Umspannwerk bleibt auch nach Elverlingsen-Abschaltung

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Andreas Gendig, der Hagener Leiter des Bereiches Anlagentechnik der Enervie-Gruppe, schätzt, dass innerhalb der nächsten zehn Jahre das Umspannwerk modernisiert werden wird.

Werdohl - Noch in der Nacht vom 19. auf den 20. Mai 2008 wurde ein neuer (gebrauchter) Trafo am Umspannwerk der Mark-E am Werdohler Bahnhof angeliefert. Diese Schwertransport-Meisterleistung gehörte zu einem Investitionspaket für 2,7 Millionen Euro. Sie liegt noch nicht allzu lange zurück, aber einiges ist seither passiert. Zunächst wurde die Siedlung Elverlingsen freigeräumt, weil das dortige Kraftwerk expandieren wollte. Mittlerweile steht jedoch fest: Die Stromerzeugung in Elverlingsen endet am 31. März 2018.

„Das Umspannwerk in der Werdohler Innenstadt bleibt aber erhalten“, versichert Andreas Gendig, der Hagener Leiter des Bereiches Anlagentechnik der Enervie-Gruppe, deren Tochtergesellschaft die Mark-E ist. Die Technik im Werk werde vielmehr „innerhalb der nächsten zehn Jahre umgebaut“. Und damit sich diese Investition lohne, „wird es danach sicher noch mindestens 50 Jahre in Betrieb bleiben“. Errichtet wurde das Umspannwerk in den frühen 1960er-Jahren.

Drei riesige Trafos stehen hier an den Bahngleisen. Die beiden äußeren stammen laut Gendig aus den 1960er-Jahren. Der mittlere, 2008 aus Lüdenscheid-Kalve angeliefert, wurde 1977 erbaut. Alle drei haben jeweils eine Leistung von 50 Mega-Volt-Ampere (MVA). Der Anlagentechnik-Leiter erläutert: „Zwei davon sind immer im Betrieb; einer für die Stadtversorgung, also für Werdohl und das nähere Umfeld, einer für das Industrienetz. Fällt einer aus, können wir innerhalb von zwei Minuten auf den dritten umschalten. Der Kunde merkt davon zunächst überhaupt nichts.“

Der Strom, der am Werdohler Bahnhof in die Haushalte und Firmen – für die örtlichen Unternehmen Vossloh und VDM Metals gibt es jeweils mehrere eigene Leitungen – verteilt wird, wird „von Elverlingsen aus heruntergeschaltet“, verrät Gendig. Wenn dort kein Strom mehr produziert werde, bleibe zum einen das dortige Umspannwerk aktiv, zum anderen komme der Strom dann aus Hagen-Garenfeld. Dafür wird derzeit eine so genannte „Stromautobahn“ errichtet. In Garenfeld komme aber auch heute schon etlicher Strom aus der Übertragungsleitung – sprich: „aus Windkraftanlagen, die im Norden an der Küste stehen“.

Bis Mitte der 1960er-Jahre arbeitete am Werdohler Umspannwerk rund um die Uhr Schaltpersonal. Die Warte ist noch erhalten, wurde für den Notfall sogar mit modernen Rechner ausgerüstet. Die Telefone, die daneben stehen, wirken allerdings fast antik. Bis Mitte der 1970er-Jahre wirkte das Schaltpersonal dann in Elverlingsen. Seither wird nur noch eine zentrale Warte in Garenfeld betrieben. Nur, wenn diese ausfällt, sitzt wieder am Werdohler Bahnhof ein Enervie-Mitarbeiter und stellt sicher, dass in keinem Haushalt das Licht ausgeht.

Das Werdohler Umspannwerk wird mit Druckluft betrieben. Zwei Kompressoren stehen im Erdgeschoss. Einmal pro Monat kommt ein Mitarbeiter von Enervie und kontrolliert die Anlage sowie das rote Ziegel-Gebäude auf eventuelle Schäden. Ein Umzug des Umspannwerkes sei auch nach dem Ende des Kraftwerkes Elverlingsen nicht geplant. Was mit dem Gelände in Elverlingsen passiere, sagt Enervie-Pressesprecher Andreas Köhler, „ist im Moment noch völlig offen“.

Eine dezentrale Stromerzeugung, erläutert Köhler, „ist sicherlich wünschenswert, aber kaum machbar“. Gendig ergänzt: „Energie aus Kohle und vor allen Dingen Gas ist heute – egal, zu welchem Zeitpunkt – längst nicht mehr wirtschaftlich.“ Die beiden berichten weiter: Politische Vorgaben und Widerstände aus der Bevölkerung komplizierten die Marktentwicklung oft.

Das Netzgebiet der Enervie-Gruppe umfasst rund 1000 Quadratkilometer und versorgt mehr als eine halbe Million Einwohner mit Strom. 27 Umspannwerke, zudem auch jenes am Werdohler Bahnhof gehört, verteilen den Strom vor Ort. Das Hochspannungs-Freileitungsnetz hat eine Gesamtlänge von rund 200 Kilometern. Die Transformatoren in den Umspannwerken sorgen dafür, dass die Spannung zunächst von 110 000 Volt auf 10 000 Volt heruntergespannt wird. Auf Niederspannungsebene von 400 beziehungsweise 230 Volt gelangt der Strom schließlich zu den Verbrauchern. Das dazu benötigte Kabelnetz ist etwa 7700 Kilometer lang.

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