Sparzwang contra Tradition

Die Schützen der vierten Kompanie machten nachdenkliche Gesichter. -  Fotos: Machelett

WERDOHL - Die Stimmung war gereizt. Die vierte Kompanie des Werdohler Schützenvereins hatte im Rahmen der Herbstversammlung viel zu besprechen. Nicht immer herrschte Einigkeit. Vor allem die geplante Änderung des Antretens am Schützenfestsonntag und der hohe Sparzwang sorgten für teils heftige Diskussionen – so gab es unter anderem Mitglieder, die den Vorstand offen in Frage stellten.

Mehr als zweieinhalb Stunden wurde im Haus Werdohl diskutiert. Die anstehende Beitragsordnung, die für die Herbstversammlung des Hauptvereins auf der Tagesordnung steht, sorgte nahezu bei jedem Punkt für Diskussionen. Zwanghaft würden Sparpotenziale gesucht – und teils auch gefunden.

Die Einschnitte und Änderungen, die bevor stehen, seien vor allem für die vierte Kompanie gravierend. Insbesondere am Sonntagmorgen. Angetreten werden soll künftig nicht mehr an der Königsburg, sondern im Zelt. Es wird 2016 erstmals keinen Sternmarsch mehr geben. Vom Zelt aus marschieren alle Kompanien mit zwei Kapellen zum Rathausplatz, wo das übliche Programm fortgesetzt wird.

„Kein Antreten mehr an der Königsburg? Dann brauchen wir ja gar nicht mehr schmücken“, empörte sich ein Mitglied. Es stimmt, es soll nicht mehr alles geschmückt werden, dennoch soll an der Tradition festgehalten werden. „Es ist etwas Besonderes und mir und vielen anderen ist das wichtig. Wir werden eine Form finden, wie sich die Menschen bei uns melden können, wenn sie ihr Haus weiter geschmückt haben wollen. Wie genau das aussehen wird, müssen wir uns im Vorstand noch überlegen“, betonte Kompanieführer Uwe Schneider.

Die Meinungen über die Änderung gingen weit auseinander. Die einen sahen ganz klar die Einsparpotenziale. Denn durch das gemeinsame Antreten müsse keine extra Kapelle mehr bezahlt werden. Das übernahm bisher der Hauptverein. „Würden wir weiter an der Königsburg antreten, müssten wir die Musik selbst bezahlen“, so Schneider.

Zudem sorge die Polizei nicht länger für die Absicherung der marschierenden Schützen auf Bundesstraßen. „Wie soll das für uns gehen? Wir können ja schlecht mit so vielen Mitgliedern über den Bürgersteig marschieren“, betonte Schneider. Sofort entbrannten Diskussionen und Kritik an der Polizei wurde laut.

Der Konflikt zwischen Sparen und Tradition bewahren war entfacht. „Wir müssen sparen, dürfen uns aber auch nicht totspraren, wie es in einigen Nachbarvereinen geschehen ist“, warnte Schneider. Während vorne der Vorstand die Berichte über das Schützenfest und das gelungene Stadtteilfest vortrug, rumorte es in den hinteren Reihen. „Da sitzen doch die falschen in der Führungsreihe“, „Früher war das Schützenfest nie ein finanzieller Verlust“, „So verlieren die doch noch mehr Mitglieder“, waren Sätze, die immer wieder fielen.

Spieß Christian Pache appellierte an die Schützen: „Wir sind doch eine Kompanie. Alle sollten einmal ihr Verhalten hier überdenken. Wir waren immer eine Kompanie, die sich durch ihren guten Zusammenhalt auszeichnete. Aber die letzte Zeit ist das nicht mehr so.“ So habe es unter anderem wieder Austritte gegeben. Das Gerede untereinander und übereinander sei schlimmer denn je und die Grüppchenbildung gelte es zu unterbinden. „Wir müssen wieder an die Gemeinschaft glauben“, sagte Pache.

In der Tat gab es Austritte, diese seien laut Schneider aber normal und würden durch anstehende neue Eintritte kompensiert. Sechs Mitglieder kündigten beziehungsweise wechselten die Kompanie. Elf weitere Schützen wurden aufgrund fehlender Mitgliedsbeiträge gekündigt. Derzeit zählt die Kompanie 167 Mitglieder. „Wenn alleine wir alle mit unseren Familien auf die Veranstaltungen gingen, wären sie schon besser besucht“, so Schneider. Manche Schützen hätten ihre Priorität einfach nicht mehr bei den Festen.

Um zumindest schon einmal die Teilnahme am regelmäßigen Schießen zu verbessern, wird dieses ab dem kommenden Jahr nicht mehr samstags stattfinden. Ab 2016 wird am ersten Dienstag im Monat im Vier Jahreszeiten geschossen.

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