Vergewaltigung: Zwei Jahre Haft nach Revisionsverfahren

Werdohl - Es kommt selten vor, dass das Oberlandesgericht Hamm ein Urteil aus dem Amtsgericht Altena wegen formaler Mängel aufhebt. So geschah es aber mit einer Entscheidung gegen einen 42-jährigen Werdohler, den das Schöffengericht im November 2013 wegen einer versuchten Vergewaltigung zu einer zweijährigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilte.

Bei der Tat habe es sich möglicherweise nicht nur um einen Versuch gehandelt, argumentierte die Kontrollinstanz, zudem hätte ein Gutachten zum Ausmaß der alkoholbedingten Berauschung des Angeklagten eingeholt werden müssen. So kam die Sache erneut vor’s Schöffengericht. „Ich kann mich an nichts erinnern“, versicherte der Angeklagte im Hinblick auf das Kerngeschehen der Nacht zum 20. Februar 2013. Es fiel allerdings auf, dass er noch recht deutliche Erinnerungen an das hatte, was sich an jenem Abend außerhalb des Bettes abgespielt hatte.

Die Geschädigte, dem Alkohol grundsätzlich abhold, konnte sich noch sehr genau an alles erinnern. Sie habe den Angeklagten in einer Gaststätte in der Nähe des Werdohler Bahnhofs getroffen und mit ihm geplaudert. Warum aber hatte sie den Angeklagten anschließend in dessen Wohnung begleitet? Die Zeugin nannte mehrere Gründe: Die Kinder kannten sich, und sie hoffte, dass sie von der Schwägerin des Angeklagten spät in der Nacht nach Hause gefahren würde.

Als sich das zerschlug, wollte sie im Kinderzimmer der Wohnung des Angeklagten übernachten: „Die Kleine schlief, die Große war noch wach und schon am Betten machen, als er mich ins Schlafzimmer zog“, erinnerte sich die Zeugin. Dort habe der Angeklagte sie auf’s Bett geworfen, sie gewaltsam entkleidet und sei schließlich mit dem Finger in sie eingedrungen. Zu mehr sei es nicht gekommen, weil sie sich schließlich befreien und in der Toilette habe einschließen können. „Vorher hat er so besoffen gewirkt. Doch jetzt wusste er ganz genau, was er tat“, gab die Zeugin ihren Eindruck eines durchaus zurechnungsfähigen und vor allem „fürchterlich starken“ Mannes wieder.

Objektiv ließ sich die Frage nach dem Alkoholisierungsgrad des Angeklagten nicht beantworten, weil erst am Mittag des folgenden Tages ein Atemalkoholtest bei der Polizei gemacht wurde. „Was und in welcher Menge der Angeklagte getrunken hat – da gibt es wenig Anhaltspunkte zur Aufklärung durch ein Gutachten“, stellte der Vorsitzende Richter Daniel Höffler fest.

Staatsanwalt Michael Burggräf ging bei seinem Strafantrag von einer – im strafrechtlichen Sinne –„vollendeten“ Vergewaltigung aus, sah aber mehrere Gründe für eine Minderung des Strafrahmens: die alkoholbedingte Enthemmung und den Umstand, dass der Angeklagte der Geschädigten nach dem ersten Verfahren eine Entschädigung von 3000 Euro gezahlt hatte.

„Zwei Jahre und neun Monate wären angemessen“, urteilte der Staatsanwalt – die waren allerdings nicht zu haben, weil der Angeklagte durch das Revisionsverfahren nicht schlechter gestellt werden durfte. So schloss sich das Schöffengericht dem Staatsanwalt an, der keine Möglichkeit gesehen hatte, unter dem aufgehobenen Urteil zu bleiben: „Zwei Jahre auf Bewährung“ lautete deshalb erneut die Entscheidung. Der zuvor nicht vorbestrafte Angeklagte zeigte sich reuig: „Ich schäme mich für diese Geschichte.“ - Von Thomas Krumm

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