Holocaust-Überlebende aus Israel besuchen Werdohler Bürgermeisterin

+
Vladimir Tufeld und Erika Teller (Mitte), Holocaust-Überlebende aus Israel, überreichten Bürgermeisterin Silvia Voßloh als Zeichen der Freundschaft zwischen beiden Völkern unter anderem einen Brief mit allen Unterschriften der Gruppe.

Werdohl - „Wir sind hierher gekommen mit dem Ziel der Versöhnung und Verfestigung der Freundschaft zwischen den beiden Völkern“, erklärte Vladimir Tufeld die Absicht seiner Reise.

Als Leiter einer Gruppe Holocaust-Überlebender aus Israel besuchte er mit den zwölf weiteren Mitgliedern Schulen in Hemer, Lüdenscheid, Witten, Schwerte und Hagen – und gestern Bürgermeisterin Silvia Voßloh, um ihre Geschichte zu erzählen.

Die Werdohlerin Barbara Schmidt organisierte den Ablauf des Treffens. „Sie hat ein großes Herz für Israel“, sagte Dr. Arnulf von Auer. Der Hagener Internist organisierte mehrere „Märsche des Lebens“, die an die Todesmärsche erinnern sollen, die Insassen der Konzentrationslager während des Zweiten Weltkriegs erleiden mussten. Mit Worten zur Ideologie des Dritten Reiches begrüßte er die dreizehnköpfige Gruppe im Werdohler Rathaus.

„Auch in Werdohl verloren jüdische Menschen ihr Leben“, mit diesen Worten erinnerte Bürgermeisterin Voßloh an die vier Holocaust-Opfer aus der Lennestadt. Yoel Glass, ein russischer Zwangsarbeiter, starb aufgrund seiner jüdischen Wurzeln im Konzentrationslager Sachsenhausen. Die gebürtige Werdohlerin Pauline Lennhoff starb mit 60 Jahren in Auschwitz. Die Brüder Paul und Wilhelm Guido Schlesinger waren Firmeninhaber und fielen dem Nationalsozialismus ebenfalls zum Opfer. „Ich wünsche mir ein Leben frei von Vorurteilen und Krieg“, sagte Voßloh abschließend.

Tufeld und Erika Teller, ebenfalls Leiterin der Gruppe aus Israel, berichteten, dass elf der Überlebenden zum ersten Mal nach Deutschland gereist seien. „Viele haben Angst vor dieser Reise gehabt“, so Tufeld. „Wie werden die Deutschen uns empfangen?“ – diese Fragen stellten sie sich bei ihrer Ankunft am Düsseldorfer Flughafen. Doch sie seien warm und herzlich begrüßt worden. Mehr als 1000 Schüler besuchte die Gruppe in den vergangenen Tagen, dabei wurden viele Fragen gestellt. „Gab es auch gute Deutsche?“ Die Antwort darauf fiel positiv aus. In einem Museum in Jerusalem wurden durch Zeugenaussagen 587 Deutsche ermittelt, die jüdischen Menschen im Dritten Reich geholfen hatten.

„Wir sind nach Deutschland gekommen ohne Wut“, betont Tufeld. Sie hätten verziehen, doch vergessen könne man so etwas nicht. Sie hätten ihre Kindheit verloren. „Doch zusammen mit Deutschland werden wir Frieden erreichen, nicht nur zwischen den beiden Völkern, sondern auf der ganzen Welt“, ist Tufeld überzeugt. Die Gruppe ist laut Tufeld bereits die dritte, die Deutschland mit dieser Absicht besucht habe. Als Dank überreichte Vladimir Tufeld ein Geschenk an die Bürgermeisterin. Dazu gehörte ein Brief mit allen Unterschriften der Gruppenmitglieder. Voßloh übergab jedem Gast einen Beutel mit dem Stadtwappen und einem Anstecker.

Rüdiger Drallmeyer begleitete das Treffen musikalisch mit selbst geschriebenen Texten. In dem Lied „Werdohl – geliebte Lennestadt“ wurde jedem jüdischen Holocaust-Opfer aus Werdohl eine Strophe gewidmet. Zum Abschluss sangen alle gmeinsam „Wir wollen Frieden für alle“ – auf deutsch, englisch und hebräisch.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare