Tagesstätte der Frauenhilfe hilft psychisch kranken Menschen

+
Melanie Schnelle (stehend) und ihre Stellvertreterin Sonja Kimpel betreuen an der Bahnhofstraße mit drei weiteren Mitarbeiterinnen 18 Besucher. Die psychisch erkrankten Menschen gehen gemeinsam spazieren, sie basteln, kochen und trommeln. Auch PC-Training und ein Englischkursus gehören zum Beschäftigungsangebot.

Werdohl - „Hoffnung“, „Sorgen vergessen“ und „Stark machen“ sind einige der Begriffe, die auf der Collage zu lesen sind. Die Besucher der Tagesstätte der Evangelischen Frauenhilfe haben diese anlässlich des einjährigen Bestehens der Einrichtung angefertigt. Sie zeigen, welche Empfindungen die psychisch erkrankten Menschen mit „ihrer“ Tagesstätte verbinden.

Melanie Schnelle und ihr Team betreuen an der Bahnhofstraße 18 Frauen und Männer im Alter von 18 bis 65 Jahren, die zwar in der Lage sind, alleine zu wohnen, im Alltag aber eine Anlaufstelle zur Orientierung benötigen. „Die meisten sind Drehtürpatienten, die schon viele Klinikaufenthalte hinter sich haben“, erklärt die 43-jährige Diplom-Sozialarbeiterin, die eine musiktherapeutische Zusatzausbildung absolviert hat.

Chronisch kranke Menschen finden dort von montags bis freitags einen Zufluchtsort. Sie leiden beispielsweise unter Depressionen oder Borderline-Störungen und sind nicht mehr in der Lage, in den „normalen“ Alltag zurückzukehren. Einzige Voraussetzung: „Die Besucher müssen in der Lage sein, selbstständig hier her zu kommen“, erklärt Schnelle.

Erkrankte treffen in der Tagesstätte auf Gleichgesinnte

Viele der Erkrankten leben isoliert. In der Tagesstätte treffen sie Menschen, die ähnliche Probleme haben wie sie selbst. „Sie müssen sich nicht verstellen und es entstehen Freundschaften“, zeigt die Diplom-Sozialarbeiterin auf, wie den Besuchern die Teilhabe am Gemeinschaftsleben ermöglicht wird.

Besonders wichtig sei es zudem, den Besuchern eine klare Tagesstruktur zu bieten. „Das Frühstück steht bereit, jeder kann sich selbst etwas zubereiten“, erzählt Melanie Schnelle. Jeweils zwei Besucher seien für den wöchentlichen Einkauf zuständig. „Wir schauen uns auch gemeinsam die Werbeprospekte an, um günstige Angebote zu finden. So lernen unsere Besucher auch mit ihrem Geld umzugehen“, sagt die Leiterin der Tagesstätte.

Kochen, Musiktherapie oder Malen

Jeden Tag haben die Besucher Gelegenheit, gemeinsam zu kochen. Musiktherapie und vielfältige kreative Angebote fördern die Fähigkeiten der Erkrankten. Acrylmalerei, häkeln, stricken und basteln sind ebenso beliebt wie der Nähmaschinenführerschein oder die Arbeit mit Holzwerkstücken. Auch an das Aufarbeiten alter Möbelstücke wagen sich Besucher. Auf diese Weise entstehen wahre Kunstwerke. „Es ist wichtig, dass diese Arbeiten wertgeschätzt werden“, stellt Schnelle fest. Gerne beteilige sich die Tagesstätte deshalb beispielsweise an Projekten, in deren Rahmen die Produkte der Besucher für einen guten Zweck verkauft würden.

„Wir würden uns auch sehr freuen, wenn wir die Möglichkeit bekämen, diese Dinge in einem Geschäft oder in der Bücherei zum Kauf anzubieten“, hofft die Diplom-Sozialarbeiterin auf die Hilfe der Werdohler. Auch ein Sponsor, der beispielsweise hochwertige Maschinen zur Holzbearbeitung zur Verfügung stellen könnte, wäre sehr willkommen. „Wir haben festgestellt, dass wir neue, sehr gute Maschinen benötigen, denn einige unserer Besucher haben, bedingt durch die Nebenwirkungen ihrer Medikament, mit motorischen Problemen zu kämpfen“, berichtet Melanie Schnelle.

Nach einem Jahr am Standort im Herzen der Stadt zieht die Diplom-Sozialarbeiterin abschließend eine positive Bilanz: Schnelle, ihr Team und die Besucher, die ihr Domizil als „klein aber sehr fein“ beschreiben, fühlen sich rundum wohl. Schnelle: „Auch die Anbindung an Busse und die Bahn ist optimal. Und die Geschäfte sind in der Nähe. Es ist sehr wichtig für unsere Besucher, dass die Tagesstätte einfach zu erreichen ist.“

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare