Situation der Kindertagespflege: Werdohl steht noch am Anfang

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Daniela Wall (links) und Marion Battista berichteten über die Situation der Kindertagespflege in Werdohl.

Werdohl - Das Interesse für das Betreuungsmodell Kindertagespflege wächst in Werdohl, wenn auch langsam. Daniela Wall und Marion Battista erläuterten die Entwicklung am Dienstagabend im Jugendhilfeausschuss aus Sicht der Arbeiterwohlfahrt (Awo) und sprachen dabei auch einen Wunsch laut aus.

Daniela Wall vom Kindertagespflege-Büro an der Schulstraße (Tel. 0 173/2 73 12 83) verdeutlichte anhand von Zahlen, dass die Zahl der Personen, die in Werdohl tagsüber fremde Kinder betreuen, in den vergangenen anderthalb Jahren zwar leicht gestiegen ist, aber mittlerweile auch seit fast einem Jahr stagniert. 

„Es gibt Frauen, die Interesse daran haben, sie springen aber oft wieder ab, weil sie nicht mit einem geregelten Einkommen rechnen können“, suchte sie nach Gründen. Die Zahl der Kinder, die in der Tagespflege betreut werden, schwankt nach Walls Angaben seit 18 Monaten zwischen vier und zehn, liegt im Mittel aber bei fünf bis sechs. 

Benötigte Betreuungszeiten nicht angeboten

Betreuungsverhältnisse scheiterten mitunter daran, dass nicht die benötigten Betreuungszeiten angeboten werden könnten. „Wir brauchen also neue Tagespflege-Eltern, um eine passgenaue Vermittlung hinzubekommen, aber gleichzeitig auch neue Anfragen, um vorhandene Betreuungslücken schließen zu können“, sagte Wall. 

Für Marion Battista, Koordinatorin der Awo-Kindertagespflege im Kreis, sind solche Anlaufschwierigkeiten nichts Neues. „Die Akzeptanz braucht Zeit, manchmal zwei bis drei Jahre“, sagte sie und verwies auf eine ähnliche Entwicklung in der Nachbarstadt Altena. Werdohl stehe da noch am Anfang.

Groß-Tagespflegestelle als Ausbau-Möglichkeit

Eine Möglichkeit, die Kindertagespflege in Werdohl auszubauen, sei eine Groß-Tagespflegestelle, sagten die beiden Awo-Vertreterinnen. Zwei bis drei Betreuerinnen könnten dann gemeinsam bis zu neun Kinder aufnehmen. „Dafür gibt es sogar interessierte Frauen, aber es fehlen die Räume“, beschrieb Daniela Wall die Situation. 

Denkbar sei, im Parterre liegende leer stehende Räume im Stadtzentrum, aber auch in einem Gewerbegebiet zu nutzen. Marion Battista betonte, dass diese Räume allerdings zu sehr günstigen Konditionen zu mieten sein müssten: „Das Problem ist ja, dass die Frauen die Miete für diese Räume erst erwirtschaften müssen. Aber mit einem solchen Projekt könnte die Kindertagespflege in Werdohl auf einen Schlag sehr viel gewinnen!“

Gerade Eltern, die unsicher seien, ob die Tagespflege das richtige Betreuungsmodell für ihr Kind sei, könnten damit überzeugt werden, weil sich immer mehrere Personen gleichzeitig um die Kinder kümmerten.

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