Ein Stückchen Hoffnung und Zuversicht

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Peter Osterkamp vor dem Gemälde „Abendmahl mit Sündern“: Der Diakon möchte nicht als Experte zwischen Himmel und Erde gesehen werden.

Werdohl - Der Tod ist allgegenwärtig, Trauer gehört zum Alltag. Der Verlust eines geliebten Menschen hinterlässt jedoch große Lücken. „Die Leute müssen lernen, mit diesem Schmerz umzugehen. Denn die Wunden bleiben offen, um sich zu erinnern“, sagt Peter Osterkamp. „Gerade im Trubel der Weihnachtszeit kommen oft die Emotionen hoch.“

Der Werdohler ist Diakon in der Evangelischen Kirchengemeinde. Einmal im Monat bietet er Menschen die Möglichkeit, sich ihren Schmerz von der Seele zu reden. Jeden dritten Donnerstag laden er und die ehrenamtliche Kirchen-Mitarbeiterin Regina Berkemeyer zu einem Trauercafé im Gemeindehaus ein. „Für Menschen, die einen Lieben verloren haben, ist es wichtig, dass wir für sie als Bodenpersonal da sind.“ Dabei sei weniger der kirchliche Rahmen, sondern vielmehr die Gemeinschaft entscheidend.

Seit über einem Jahr leitet Osterkamp das Trauercafé in der Gemeinde: „Eigentlich wollte ich das nach rund 25 Jahren Diakonie-Arbeit nicht machen. Doch das Bedürfnis vieler Kirchenbesucher war nach dem Weggang von Pfarrer Dieter Kuhlo-Schöneberg groß.“ Rund 15 Personen aus Werdohl, Neuenrade und Lüdenscheid nehmen regelmäßig das Gesprächsangebot wahr. „Nach einem Jahr habe ich gemerkt, dass sich das lohnt. Es ist gut, dass ich auf die Nachfrage reagiert habe.“

Keine  „Experten zwischen Himmel und Erde“

Auf keinen Fall möchten Osterkamp und seine Mitstreiterin als „Experten zwischen Himmel und Erde“ gesehen werden. Durch einen eigenen schweren Verlust habe er einen anderen Zugang zu den Menschen. „Ich bin in der Lage, meine Erfahrungen weiter zu geben. Ohne meinen Freundeskreis wäre auch ich damals verzweifelt. Wir setzen uns einfach zu den Leuten und hören zu. Manchmal müssen wir dabei auch Tacheles reden. Doch Trauerbegleitung bedeutet für uns, den Menschen Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod zu geben.“ Den nötigen Rückhalt für seine Arbeit bezieht Osterkamp aus seinem Glauben. „Ein festes Fundament ist wichtig. Ich bin seit meinen 14. Lebensjahr Christ und habe schon oft erfahren, dass ich getragen wurde.“

Schweigen oft Gold

Während der Gespräche mit den Teilnehmern geben Osterkamp und Berkemeyer wenig Ratschläge. Schweigen sei dabei oft Gold wert, so der Diakon. Doch in extremen Fällen – wenn ein Schicksals-Schlag eine Existenz bedroht – handeln sie sofort. Besuche bei Ämtern oder im Krankenhaus sind dann selbstverständlich. „Wir versuchen, den Menschen ein Stückchen ihrer Sorgen abzunehmen und ihnen Zuversicht zurück zu bringen.“ Hilfe erhalte dabei jeder – egal welchen Glaubens.

Seelsorge werde heutzutage immer bedeutender, weiß Osterkamp: „Es gibt viele Einsame, psychische Anfälligkeiten und Burn-Outs. Viele Menschen passen nicht mehr in unseren Alltag.“ Diese Leute seien wegen ihrer Ängste abgehängt worden. Deshalb besuchen er und Regina Osterkamp etwa in der Weihnachtszeit Menschen, die Harz-IV beziehen. Wenn da die „Kirche“ nicht hingehe, verliere die Gesellschaft diese Menschen. Einen großen Bedarf an Begleitung sieht der Diakon vor allem bei älteren Menschen. Dessen Probleme und Sorgen seien nicht einfach nebenbei zu erledigen. „Gute Pflege allein reicht da nicht immer aus.“

Informationen zum Trauercafé finden Hilfesuchende bei Peter Osterkamp unter Tel. 0 17 1/41 77 96 7

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