„Stopp, ich will das nicht!“

Mentaltrainer und Coach Daniel Duddek schlüpft demonstrativ in die Rolle des Angreifers.

Werdohl - Der große Dennis aus der vierten Klasse sucht wieder einmal einen Schwächeren, an dem er seine Wut auslassen kann. Wenn Mentaltrainer und Coach Daniel Duddek in diese Rolle schlüpft, und eine drohende Körperhaltung einnimmt, ist das für die „Gernegroß“-Kinder ziemlich beeindruckend. Trotzdem treten sie dem kleinen Tyrannen entschlossen gegenüber.

Damit hat Daniel Duddek eines der Ziele erreicht, die er den 16 Vorschulkindern während des dreiteiligen Selbstbehauptungskurses vermitteln will: „Die Kinder sollen lernen, wie sie der anderen Person in einer solchen Situation gegenübertreten können. Sie sollen erkennen, dass sie mit ihrer Körperhaltung schon viel beeinflussen können“, sagt Duddek.

Dazu kommen Worte, mit denen sich die Mädchen und Jungen wehren könnten: „Stopp, ich will das nicht!“ Eine so deutliche Sprache sei für viele Kinder nicht selbstverständlich, hat Duddek festgestellt. Er erklärt: „In diesen Bereich spielt auch der Begriff Respekt. Viele müssen noch lernen, für sich und ihre eigenen Bedürfnisse einzustehen.“ Aus diesem Grund behandele er in einer Stunde auch das Thema Gefühle. „Ich möchte den Kindern beibringen, auf sich selbst und ihre Gefühle zu achten.“

Deshalb baut der Mentalcoach auch auf das Verständnis der Eltern. „Es kann sein, dass ein Kind auch zuhause mal Widerworte gibt, wenn ihm eine Situation unangenehm ist. Eltern sollten dann genau überlegen, ob sie das nicht respektieren können.“ Als Beispiel führt Duddek Angstgefühle an – die aus Sicht der Eltern unbegründet sein können – und erklärt: „Kinder dürfen durchaus auch einmal Angst haben.“

Um die Eltern ins Boot zu holen, gehört zu dem Selbstbehauptungskursus abschließend eine Übungseinheit für die Eltern. Auch die Erzieherinnen und Erzieher der Kindertagesstätte bezieht Daniel Duddek ein: Nach dem 60-minütigen Training mit dem Nachwuchs nimmt er sich jeweils 15 Minuten Zeit, um die Kita-Mitarbeiterinnen auf den aktuellen Stand zu bringen. Während des Selbstbehauptungskurses würden ganz alltägliche Dinge aufgegriffen, wie Konflikte auf dem Schulhof. „Der Mann im schwarzen Bulli, der Kinder entführen will, gehört nicht dazu. Dieser Themenbereich wird nicht einmal angerissen. Das würde zu weit führen,“ stellt Duddek fest.

Die Mädchen und Jungen waren mit Eifer bei der Sache. Begeistert zeigte sich auch Sonja Alptekin vom Elternbeirat der Kindertagesstätte. Das Gremium hatte im Rahmen diverser Aktionen insgesamt 660 Euro zur Finanzierung des Kurses zusammengetragen.

Von Carla Witt

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