Sparschwein schlachten wird gebührenpflichtig

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Bei der Sparkasse kann man Kleingeld schon seit längerer Zeit in einen Automaten geben, der die eingeworfenen Münzen prüft und die Werte addiert. In Zukunft will das Geldhaus für solche Dienstleistungen Gebühren berechnen.

Werdohl - Vorbei sind bald die Tage, an denen man mit dem gefüllten Sparschwein zur Bank gehen und das Ersparte auf ein Konto einzahlen konnte. Viele Banken wollen dafür in Zukunft Bearbeitungsgebühren verlangen.

Die Sparkasse schon sehr bald, aber auch bei der Volksbank gibt es solche Überlegungen. Maren Kaiser, Sprecherin der Vereinigten Sparkasse im Märkischen Kreis, bestätigte auf Anfrage der Redaktion, dass das Geldinstitut mit seinen 16 Filialen in Werdohl, Neuenrade, Balve, Plettenberg, Altena und Nachrodt-Wiblingwerde ab dem 1. November Gebühren für sogenannte Münzgeld-Dienstleistumngen erheben werde.

Kunden, die bei der Sparkasse ein Girkonto haben, kommen dabei etwas günstiger weg als solche ohne Girokonto: Sie müssen 2 Prozent des Einzahlungs- oder Wechselbetrages bezahlen, mindestens jedoch 2 Euro. Kunden ohne Konto nimmt das Geldhaus dafür 5 Prozent oder mindestens 10 Euro ab. Wer kein Sparkassen-Kunde ist, wird sein Münzgeld an dieser Bank erst gar nicht los.

Doch die Sparkasse macht auch Ausnahmen. Minderjährige Kunden können Münzgeld auch weiterhin kostenlos auf ihre Konten einzahlen. Auch Kunden, die nicht mehr als 50 Münzen abgeben wollen, werden verschont. Außerdem soll die Einzahlung von Münzgeld am Weltspartag gebührenfrei bleiben.

Derartige Überlegungen auch bei der Volksbank

Auch wer bei der Sparkasse Münzen abholen will, beispielweise für Wechselgeld, muss sich auf Gebühren einstellen. Kunden sollen demnächst 50 Cent pro Rolle Münzen zahlen, Nicht-Kunden sogar 1 Euro.

Derartige Überlegungen gebe es auch bei der Volksbank im Märkischen Kreis, teilt Pressesprecherin Lavinia Heße auf Nachfrage mit. Allerdings sei das „noch nicht spruchreif“. Dennoch kann man wohl davon ausgehen, dass auch die genossenschaftliche Bank in absehbarer Zeit nachziehen wird.

Hintergrund der neuen Gebühren sind nach übereinstimmender Darstellung der beiden Sprecherinnen die „enormen Kosten“, die den Geldhäusern durch die Bearbeitung von Münzgeldeinzahlungen entstehen. Der Grund dafür liegt in der seit dem 1. Januar 2015 gültigen „EU-Verordnung zur Prüfung und wieder Inverkehrgabe von Bargeld“. Danach sind Banken verpflichtet jede eingezahlte Münze, die auch wieder ausgegeben werden soll, nach festgelegten Kriterien auf Echtheit und Umlauffähigkeit zu überprüfen.

Investitionen in neue Geräte

Münzfälschern soll so das Handwerk gelegt, dem Euro sehr ähnliche Münzen – wie beispielsweise das türkische Ein-Lire-Stück – sollen aussortiert werden. Das setzt eine Investition in neue Geräte voraus, die pro Stück schnell sechsstellige Beträge kosten können.

Um diese Kosten einzusparen, geben manche Banken die Prüfung an externe Dienstleister ab, die ihre Tätigkeit jedoch in Rechnung stellen. Und selbst wenn die Banken die Münzen für echt befunden und angenommen haben, ist die Arbeit für sie noch nicht erledigt.

Schließlich können sie das Kleingeld nicht in unbegrenzter Menge in ihren Safes horten, und Bankkunden verlangen nur relativ selten Münzgeld. Stattdessen geben die Banken die Münzen regelmäßig an die Bundesbank ab, von wo aus sie dann wieder in den Geldverkehr zurückfließen.

„Münzgeld können wir aber nur in relativ großen Tranchen an die Bundesbank weitergeben“, erklärt Volksbank-Sprecherin Heße. Wer die Gebühren beim Einzahlen von Münzgeld bei der Bank sparen möchte, hat natürlich auch noch andere Möglichkeiten als das Einzahlen aufs Konto.

Zahlen mit Kleingeld hat Grenzen

Natürlich kann man, auch wenn es manchmal lästig ist, in Geschäften mit Kleingeld bezahlen. Das hat allerdings Grenzen: Händler sind nicht verpflichtet, mehr als 50 Münzen – gleich welchen Wertes – anzunehmen. Erste Supermärkte bieten auch bereits Automaten an, die Kleingeld zählen und den Gegenwert als Einkaufsgutschein herausgeben.

Aus der Region ist ein solches Serviceangebot allerdings noch nicht bekannt. Und die Commerzbank bietet ein kostenfreies Comdirect-Girokonto an, auf das Kunden drei Mal im Jahr gebührenfrei (ansonsten 1,90 Euro) Bargeld einzahlen können.

Sparsame Kleingeldsammler können ein solches Konto, das ohne Kontoführungsgebühren angeboten wird, als Zweitkonto führen und ihr gesammeltes Kleingeld alle vier Monate einzahlen.

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