Konkrete Altersteilzeitangebote für Mitarbeiter

Enervie: Verhandlungen über Stellenabbau beginnen

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Was nach der Schließung aus der Anlage auf der Grenze zwischen Werdohl und Altena wird, ist im Moment noch offen.

Werdohl - Enervie hat seinen Mitarbeitern konkrete Altersteilzeitangebote gemacht. Das bestätigte am Donnerstag Unternehmenssprecher Andreas Köster. Mit den Mitarbeitern der Erzeugersparte werde zudem über Aufhebungsverträge verhandelt. Ein entsprechendes „Freiwilligenprogramm“ wurde den Beschäftigten am Dienstag übermittelt.

Enervie will bis 2019 gut ein Drittel der 1260 Stellen abbauen. Besonders betroffen ist davon die Kraftwerkssparte mit ihren 300 Mitarbeitern. 200 davon arbeiten in Elverlingsen – sie werden nicht mehr gebraucht, wenn das Kraftwerk im Laufe des nächsten Jahres stillgelegt wird. Auch andere Kraftwerksstandorte werden bekanntlich geschlossen. Ob sich das Unternehmen ganz aus der Erzeugung zurückziehe oder vielleicht doch Standorte wie beispielsweise das Wasserkraftwerk in Wilhelmsthal behalte, ist nach Mitteilung Kösters noch nicht entschieden.

Auch in den anderen Sparten sollen Arbeitsplätze abgebaut werden – insgesamt 450, hieß es gestern. In einem Gutachten der Unternehmensberatung Berger wird es als unbedingt erforderlich bezeichnet, dass bei den Personalkosten in den kommenden Jahren über 40 Millionen Euro eingespart werden. Im Gespräch sind neben den Stellenkürzungen auch Einbußen beim Gehalt der noch verbleibenden Mitarbeiter.

Ziel aller Vorschläge an die Mitarbeiter sei es, die Zahl betriebsbedingter Kündigungen „so gering wie möglich“ zu halten und zu sozialverträglichen Regelungen zu finden, betont das Unternehmen. Die Vorschläge seien mit dem Betriebsrat abgesprochen, teilte es auf Anfrage unserer Redaktion mit.

Der allerdings wurde „unter Druck gesetzt“, wie Jana Holland berichtet. Die Gewerkschaftssekretärin im Verdi-Bezirk Südwestfalen ist Ansprechpartnerin für die gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten der Enervie. Die im Kraftwerk Elverlingsen trafen sich am Donnerstag, um Mitglieder einer Tarifkommission zu wählen. Hintergrund ist, dass die Gewerkschaft mit der Unternehmensleitung über einen Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung und Qualifizierung verhandeln will. Darin könnte zum Beispiel die Gründung einer Transfergesellschaft festgeschrieben werden – für Enervie bisher überhaupt kein Thema, wie Jana Holland gestern berichtete – „bisher ist es so, dass die Unternehmensleitung total blockt“.

Wann genau in Elverlingsen die Schalter auf Null gedreht werden, ist noch nicht ganz klar. Ursprünglich war die Stilllegung für die Jahreswende 2015/2016 geplant. Es sei nicht auszuschließen, dass die Anlage etwas länger laufe, sagte Pressesprecher Köster am Donnerstag.

Völlig offen ist bislang die Frage, was dann mit dem Komplex passiert. Wird er eingemottet? Oder abgebrochen? Damit würden sich die entsprechenden Fachleute des Unternehmens „zu gegebener Zeit“ beschäftigen, kündigte Köster an.

Neben dem Kraftwerk betreibt Enervie in Elverlingsen auch eine Wirbelschichtfeuerungsanlage, in der pro Jahr rund 200 000 Tonnen Klärschlamm verbrannt werden. Die thermische Verwertung dieses Stoffes ist in NRW gesetzlich vorgeschrieben. Die Stilllegung dieser Anlage hat Enervie bislang nicht geplant.

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