Mit Bauchschmerzen in den Flieger nach Tunesien

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Lutz Hofmann, Geschäftsführer des ReiseClubs Werdohl, und seine Mitarbeiterin Lena Reese halten sich bei ihrer Reiseberatung an die Aussage des Auswärtigen Amtes.

Werdohl - Sommerzeit ist Urlaubszeit – doch seit dem gezielten Anschlag auf ein tunesisches Touristenhotel in Sousse / Port El Kantaoui am vergangenen Freitag mit zahlreichen Toten und Verletzten, darunter auch Deutsche, steigen Urlauber teilweise mit Bedenken und Angst ins Flugzeug.

Diese Vorfälle zeigen, dass Ausländer gezielt Opfer von Anschlägen durch in Tunesien aktive terroristische Gruppierungen werden können, sagt das Auswärtige Amt in seiner Reisewarnung. Die Zahl der Umbuchungen und Stornierungen für Reisen nach Tunesien seien stark gestiegen, sagt Sandra Kröninger vom Lennetaler Reisebüro: „Wir hatten fünf Buchungen dorthin und alle mussten wir umbuchen.“ Die Reaktionen der Urlauber seien aber gemischt. „Eine Familie ist nach reiflicher Überlegung einen Tag nach dem Anschlag trotzdem geflogen. Ich rate meinen Kunden auf ihr Gefühl zu hören. Ich werde niemanden mit Bauchschmerzen in den Flieger setzen“, sagt Brigitte Christ vom gleichnamigen Reisebüro.

Auch im ReiseClub Werdohl zeigten sich die gleichen Reaktionen der Kunden. Geschäftsführer Lutz Hofmann und seine Mitarbeiterin Lena Reese mussten nach dem Anschlag alle Tunesienreisen umbuchen. Hofmann möchte seine Kunden bei ihrer Entscheidung nicht beeinflussen. „Egal was man macht, man macht es falsch. Entweder rät man ihnen zu fliegen und dann passiert plötzlich etwas oder man rät ihnen davon ab und Bekannte verbringen dort dann einen wunderbaren Urlaub.“ Daher stützt er seine Beratung auf das Auswärtigen Amt. Dort heißt es nur, man solle im Küstenbereich Tunesiens mit Vorsicht und Wachsamkeit reisen.

Kostenlose Umbuchen bei großen Reiseabbietern

Sandra Kröninger vom Lennetaler Reisebüro.

Die großen Reiseveranstalter haben sich nach dem Anschlag sofort auf die neue Situation eingestellt: Kostenlose Umbuchungen sind bei einigen Anbietern sogar noch bis Ende Oktobermöglich. Gerade für die noch recht junge Demokratie Tunesiens sei die derzeitige Entwicklung besonders schlimm, so Lutz Hoffmann. Er ist sich sicher, dass Tunesiens Tourismus sich nicht schnell von dem Anschlag und dessen Folgen erholen wird. Generell bestehe schon länger kein großer Andrang auf das Land als Reiseziel, da das Risiko einer Entführung durch islamistische Terrorgruppen oder kriminelle Banden immer präsent ist. „Andere Touristenorte, wie zum Beispiel Spanien, Türkei, Ägypten oder auch Griechenland werden davon profitieren.“

Trotz der Finanzkrise ist Griechenland immer noch eines der beliebtesten Reiseziele der Deutschen. Die Werdohler Reisebüros konnten keine Veränderungen bei den Buchungen im Vergleich zum Vorjahr feststellen. „Wir raten unseren Kunden nur genug Bargeld mit zu nehmen, wir wollen nicht, dass sie ihren Urlaub mit Warten an Geldautomaten verbringen. Die Leute haben keine Angst nach Griechenland zu reisen, da sie sich auf die Probleme besser einstellen können“, sagt Sandra Kröninger.

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