Undurchsichtiges Familiengetümmel

Undurchsichtiges Familiengetümmel

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Werdohl - Vier Angeklagte aus Werdohl, darunter eine Mutter (48) und zwei ihrer Söhne, dokumentierten im Amtsgericht Altena, dass sich Streitigkeiten aus einer vergangenen Beziehung zu einem Familienstreit ausgewachsen hatten.

Dass aus der Beziehung eines 27-jährigen Werdohlers zur 19-jährigen Tochter der Angeklagten ein Sohn hervorgegangen war, lässt die ganze Affäre scheinbar zu einem Dauerbrenner werden. Dabei gab es offenbar auch Streit innerhalb der Familie der jungen Mutter, die daraus nicht ganz ungeschoren hervorgegangen sein soll. Die Anklage sprach von Ziehen an den Haaren, von einem Faustschlag und von Beleidigungen, die eine unordentliche Lebensführung und sexuelle Ausschweifungen der Gescholtenen behaupteten.

Doch diese Vorwürfe verschwanden sehr schnell von der Tagesordnung der Gerichtsverhandlung: „Ich will nichts sagen – das sind doch meine Brüder“, gab die 19-Jährige zu Protokoll, dass sie sich nicht zu den Vorwürfen gegen diese beiden Angeklagten äußern wolle. Vom 27-jährigen Kindsvater hingegen fühle sie sich bedroht – so sehr, dass die noch junge Gerichtsverhandlung unterbrochen werden musste, weil lautes Schreien und Schluchzen durch die Tür hereindrang. Doch die Familienhelferin der Stadt Werdohl stellte sich vor den von ihr unterstützten 27-jährigen Kindsvater, der sich vor dem Gerichtssaal nichts habe zuschulden kommen lassen.

Mit einem Nasenbeinbruch war er der Hauptgeschädigte der Streitigkeiten gewesen. Die Angeklagten behaupteten, sie hätten ihn „nur festgehalten, nicht aber geschlagen“ – und das auch nur zur Unterstützung ihrer Schwester, die ihre Sachen bei ihrem Ex habe abholen wollen.

Richter Dirk Reckschmidt und Staatsanwältin Ina Pavel schauten auf das unübersichtliche familiäre Getümmel und verständigten sich mit den Angeklagten auf eine Einstellung des Strafverfahrens. Darüber regte sich trotz seiner gebrochenen Nase nicht einmal der Kindsvater auf. Viel wichtiger als die Frage nach möglichen Strafen war jene nach dem Wohl des kleinen Jungen, der derzeit bei seinem Vater lebt. „Im Interesse des Enkelkindes und Neffen muss da Ruhe einkehren!“, mahnte der Richter.

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