In sechs Tagen schwieriges Werk einstudiert

Das Publkum im Festsaal Riesei war ganz hingerissen vom Jugendsinfonieorchester und dem Stipendiaten Komatina mit seinem außergewöhnlichen Instrument. - Foto: Krumm

Werdohl - Ein ganz großer Komponist, sein Schwiegersohn und dessen Schüler standen auf dem Zettel des Programms, das das Märkische Jugendsinfonieorchester am Freitag im Festsaal Riesei unter der Leitung von Thomas Grote servierte.

Der Titel „Böhmische Knödel“ ließ zwar eher an eine Speisekarte denken, doch der Mensch lebt bekanntlich nicht nur vom Brot allein: Und so spielte das Nachwuchsorchester zur Freude des Publikums Kompositionen von Antonin Dvor(ák (1841 bis 1904), Josef Suk (1874 bis 1935) und Václav Trojan (1907 bis 1983).

Moderator und Pianist Stephan Quandel führte vorab in die Werke ein, die das Orchester kurz anspielte. Er erläuterte die Beziehungen zwischen den Komponisten und sprach über deren Verwurzelung in der böhmischen Folklore. Zunächst begrüßte Josef Suk mit den schönen Melodien seines „Scherzo fantastique“ das Publikum in einem Programm, das sehr unterschiedliche Musik versammelte – trotz der gemeinsamen Wurzeln der Komponisten.

Für die übliche Zusammenarbeit zwischen dem Musikstipendiaten der Märkischen Kulturkonferenz und dem Jugendsinfonieorchester stand diesmal der Akkordeonist Nikola Komatina und damit ein eher ungewöhnliches Instrument zur Verfügung. Der Besetzung verdankten Orchester und Publikum die Bekanntschaft mit einer zuvor eher unbekannten Komposition des Tschechen Václav Trojan: Seine Programmmusik „Märchenbilder“ erzählte die alte Geschichte von einer Prinzessin, einem tapferen Ritter und einem bösen Drachen.

Und weil Stephan Quandel die musikalischen Mittel, mit denen das Akkordeon das dreiköpfige Untier erscheinen lässt, lebendig geschildert hatte, ergab sich die spannende Hörsituation eines Wartens auf den klingenden Drachen. Nikola Komatina hatte vorab die vielfältigen Klangmöglichkeiten des Akkordeons erklärt. Virtuos erzählte der Stipendiat nun in gelungener Zusammenarbeit mit dem Orchester die Geschichte bis zu jenem Satz im Dreivierteltakt, der „Vom Matrosen mit dem verhexten Schifferklavier“ erzählte. Auch was der Schlusssatz mit „Akrobaten“ zu tun hatte, war durch die kletternden Noten hindurch zu ahnen und Anlass für entsprechende geistige Bilder.

Auf welch hohem spielerischen Niveau sich das Jugendsinfonieorchester bewegt, zeigten die jungen Musiker auch bei Antonin Dvor(áks Sinfonie Nr. 8 mit ihren sehr unterschiedlichen und in sich äußerst abwechslungsreichen Sätzen. Dirigent Thomas Grote bedankte sich für den langen Beifall mit einem großen Lob für die Musiker, die „in kürzester Zeit ein sehr schwieriges Programm“ bewältigt hätten. Gerade mal sechs Tage hatten für die Proben zur Verfügung gestanden, und lediglich die Zugabe hatte es nicht bis zur Aufführungsreife geschafft. Dafür gab es noch einmal den besonders schönen dritten Satz von Dvor(áks 8. Sinfonie – in gekürzter Fassung.

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