The Vagrants brillieren mit Akustik-Show im Alt Werdohl

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Die australische Band The Vagrants rund um Renate und Steve Iorio gehört sei Jahren zu den Stammgästen im Alt Werdohl. Jetzt kam das Ehepaar einmal alleine und bot eine mitreißende Akustik-Show, die es in sich hatte.

Werdohl - Renate und Steve Iorio können nicht mehr. Die beiden australischen Stammgäste auf der Bühne der Musikkneipe Alt Werdohl haben wieder einmal alles gegeben. Das Publikum aber ist gnadenlos: Es lässt sie einfach nicht gehen.

Mit ihrer Band The Vagrants (zu Deutsch: die Landstreicher oder auch: die fahrenden Sänger) waren sie schon einige Male zu Gast in Jürgen „Pöngse“ Krutzsch’ Wohnzimmer. Dieses Mal haben der Australier und seine deutschstämmige Ehefrau ihrer Mitmusiker aber zuhause gelassen.

Vor dem Konzert sagen beide unabhängig voneinander: „Das ist erst unser zweiter Akustik-Auftritt überhaupt. Es sind nur wir zwei Leute auf der Bühne – alles schaut auf uns. Mann, wir sind echt nervös.“ Sage und schreibe drei Stunden später steht fest: Das Lampenfieber hat sich für die zwei gelohnt.

Nach einem zweistündigen Konzert kündigt das Paar mit „Knockin’ on Heaven’s Door“ – im Original von Bob Dylan – seine letzte Nummer des Abends an. Den von vielen Bands beinahe totgespielten Song transformieren die beiden Musiker mit einer Barjazz-Note in eine andere Daseinsform. Das Ganze wirkt frisch und selbst die Zuschauer, die bei der Ankündigung des Liedes noch die Augen verdrehten, singen plötzlich mit.

Es ist heiß, sehr heiß, im Alt Werdohl. Sängerin Renate kommentiert: „Wenigstens hier drinnen ist es Sommer.“ Pöngses Wohnzimmer ist mehr als nur gut gefüllt. Dicht gedrängt stehen die Fans vor der Bühne. Die Luft ist stickig, obgleich die Tür den gesamten Abend über offen steht. Immer wieder gehen zahlreiche Konzertbesucher vors Lokal – nicht nur, um eine Zigarette zu rauchen, sondern auch, um einfach einmal Luft zu schnappen.

Das Kern-Duo der Vagrants möchte nun die Bühne verlassen, vielleicht auch einmal durchschnaufen, etwas trinken. Doch der Jubel der Zuhörer kennt keine Grenzen. Ein ums andere Mal lassen sich die beiden überreden, weiter zu spielen. Immer wieder finden sie Songs, die sie heute Abend noch nicht gespielt haben. Immer wieder aber kündigen sie auch „die jetzt wirklich letzte Nummer“ an. Erst mit „Jailbreak“ der ebenfalls australischen Band AC/DC sind die Vagrants dann entlassen. Im Song geht es um einen Ausbruch aus dem Gefängnis. Die Iorios befreien sich von der Bühne – total erledigt, aber auch überglücklich.

Am Anfang des grandiosen Abends stand der von ihnen selbst komponierte Titel „Missed the bus“. Schnell zeigt sich: Die Vagrants sind in Werdohl längst Superstars. Textsicher singen die Fans mit. Steve Iorio wird sich später fasziniert dafür bedanken. Die Fans werden abwinken: „Ist doch selbstverständlich.“

Bei „Rehab“ (zu Deutsch: Entzug) der verstorbenen Soul-Sängerin Amy Winehouse wird Renate dann laut rufen: „Gebt mir Jägermeister“. Was sie wohl da noch nicht ahnt, ist: Sie wird noch Stunden auf ihr Lieblingsgetränk warten müssen. Erst einmal muss sie arbeiten. Aber sie liebt ihren Job ganz offensichtlich auch.

Die Sängerin spielt Keyboard und Saxofon (etwa bei „Satisfaction“ von The Rolling Stones). Und wenn sie gerade einmal nichts zu tun hat, hüpft sie wie ein Flummi über die Bühne, umarmt Fans in den ersten Reihen oder lacht sich kaputt, wenn ihr Mann Steve sich verspielt. Nein, es geht nicht alles glatt, bei der erst zweiten Akustik-Show. Aber das stört keinen im Saal – ganz im Gegenteil. Das macht die Aufführung nur authentischer.

„Dirty Little Secrets“, ein eigenes Vagrants-Stück über ein Leben ohne Netz und doppelten Boden, wird zum ersten von zahlreichen Höhepunkten an diesem Abend. Von da an wird das Publikum fast jedes Lied mit Pfeifen, Johlen und donnernden Applaus quittieren. Bei „This is the life“ von Amy McDonald singen sie nicht nur mit, sondern tanzen. Sag noch einmal einer, Sauerländer seien Bewegungsmuffel.

Nach einer kleinen Pause steigen die Vagrants in den zweiten – weitaus längeren – Teil ihrer Show ein mit „The Pretender“ von den Foo Fighters. Im Stück geht es darum, nie aufzugeben. Und das tun die Iorios an diesem Abend auch nicht. Trotz der kräftezehrenden Show wird Renate später ins Mikrofon keuchen: „Ich habe eine Menge Spaß an dem hier...“

Und dann werden sie noch einen eigenen Song spielen: „Can’t Take Anymore“. Kerniger Rock ‘n’ Roll, rotzig, laut und energiegeladen. „Spielt da wirklich nur ein Mann seine Akustik-Gitarre und seine Frau singt dazu“, fragen sich sicher einige im Alt Werdohl. Und ja, wenn großartige Musiker ihr Publikum mitreißen wollen, braucht es nicht viele Instrumente: Eine Menge Adrenalin und Leidenschaft reichen vollkommen aus.

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