Deipschlade wird wieder für Flüchtlinge geöffnet

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Das Gebäude Deipschlade 7 wird im kommenden Jahr als Übergangswohnheim für Flüchtlinge hergerichtet. Im November 2011 (Foto) wurden die letzten Bewohner woanders untergebracht, seitdem steht das Haus leer. Heute sieht es drinnen und draußen noch viel schlechter aus als damals.

Werdohl -  Anfang November wurde die Wiedereröffnung der ehemaligen Flüchtlingsunterkunft Deipschlade 7 nur diskutiert, kommenden Montag wird es vermutlich so beschlossen: Die Stadt rechnet auch im kommenden Jahr mit so vielen Zuweisungen, dass ein weiteres Übergangswohnheim dringend gebraucht wird.

In den Unterlagen für die Ratssitzung am Montag (21. Dezember) beschreibt Fachbereichsleiter Bodo Schmidt die Lage unmissverständlich: „Die Herrichtung dieses Gebäudes für die Unterbringung von circa 80 Flüchtlingen lässt sich verantwortlich nicht weiter aufschieben.“ Schmidt will während der Sitzung am Montag den Politikern mitteilen, wie hoch die Kosten für die Instandsetzung des Gebäudes Deipschlader Weg 7 sein werden. Mit den erforderlichen Vorarbeiten werde unverzüglich begonnen. Mit einer Bezugsfertigkeit rechne er Mitte 2016. Bis Mitte Februar 2016 werde auch das Übergangswohnheim Im Winkel 32 vollständig belegt sein, die Funkenburg ist schon länger voll ausgelastet.

„Ich wollte die Wiederinbetriebnahme der Deipschlade unbedingt vermeiden“, so Schmidt gestern auf Nachfrage, „aber es geht einfach nicht anders.“ Auf gar keinen Fall werde die Stadt Werdohl Turnhallen als Flüchtlingsunterkünfte umfunktionieren. „Das haben wir mal während des Balkankrieges gemacht, aber die Unterbringung in solch großen Räumen ist für die Menschen katastrophal.“ Die Idee, vielleicht die von der Stadt nicht mehr genutzte Turnhalle Eveking für solche Zwecke zu nutzen, weist Schmidt weit von sich: „Auf gar keinen Fall.“ Über so etwas könne er nur nachdenken, wenn von heute auf morgen 100 Menschen auf einmal untergebracht werden müssen.

So sprunghaft sind die Zuweisungen nach Werdohl nun doch nicht. Zwei bis drei Mal die Woche werden kleinere Gruppen zugewiesen, die Stadt bekommt lediglich mitgeteilt, wie viele Menschen welchen Alters, welcher Nationalität und in welchem Verwandtschaftsverhältnis ankommen werden. Die Mitarbeiter der Stadtverwaltung warten auf das Eintreffen der Menschen und bringen sie entsprechend unter. Schmidt: „Manchmal kommen aber auch trotz der Ankündigung weniger oder auch mal keine oder zu einem späteren Zeitpunkt.“ Die Mitarbeiter der Verwaltung müssten da sehr flexibel sein, oft gäbe es auch Zuweisungen freitags nach 18 Uhr. Umgerechnet fast acht Vollzeitstellen sind derzeit mit der Aufnahme und Unterbringung von Flüchtlingen beschäftigt. Innenminister Jäger hat dieser Tage eine Anweisung erlassen, dass während der Weihnachtstage und des Jahreswechsels vom 24. Dezember bis 3. Januar keine Flüchtlinge zugewiesen werden. Die Abteilung Soziales und Wohnen bei der Stadt bleibe deshalb dieses Jahr vom 28. bis 31. Dezember komplett geschlossen. Die schwer belastetet Mitarbeiter könnten dann Überstunden abbauen oder aufgeschobenen Urlaub nehmen.

Im neuen Jahr geht es weiter, dann mit der Perspektive, Menschen am Deipschlader Weg unterbringen zu können. Schmidt: „Auch wenn wir nicht so viele Zuweisungen wie erwartet bekämen, müssten wir die anderen Häuser und den Wohnungsmarkt dringend entlasten.“ Schmidt schätzt die Lage ganz nüchtern ein: „Auch die Deipschlade 7 wird in 2016 komplett volllaufen.“

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