VDM-Verkauf an ehemaligen Thyssen-Vorstand geplant

Die Werdohler VDM-Betriebsratsvorsitzende Dagmar Waschkowiak sprach gestern Vormittag von einem „hinterhältigen Vorgehen seitens der Konzernspitze.“ - Fotos: Heyn

Werdohl - Die VDM Metals mit Sitz in Werdohl soll aller Wahrscheinlichkeit nach an den zentraleuropäischen Investor Lindsay Goldberg Vogel (LGV) verkauft werden. Hinter dem zehn Milliarden Dollar schweren Private-Equity-Fonds LGV steckt neben den Amerikanern Lindsay Goldberg auch Prof. Dr. Dieter H. Vogel aus Düsseldorf, früherer Vorstandsvorsitzender der Thyssen AG.

Der Betriebsrat hatte am Mittwoch Vormittag ganz kurzfristig alle Beschäftigten zu einer außerordentlichen Versammlung auf dem Werksgelände an der Plettenberger Straße gerufen. VDM-Betriebsratsvorsitzende Dagmar Waschkowiak sagte ihren Kolleginnen und Kollegen, dass am selbigen Tage ein Verkaufsabschluss zwischen dem Mutterkonzern ThyssenKrupp und der LVG geplant gewesen sei.

Weder Arbeitnehmervertretung noch Aufsichtsrat seien über dieses geplante „Signing“ informiert gewesen. Erst Mittwoch Morgen habe der VDM-Gesamtbetriebsrat Gerd Bendiks aus Unna erfahren, dass ThyssenKrupp diesen Verkaufsabschluss in allerletzter Minute abgesagt habe. Gründe wurden nicht genannt. Daraufhin wurden die Mitarbeiter an allen Standorten in Werdohl, Altena, Unna, Siegen und in Frankfurt in aller Eile durch die örtlichen Betriebsräte informiert.

Waschkowiak sagte am Mittwoch zu den Werdohler Beschäftigten: „So ein hinterhältiges Vorgehen seitens der Konzernspitze ist eine bodenlose Frechheit und lässt uns gegenüber dem Konzern jegliches Vertrauen verlieren.“

Schon lange ist allen Beteiligten klar, dass ThyssenKrupp die VDM nach der Rücknahme von Outokumpu wieder weiterverkaufen will. Gesamtbetriebsrat und ThyssenKrupp-Geschäftsführung hatten daraufhin eine Vereinbarung getroffen, die schon vor dem Vertragsabschluss mit einem potenziellen Käufer weitreichende Mitbestimmung der Arbeitnehmervertreter festgeschrieben hat. Dabei geht es um das „Best-Owner-Prinzip“. Wörtlich ist in dieser Vereinbarung festgehalten, dass der mögliche Käufer noch vor Vertragsunterschrift („Signing“) mit dem Gesamtbetriebsrat „Gespräche über die Sicherung aller Standorte und Arbeitsplätze, über Investitionen und über die kontinuierliche Fortentwicklung der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten bei der VDM“ aufnehme.

Dass angeblich der Vertrag schon gestern hätte unterschrieben werden sollen, ohne dass auch nur ein Arbeitnehmervertreter überhaupt davon wusste, hat die Betriebsräte in größte Aufregung versetzt. Waschkowiak: „Wir fühlen uns hier hintergangen und appellieren an unseren Konzern, sich an unsere Vereinbarung zu halten.“ Waschkowiak ließ den ungeheuren Druck, der jetzt auf den Arbeitnehmervertretern lastet, in einer spontanen Rede ab: „Dieses Verhalten seitens TK ist unvorstellbar für uns. Anscheinend hat man aus der Vergangenheit aber gar nichts gelernt. Ich nenne nur das Milliardengrab Brasilien, wo natürlich nicht die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Nein, im Gegenteil werden noch Verdienstorden vergeben und bezahlen muss es der kleine Mann, indem seine Stelle gestrichen wird.“

Am Donnerstag werden etwa 500 Mitarbeiter der Werdohler VDM mit sechs Bussen zu einer Betriebsversammlung in der Stadthalle Unna aufbrechen. Dort will der Gesamtbetriebsrat genauere Informationen weitergeben. Seitens der TK-Geschäftsführung gab es am Mittwoch keinen Kommentar zu den Ereignissen.

Von Volker Heyn

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