Hartmetallwendeplatten vor Amtsgericht in Altena

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Hartmetallwendeplatten vor Amtsgericht in Altena.

Werdohl - Wer ist der Betrüger, wer der Betrogene? In einem Strafverfahren vor dem Amtsgericht Altena war diese Frage nicht auf Anhieb zu beantworten.

Ein 26-jähriger Industriemechaniker hatte sich auf den Weg von Ratshausen in Baden-Württemberg nach Altena machen müssen, weil er – zugegebenermaßen - einen 34-jährigen Produktionshelfer aus Werdohl um ein paar Euro erleichtert hatte. Am 20. Oktober hatte der Angeklagte einen Überweisungsträger mit dem Namen des Geschädigten unterzeichnet und bei dessen Bank eingereicht. 253,80 Euro wollte er auf diese Weise auf sein Konto überweisen. Die Bank bemerkte Unregelmäßigkeiten und verweigerte die Dienstleistung. Am nächsten Tag hatte der Angeklagte mit der gleichen Methode mehr Erfolg: Die Bank überwies ihm 180 Euro vom Konto des Geschädigten. Das hätte als recht eindeutige Urkundenfälschung und Betrug geahndet werden können.

Doch der Angeklagte hatte eine Kiste mitgebracht, die die Vorgeschichte zu der merkwürdigen Transaktion illustrierte: Der 34-jährige Geschädigte hatte über Ebay-Kleinanzeigen 10,3 Kilogramm „Hartmetallwendeplatten“ für den stattlichen Preis von 126,50 Euro angeboten und an den Angeklagten verkauft – mit langer Lieferverzögerung, nachdem die Ware schon bezahlt worden war. Der Industriemechaniker in Baden-Württemberg brauchte die Ware, um Ersatzteile für den 1970er Trecker seines Großvaters herzustellen: „Opa hat eine alte Drehbank.“ Was ihn aus Werdohl erst nach großer Verzögerung erreicht hatte, war aber offenbar kaum zu gebrauchen. Und viel zu wenig: „Sollen das 10,3 Kilogramm sein?“, fragte der Angeklagte mit der Kiste in der Hand.

Selbst der Werdohler Verkäufer der Ware musste nach einem Blick in die Kiste eingestehen, dass es sich bei den meisten der Metallplättchen nicht um die von ihm beschriebene Qualität handelte. Aber für ihn galt sowieso: „Für mich ist das Schrott.“ Beide Geschäfts-„Partner“ schienen also zugleich Betrüger und Betrogener zu sein. Richter Dirk Reckschmidt schonte die Ressourcen der Justiz, sah den Angeklagten wohl durch unbrauchbare Ware, Anwalts- und Fahrtkosten genug geschädigt und stellte das Verfahren ohne Auflagen ein: „Wenn alle Beteiligten sich gegenseitig versuchen zu bescheißen, dann soll es damit auch gut sein.

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