The Vagrants machen Nacht zum Tag

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Renate und Steve Iorio schmachten sich an: Die zwei sind ein Ehepaar und gemeinsam die treibende Kraft der Band The Vagrants.

Werdohl - „Fans aus England und Dänemark“, schwärmte The-Vagrants-Gitarrist Steve Iorio zum Schluss des dreistündigen Auftritts seiner Band in der Musikkneipe Alt Werdohl, „aber ich habe keine Ahnung, woher ich eigentlich komme.“ Noch bevor es ihm jemand verraten konnte, sagte er mit verzücktem Blick auf seine Sängerin und Gattin: „Meine Heimat ist, wo Renate ist – und auf der Bühne in Werdohl, unserer Lieblingsstadt.“

Kurz nach 2 Uhr in der Nacht von Freitag auf Samstag war es, als so ein Konzert endete, dass fünf Stunden zuvor mit zwei Acts im Vorprogramm begonnen hatte. Nachdem die Mühlheimer Band Kai Koi die Rock-Show eröffnet hatte, erklomm die Australierin Nat Allison die Bühne – obgleich sie an diesem Freitag nicht nur Geburtstag hatte, sondern auch unter einer Lebensmittelvergiftung litt.

Die Gitarristin von Suzi Quatro hinterließ bleibenden Eindruck. Ganz allein mit ihrer Sechssaitigen brachte sie das Publikum zum Kreischen – erstaunlich. Sie spielte die verzerrte Akustikklampfe wie eine E-Gitarre. Und ihre Stimme klang mal lieblich, dann wieder wie eine Rockröhre. Mit Songs wie „Anyone for Tennis“ und „You Call That Rock ‘n’ Roll“ erzeugte sie einen wahrlich heißen Rock-Sturm.

Dann prosteten die vier Vagrants ihrem Publikum mit Kräuterschnaps zu und legten los. Mit eigenen Stücken wie „Why me“ und „I Missed the bus“ sowie Coverversionen von etwa „Jumping Jack Flash“ von The Rolling Stones und „Rebel Yell“ von Billy Idol hielten sie die längst durch Allison hochgekochte Stimmung des Publikums auf dem Siedepunkt.

Den Billy-Idol-Klassiker sang übrigens der neue Drummer Stefan Bylund aus Schweden. Er löste Cal Blackman ab. Der in Australien geborene Halb-Niederländer wechselte stattdessen an den Bass und blieb den Vagrants erhalten. Doch die Band besteht im Wesentlichen sowieso nur aus dem Ehepaar Iorio.

Und die fackelten eine Show der Extraklasse ab. Renate und Steve unternahmen beide Ausflüge ins Publikum sowie hinter die Theke. Er ließ sich dort von Jürgen „Pöngse“ Krutzsch Bier einflößen, sie brachte den Kultwirt sogar fast zum Mitsingen.

Als dann alle dachten, das Konzert sei vorbei, kündigte Steve lediglich eine kurze Pause an. Nach zehn Minuten bestiegen die Musiker die Bühne erneut und machten einfach dort weiter, wo sie grad erst aufgehört hatten. Nat Allison kam erneut auf die Bühne, griff jetzt in die Saiten einer Stromgitarre. Vagrants-Gitarrist Steve wechselte an den Bass. Blackman kehrte ans Schlagzeug zurück. Und der Schwede Bylund unterstützte Renate beim Gesang auf dem „Highway to Hell“ der ebenfalls australischen Combo AC/DC.

Sängerin Renate hatte dieses Mal übrigens ihr Saxofon mit ins Alt Werdohl gebracht. Nicht nur für diese Einlage erhielt sie immer wieder Szenenapplaus. Als sie Steppenwolfs „Born to be Wild“ sang, vermochte ihr niemand zu widersprechen. Als das Konzert dann weit nach Mitternacht endete, hatte bereits die Hälfte des Publikums den Ort des Geschehens verlassen – und so einiges verpasst.

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