Schandfleck in Eveking weicht einer naturnahen Verse

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Das ehemalige Ledigenwohnheim zwischen Verse und dem Mehrfamilienhaus an der Heimstraße soll abgerissen, der Fluss in diesem Bereich renaturiert werden.

Werdohl - „Wir bemühen uns ja schon seit Jahren, diese Rattenburg zu entfernen“, atmete Jürgen Henke auf. Was den Vorsitzenden des Ausschusses für Umwelt und Stadtentwicklung derart erleichterte, dass er diesen drastischen Begriff wählte, war die Tatsache, dass das frühere Ledigenwohnheim in Eveking schon bald abgerissen wird.

Möglich wird die Beseitigung dieses Schandflecks an der Heimstraße, weil die Stadt Werdohl in diesem Bereich die Verse renaturieren will, was wiederum erst dadurch in die Tat umgesetzt werden kann, dass sich der bisherige Besitzer des Gebäudes und Grundstücks von seiner Immobilie trennen will.

Das eingeschossige Gebäude, Ende der 19060er Jahre gebaut und später vom Versetaler Schützenverein, dann in den 1990er Jahren von der Stadt als Wohnheim für Aus- und Übersiedler genutzt, befindet sich aktuell im Besitz der Erben des bei einem Gewaltverbrechen im Mai 2011 ums Leben gekommenen Altenaer Geschäftsmannes Chafic Itani. Allerdings steht es seit ungefähr 15 Jahren leer. Entsprechend heruntergekommen ist die Bausubstanz: An einigen Außenwänden haben sich Graffitikünstler ausgetobt, Fenster- und Türöffnungen sind mit Spanplatten verschlossen, um ungebetene Gäste fernzuhalten.

Die Verse-Renaturierung eröffnet der Stadt Werdohl nun die Möglichkeit, diesen Schandfleck am Verseufer zu beseitigen, ohne dafür selbst tief in die Tasche greifen zu müssen. Möglich wird das durch die Wasserrahmenrichtlinie der EU, die festlegt, wie Gewässer wieder in einen so genannten „guten Zustand“ versetzt werden sollen. Im konkreten Fall sollen das ehemalige Ledigenwohnheim abgerissen, der Uferverbau zurückgebaut, das Flussbett aufgeweitet und die naturnahen Sohl- und Uferstrukturen erhalten oder entwickelt werden. Nach Abschluss dieser Arbeiten werde die Verse in diesem etwa 1500 Quadratmeter großen Bereich naturnah gestaltet sein und vielen Lebewesen Lebensraum bieten, heißt es sinngemäß in einem Papier, das dem Ausschuss am Dienstagabend zur Beratung vorlag. Darin werden auch die Kosten für diese Maßnahme genannt: 385 000 Euro. 90 Prozent davon fließen allerdings als Zuschuss, so dass die Stadt Werdohl selbst nur rund 38 500 Euro beisteuern müsste. Die vorgeschlagenen Maßnahmen – unter anderem eine Flachwasserzone und Inselelemente, Störsteine und Totholz – würden sowohl von der beim Kreis angesiedelten Unteren Wasserbehörde als auch von der Oberen Wasserbehörde (Bezirksregierung) begrüßt, die finanzielle Unterstützung sei bereits signalisiert worden, erfuhren die Politiker außerdem. Die Zustimmung zu der geplanten Maßnahme fiel ihnen deshalb leicht.

Die Durchführung der erforderlichen Arbeiten soll nach Angaben der Verwaltung in den Jahren 2016 und 2017 erfolgen.

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