Virgin: Rasante Instrumental-Orgien

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Brechend voll war die Musikkneipe Alt Werdohl am Freitagabend. Vor der Bühne sammelten sich Alt und Jung, um die Musik der 60er- und 70er-Jahre hochleben zu lassen.

Werdohl - Die 60er- und 70er-Jahre lebten am Freitagabend in der Musikkneipe Alt Werdohl wieder auf. Beim Konzert der Iserlohner Rockgruppe Virgin im brechend vollen Wohnzimmer von Kultwirt Pöngse kamen alle auf ihre Kosten: Publikum wie Musiker auf der Bühne.

Nach einem verhuschten Beginn kam die Band dann beim dritten Stück des Abends – „Sunshine of Your Love“ von Cream – auf Betriebstemperatur. Die Zuschauer im Saal nickten zustimmend im Rhythmus zur Melodie. Der Flower-Power-Klassiker endete folgerichtig in einer Instrumental-Orgie. Die bereits Mitte der 70er-Jahre gegründete Truppe Virgin kostete den Moment so richtig aus.

Die Musiker, die später auch das Nebenprojekt PeeWee-Bluesgang gründeten, boten ein Repertoire, welches mit Jimi Hendrix („Hey Joe“), J. J. Cale („Cocaine“), The Doors („Riders on the Storm) und Steamhammer („Junior’s Wailing“) beinahe alle Größen der Hippie-Blütezeit umfasste. Passenderweise heißt die neue CD von Virgin „The Hippies are back“ (Die Hippies sind zurück).

Und in der Tat hatte die Band einige Jahre lang auf Eis gelegen. Längst ist die Bluesgang, die von Fans nur „die PeeWees“ genannt wird, prominenter als Virgin. Zu Unrecht, das bewies dieser Konzertabend, der vielfältig und aufregend war.

„Samba pa ti“ von Santana, sowie die beiden vom Ausnahme-Gitarristen selbst gecoverten Stücke „Black Magic Woman“ (im Original von Peter Green’s Fleetwood Mac) und „Oye Como va“ (ursprünglich von Tito Puente) gaben dem Publikum eine kleine Erholungspause, bevor die Coverband wieder aufs Gaspedal trat. Erneut war es ein Song des Trios Cream, der für Begeisterung bei den Fans sorgte: „White Room“ wurde von den Iserlohnern wiederum mit einem ausgedehnten, rasanten Jam beendet.

Gitarren-Künstler Thomas Hesse, Percussionist Rüdiger Schilling und Tastenmann Thomas Waßkönig (sonst aktiv bei Grobschnitt) spielten immer wieder Soli, die das Alt Werdohl zum Kochen brachten. Doch immer noch nicht hatten Virgin ihr Pulver verschossen. Sänger Richard Hagel im von Motten zerfressenen alten Batik-T-Shirt, der im Bühnen-Hintergrund versteckt im Dunkeln agierende Drummer Friedbert Falke und Udo Gersdorf am fünfsaitigen Bass trieben ihre Mitstreiter zu immer neuen Höhepunkten.

Das im Orginal leicht vor sich hin schwebende „Sympathy for the Devil“ von The Rolling Stones holten sie so zum Ende des zweistündigen Gigs auf den felsigen Boden des Hardrocks. Konsequenterweise legten die Cover-Musiker bei den Zugaben nach mit der kantigen Mitgröhl-Nummer „Allright now“ von der Band Free. Das Publikum war verzückt und Teile der Zuschauer rasteten komplett aus. Und so endete ein schweißtreibender Abend krachig und schön.

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