Chronischer Schwarzfahrer muss ins Gefängnis

Ein chronischer Schwarzfahrer wurde jetzt am Landgericht verurteilt.

Werdohl - Braucht ein 28-jähriger Werdohler den besonderen Kick? Oder pflegt er einfach nur „ein schönes Hobby“, wie Richter Dieter Krause, Vorsitzender einer Berufungskammer des Landgerichts, mit Blick auf die Schwarzfahrten des Angeklagten vermutete: „Es kommt keiner, mich erwischt keiner.“

Mehrfach landete der 28-Jährige bereits im Gefängnis, weil er immer wieder Bahnfahrten ohne gültigen Fahrausweis unternahm. Am 7. Juli kassierte der Werdohler die vorläufig letzte Verurteilung: vier Monate ohne Bewährung wegen Betruges und wegen Erschleichens von Leistungen. Anfang des Jahres war er mehrfach ohne Fahrausweis im Zug auf der Ruhr-Sieg-Strecke unterwegs gewesen. Bei einer der unvermeidlichen Kontrollen hatte er wider besseres Wissen angegeben, seine Monatsfahrkarte zuhause vergessen zu haben. So kam es zu der zusätzlichen Anklage wegen Betruges.

Richter Dirk Reckschmidt war am 7. Juli am Amtsgericht Altena zu dem Urteil gekommen, dass der Angeklagte unbelehrbar sei und in „jahrelanger Haft“ nichts gelernt habe. Deshalb komme nur die Verhängung einer weiteren viermonatigen Haftstrafe in Betracht – selbstverständlich ohne Bewährung. Bei notorischen Gesetzesverstößen gebiete die Rechtsordnung auch bei „Kleinigkeiten“ die Verhängung einer Freiheitsstrafe.

Im Landgericht bekundete der Angeklagte gestern, dass er keine Lust habe, wegen der haftbedingt längeren Abwesenheit von zuhause seinen Arbeitsplatz zu verlieren. Richter Dieter Krause wunderte sich, warum jemand für ein so exklusives Hobby seine Beschäftigung riskiert. Eine neuerliche Anklage aus dem Juli empfahl den 28-Jährigen allerdings in keiner Weise für einen Gnadenakt. So nahm er, entsprechend beraten, die Berufung gegen das Urteil des Amtsgerichts zurück: „Dann muss ich wohl doch damit leben.“

Um seinen Arbeitsplatz muss der leidenschaftliche Schwarzfahrer aber wohl nicht unbedingt fürchten: Der offene Vollzug in der Justizvollzugsanstalt Attendorn mache einiges möglich, erklärte der Richter dem Angeklagten, bevor dieser sich wieder auf den Weg nach Hause machte. Die Kammer und der Staatsanwalt spekulierten derweil über die Frage, ob der 28-Jährige wohl eine Fahrkarte für die Heimfahrt mit der Bahn erworben hatte.

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