkten über die Stadt verteilt entwarfen Böhm und Späinghaus allein durch die Sprache ein lebendiges Bild der Lennestadt.

Dabei vermieden es die beiden bewusst, ihre Zuhörer mit einem ausufernden Zahlengewitter zu gängeln: „Mehr als zwei davon können wir uns sowieso nicht merken“. Neben dem großen Dorfbrand (1822) war dies der erste Zug auf der Rhein-Sieg-Strecke im Jahr 1861. Immer wieder wird der Geschichtsbummel von der Geräuschkulisse der Frühlingskirmes oder dem hupenden Autokorso einer Hochzeitsgesellschaft unterbrochen.

Am Ehrenmal im Ludwig Grimm-Park angekommen, weißt Andreas Späinghaus ausdrücklich darauf hin, dass er in diesem Moment den Standort wechselt und sich neben dem mächtigen Steinquader in der Mitte der Gedenkstätte befindet. Auch der Satz: „Da sieht man auch als Sehender nicht viel“, hat im Rahmen einer Führung mit dem Blinden- und Sehbehindertenverein eine ganze neue Bedeutung. Gemeint war ein so genannter Streitbrunnen, der sich einst gegenüber des Eggenpfads befunden hat. Den Teilnehmern hat die geschichtsträchtige Führung in jedem Fall gefallen. „Auch als Werdohler haben wir hier viel Neues mitgenommen“, so Doris Aust und Udo Memecek.

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