Enervie lässt Stromkohleblock E4 bis März 2018 laufen

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Mit dem Kohleblock 4 wird in Elverlingsen noch bis März 2018 Strom erzeugt, die Laufzeit der Wirbelschichtfeuerungsanlage ist unbegrenzt. Für die Beschäftigten ist das eine gute Nachricht, wenn auch keine unbedingt neue.

Werdohl -  Was für Mitarbeiter und Betriebsrat ganz offensichtlich schon seit langer Zeit klar ist, verkündete das Unternehmen Enervie am Dienstag auf Anfrage als Neuheit: Der Kohlestromblock E4 im Kraftwerk Elverlingsen wird noch bis Ende März 2018 in einem geregelten Auslaufbetrieb gefahren.

Betriebsrat und Aufsichtsratsmitglied Ludger König war am Dienstag von der Erklärung seines Arbeitgebers nicht überrascht: „Das war nie in der Diskussion, den E4 zu diesem Jahreswechsel abzuschalten.“ Darauf hin zielten zum Beispiel auch viele langfristige Pläne mit den Beschäftigten in Elverlingsen, in Altersteilzeit zu gehen. Man könne den auslaufenden Betrieb so sehr sozialverträglich gestalten. Nach der Stimmung am Kraftwerksstandort Elverlingsen gefragt, sagte König: „Gut.“ Der Abschalt-Termin in zweieinviertel Jahren sei lange vorbereitet worden.

Abschalten in 2018 eine "Laufzeitverlängerung"

Enervie-Unternehmenssprecher Andreas Köster kündigte auf Nachfrage unserer Zeitung am Dienstag das Abschalten des Kohlestromblocks in 2018 als „Laufzeitverlängerung“ an. Köster: „Das ist länger als wir vermutet und bislang immer gesagt haben.“ Für Enervie und die Beschäftigten sei diese Laufzeitverängerung eine äußerst positive Nachricht. Bislang hatten die Unternehmenssprecher stets diesen Jahreswechsel als möglichen Zeitpunkt zum Abschalten des Kraftwerks in der Öffentlichkeit kommuniziert. Mit höchstens ein paar Monaten „Zugabe“ in 2016 war gerechnet worden, dann sollte der Hauptblock des traditionsreichen Kraftwerks an der Lenne für immer abgeschaltet werden.

Vorstand, Betriebsrat und Aufsichtsrat hatten längst andere Dinge vereinbart, die der Öffentlichkeit erst jetzt bekannt gemacht wurden.

Für Betriebsrat Ludger König ist die Nachricht eine äußerst positive Angelegenheit. Viele Mitarbeiter bei Enervie seien über das Freiwilligenprogramm aus dem Unternehmen ausgeschieden oder würden es noch tun. Mit dem Laufzeitende 2018 gingen jetzt Kollegen in den aktiven Teil der Altersteilzeit, Ende März 2018 könnten sie dann in den passiven Teil der Altersteilzeitvereinbarung eintreten. Der E4 sei 1982 in Betrieb genommen worden und habe 2018 mit 36 Jahren eine stattliche Laufzeit hinter sich. Ein Betrieb über diesen Zeitpunkt hinaus sei nur mit Millionen-Investitionen zu bewältigen. Aus diesem Grund wurde der Block E3 schon im Frühjahr 2014 stillgelegt. Bis März 2018 würden im Kraftwerk Elverlingsen insgesamt 160 Menschen beschäftigt sein. Bis dahin werde es sicher noch zu weiterer Fluktuation kommen. Nach 2018 werde die Klärschlammverbrennung (WFA) in Elverlingsen weiterlaufen und Strom erzeugen. Für diesen Anlagenteil gebe es keine Laufzeitbegrenzung. Der Kohleblock E4 könne ganz unspektakulär abgeschaltet werden, so Kraftwerker König. Da die WFA noch weiter laufe, könne man nicht davon ausgehen, dass die Anlage abgerissen werde.

In einer ergänzenden Pressemitteilung von Dienstagnachmittag erklärte Enervie, dass sich diese Unternehmensentscheidung schon vor einiger Zeit als die „wirtschaftlich sinnvollste Alternative herauskristallisiert“ habe. Der Block E 4 mit einer Leistung von 310 Megawatt wurde 1982 in Betrieb genommen und hat seitdem rund 177.000 Betriebsstunden und mehr als 1900 Starts erreicht. 2018 ende somit nach mehr als 100 Jahren die Stromproduktion im Kraftwerk Elverlingsen.

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