Firma Remmel in Werdohl muss Insolvenz anmelden

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Problem sei laut des Insolvenzverwalters auch eine Meinungsverschiedenheit mit einem Großkunden.

Werdohl - Das Unternehmen Ulrich Remmel hat einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt.

Am vergangenen Freitag hat das Insolvenzgericht Hagen den Insolvenzverwalter bestellt: Seit Montag kümmert sich Rechtsanwalt Thomas Neumann aus Lüdenscheid um das „vorläufige Insolvenzverfahren“ der Firma. Neumanns erster Eindruck nach einem mehrstündigen Gespräch mit dem Betroffenen: „Es sieht nicht schlecht aus.“ Eine Fortführung des Unternehmens sei geboten.

Die rund 15 Mitarbeiter haben ihr Gehalt für den Monat Juni nicht erhalten, sodass Neumann durch die Insolvenzgeldvorfinanzierung erst einmal die Gehälter für die nächsten drei Monate gesichert hat. Das Problem des „renommierten, am Markt bekannten Unternehmens“ sei die aktuelle Wirtschaftslage, so Neumann.

Die Remmel-Mitarbeiter haben schon im Juni kein Gehalt mehr bekommen.

Das Unternehmen selbst nennt auf seiner Internetseite eine in Südwestfalen „diffuse konjunkturelle Lage“ als einen der Gründe für die derzeitigen Schwierigkeiten. „Die Räder drehen sich, jedoch werden in verschiedenen Branchen Investitionen verschoben oder ganz verworfen. Einige Kunden befinden sich in Kurzarbeit, besonders betroffen davon ist der Maschinenbau“, erklärt Remmel.

Hinzu kommt nach Darstellung des Insolvenzverwalters eine Meinungsverschiedenheit mit einem Großkunden. Die aufgestellten Maschinen würden nicht so wie erwartet laufen. Die Firma Remmel spricht von Regressansprüchen, die der Kunde geltend mache.

Remmel konnte außerdem nach eigenen Angaben „nach einem sehr erfolgreichen Start mit der Automatisierung von Zerspanungsmaschinen vieler offener Angebote im zweistelligen Millionenbereich, keine wesentlichen Aufträge abschließen“. Potenzielle Kunden seien derzeit äußerst vorsichtig bei den Investitionen in neue Technologien.

Rechtsanwalt Thomas Neumann bezeichnete die Situation für Geschäftsinhaber Ulrich Remmel als „nicht schön“: „Er führt eine Einzelfirma“, erklärt der Lüdenscheider Anwalt. Das bedeute, dass sein privates Vermögen mit in die Insolvenzmasse fallen könne. Neumann berichtet nach der ersten Besprechung positiv von dem Unternehmen: „Es ist ein aufgeräumter, sehr strukturierter Betrieb.“ Er sei auf eine ordentliche Buchhaltung und Mitarbeiter vom Fach getroffen.

„Es gibt Unternehmen, da gibt es einfach keine Perspektive oder sogar keine Existenzberechtigung. Das ist hier ganz anders“, berichtet Neumann. So ein Knowhow wie dort dürfe eigentlich nicht verloren gehen. Er habe bisher nichts negatives feststellen können und ist überzeugt: „Es ist wert, darum zu kämpfen.“ Man müsse nun nach Lösungen suchen.

Laut Neumann gebe es Interessenten für eine Beteiligung und auch für eine Übernahme des Betriebs. Das Unternehmen Remmel wurde 1983 von Ulrich Remmel in Werdohl als Ein-Mann-Betrieb gegründet und hat sich schon kurze Zeit später auf Zerspanung spezialisiert. Ein Projektingenieur unterstützt seit Herbst 2015 das 14-köpfige Team. Remmel gehört zu den führenden Anbietern von Lösungen für die CNC-Zerspanung in Südwestfalen.

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