Schriftsteller-Debüt mit Strapsen und Stachelschwein

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Der gebürtige Werdohler Kai Brodersen ist jetzt Krimiautor – und stellt „Pilsken & Pailletten“ in der Stadtbücherei vor.

Werdohl - Die Sprache ist schon seit jeher seine große Leidenschaft. „Auch früher, als FDP-Vertreter im Werdohler Rat, habe ich mein Rederecht genossen“, sagt Kai Brodersen und lächelt schelmisch. Jetzt feiert der 49-Jährige sein zweifaches Debüt als Schriftsteller.

Unterschiedlicher hätten die Erstlingswerke des gebürtigen Werdohlers nicht sein können: Während sich das kleine Stachelschwein, Titelheld des Kinderbuches „Der kleine Theo“, im Wald auf die Suche nach seiner wahren Identität begibt, hat Kioskbesitzer Jens Nobbe ganz andere Sorgen: Der ehemalige Travestiekünstler und Callboy findet den Filialleiter der benachbarten Sparkasse – in Korsage und Strapsen – angekettet mit Handschellen, direkt hinter seinem Büdchen.

Gemeinsam mit einem Kumpel befreit er den Mann, um ihn kurz darauf wieder zu finden; und zwar mausetot. Kurzerhand ermittelt Nobbe in „Pilsken & Pailletten“ auf eigene Faust und verliebt sich ausgerechnet in einen bekannten Pornodarsteller.

Schon nach den ersten Seiten glaubt man Kai Brodersen nur zu gern, dass „Der Fürst der Phantome“, eines der Meisterwerke von Anthony Burgess, zu seinen Lieblingstiteln zählt. Und geschrieben hat Brodersen „schon immer ein bisschen“. Bücher gehören zu seinem Leben – wie die Luft zum Atmen: „Es passiert eigentlich nie, dass ich kein Buch in der Tasche habe“, stellt der 49-Jährige fest. Seit zwei Jahren lebt Brodersen jetzt in der Stadt, die das Tor zum Ruhrgebiet genannt wird. Und hier hat er es auch endlich geschafft „ernsthaft mit dem Schreiben zu beginnen“.

Quasi an einer Bushaltestelle, mit Blick auf den Kiosk, der in „Pilsken und Pailletten“ im Mittelpunkt steht. „Ich habe dort auf den Bus gewartet und überlegt, was in so einem Büdchen alles passieren kann“, erzählt Brodersen. Den Bus habe er darüber verpasst, sich folglich im Kiosk ein Fläschchen Bier gekauft und die Fantasie noch weiter schweifen lassen. „Und dann habe ich einfach geschrieben“, sagt der 49-Jährige.

Ganz klassisch, mit Feder und Tinte, bringt der Autor seine Gedanken zu Papier. „Damit ist die Gefahr gebannt, dass man schneller schreibt als man denken kann“, schmunzelt Brodersen. Schließlich tippt er das Manuskript „mit drei bis sechs Fingern“ auf der Computer-Tastatur.

Ein Dutzend Verleger habe er angeschrieben, jeweils eine Leseprobe und ein Exposé versandt, erinnert sich der gebürtige Werdohler: „Wenige Tage später kam schon eine Antwort.“ Brodersens erster Krimi ist im Verlag dead soft erschienen, der auch Interesse an weiteren Abenteuern des Titelhelden Jens Nobbe bekundet hat. „Und die werden folgen“, verspricht der Autor.

Dagegen ist es wohl eher vergeblich, auf Neuigkeiten von Stachelschwein Theo zu warten. „Das Kinderbuch ist ein Zufallsprodukt“, erzählt der Hagener. Er habe das Haus einer befreundeten Familie gehütet, die Kinder-Spielgeräte im Garten erblickt – und die Geschichte plötzlich im Sinn gehabt. An zwei Nachmittagen schrieb Brodersen nieder, was „Der kleine Theo“ erlebt. Gerne waren die Kinder der Familie bereit, liebevolle Illustrationen für das gebundete Kinderbuch beizusteuern.

Die Werdohler haben am Freitag, 20. November, Gelegenheit Kai Brodersen wiederzusehen oder ihn – und seinen Helden Jens Nobbe – kennenzulernen. Dann liest der gebürtige Werdohler ab 19.30 Uhr aus seinem Krimi in der Stadtbücherei.

„Pilsken & Pailletten“ (ISBN: 978-3-945934-37-1, 325 Seiten) ist broschiert zum Preis von 12,95 Euro erhältlich. Die Kindle-Edition kostet 5,99 Euro. Das Kinderbuch „Der kleine Theo“ (ISBN-10: 373756017X) ist als gebundene Ausgabe zum Preis von 14,90 Euro erhältlich.

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