Dokumentarfilm über Zwangsarbeit in Werdohl

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Udo Böhme vom Heimat- und Geschichtsverein (rechts) mit den beiden Filmemachern Annelie Klother und Walter Kropp.

Werdohl - Auf sehr großes Interesse stieß am Mittwochabend in der Stadtbücherei ein Dokumentarfilm der Filmemacher Annelie Klother und Walter Kropp.

Darin geht es um das Schicksal dreier französischer Kriegsgefangener in Deutschland: „Gefangen – und dann – André, René, Laurent“. 

Besonders interessant aus Werdohler Sicht ist die Geschichte des Gefangenen André Toureille, der im Stahlwerk von Brüninghaus Federn herstellen musste. Die beiden deutschen Filmemacher, die in Südfrankreich leben, hatten dort Gelegenheit, mit dem Sohn von André Toureille und anderen Zeitzeugen zu sprechen.

So kam eine Filmdokumentation zustande, die dem Schicksal der drei Kriegsgefangenen nachging. Weitverstreut waren sie in Werdohl, Ziegenhain (Hessen) und St. Johann im Pongau (Österreich) untergebracht. 

Kontakt über Geschichtspfad im Internet

Über den auch im Netz abrufbaren Geschichtspfad, mit dem die Werdohler SPD an die Kriegsereignisse erinnert, stellten die Filmemacher den Kontakt zu Andreas Späinghaus und Udo Böhme her. Die beiden begleiteten die Dreharbeiten und Böhme schildert im Film die zu Kriegszeiten herrschenden harten und gesundheitsschädlichen Arbeitsbedingungen im Federnwerk: „Die Luft war blau“ (von Metalldampf). 

Dazu herrschte ein Geräuschpegel von 90 Dezibel. Jean Toureille, der Sohn von André, schildert, wie sein Vater erheblich schlechter behandelten russischen Kriegsgefangenen unter die Arme griff. Zwar mussten die Baracken auch der französischen Gefangenen regelmäßig mit giftigen Gasen von Ungeziefer befreit werden, doch wurden sie erheblich besser versorgt. 

Schicksal der französischen Gefangenen

„Sie wollten keine Federn für den Krieg mehr herstellen“, erinnerte sich der Sohn an Gespräche mit seinem Vater über die Zwangslage eines Kriegsgefangenen in Deutschland. Welches Schicksal jenen französischen Gefangenen drohte, die mehr als einmal versuchten zu fliehen, machte die Geschichte von Laurent Déjean deutlich.

Nach dem zweiten Fluchtversuch kam er in das Lager Rawa Ruska zwischen Treblinka, Sobibor und Auschwitz – eine Situation, die sich dramatisch von der sonstigen Unterbringung französischer Kriegsgefangener unterschied. 

Zeitzeugen sollen sich melden

In Rawa Ruska erlebten auch die Franzosen das Grauen der benachbarten Massenvernichtung mit. Sie wurden gezwungen, bei der Ausplünderung und Vernichtung jüdischer Opfer mitzuhelfen. Was für Folgen die Unterbringung in einem Straflager für Laurent noch immer hatte, als er schwerkrank nach Frankreich zurückgekehrt war, machte seine Frau im Interview deutlich: 

Nachts habe er plötzlich aufgeschrien, „Raus!, Raus!“ gerufen, und gefragt, wo er sei. Sie habe ihn getröstet und sie weinten. Zur weiteren Aufarbeitung der Geschichte der Zwangsarbeiter in Werdohl bittet der Heimat- und Geschichtsverein mögliche Zeitzeugen, sich zu melden.

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