Weihnachtsturbulenzen mit gewissen Längen

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Fast etwas deplaziert wirkt der Weihnachtsmann auf dem Weihnachtsmarkt, der eher einem Rummel gleicht.

Werdohl - Connis kleiner Bruder Jakob verschwindet auf dem Weihnachtsmarkt, beim Krippenspiel vergisst sie als Engel die dritte Strophe von „Vom Himmel hoch, da komm ich her“, und dann bricht auch noch der Haustürschlüssel ab. Bis der Schlüsseldienst kommt, gibt es keine Geschenke: Ziemlich normalen Weihnachtswahnsinn präsentierte das Theater auf Tour am Freitag im Festsaal Riesei.

„Conni und das ganz spezielle Weihnachtsfest“ erwies sich als unterhaltsame und liebevoll inszenierte Geschichte, die für das ganz kleine Publikum allerdings gewisse Längen enthielt. Es rumorte im Zuschauersaal.

Wenn der Weihnachtsmann entführt wird oder ihm vor der Bescherung sein Sack mit Geschenken geklaut wird, kann man daraus eine fortlaufend spannende Geschichte stricken. An solch erzählerischer Zielstrebigkeit mangelte es ein wenig in Tristan Bergers Bühnenbearbeitung einer Conni-Geschichte von Julia Boehme.

Unter dem eher abstrakten Obertitel „sehr spezielles Weihnachtsfest“ erzählte das Theater auf Tour unter der Regie von Kosmas Chatziioannis in eher episodischer Folge, was kurz vor und am Weihnachtsabend alles schief laufen kann. Anstatt für ihre Rolle als Engel im Krippenspiel üben zu können, muss sich Conni (Rosa Sutter) um ihren kleinen Bruder Jakob (Sarah Dombrowski) kümmern. Der verschwindet zum Dank plötzlich auf dem Weihnachtsmarkt, taucht auf dem Schoß eines Weihnachtsmannes wieder auf und benimmt sich so, wie sich das für kleine renitente Brüder so gehört.

Natürlich geht Connis Auftritt ein bisschen schief, und sie muss sich von Kater Mau (Stefan Senf) trösten lassen. Dann kommt auch noch Onkel Albert (Christopher Jungbluth) zu Besuch, was ebenfalls nicht auf einhellige Freude in der Familie stößt.

Doch der Onkel hat Unterhaltungswert, die freundliche Nachbarin rettet die Klawitters, als die mangels Schlüssel nicht mehr in ihr Haus kommen und überhaupt: „Was läuft schon normal im Leben?“ Warum soll also ausgerechnet das Weihnachtsfest „störungsfrei“ über die Bühne gehen?

Das war eine nette Botschaft, schön dargebracht in einem sehr wandlungsfähigen Bühnenbild, das blitzschnell von Innen nach Außen wechseln und bei Bedarf auch zum Weihnachtsmarkt werden konnte. Dazu kamen bunte Kostüme skurriler Figuren, die Spaß machten: Gut – beim Weihnachtsmann gibt es kleidungstechnisch keine großen Alternativen, aber zusammen mit einem Leierkastenmann und einem Luftballonverkäufer bot er ein lustiges Bild. Klasse war auch der Kater Mau, in dessen Kostüm Senf sich streckte und leckte, dass eine Freude war.

Die größeren Kinder im Festsaal blieben dabei auf Kurs und halfen Conni bereitwillig, als ihr Bruder auf dem Weihnachtsmarkt verschwunden war. Zur Belohnung gab es Waffeln in der Pause.

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