Streit um fristlose Kündigung und Hausverbot

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Sein Arbeitgeber, die AB-EK Entlackungs-GmbH, hat Isa Avci (Mitte) die fristlose Kündigung und ein Hausverbot ausgesprochen. IG-Metall-Sekretär Ulrich Flasshoff (links) vermutet, dass sein Aufruf zur Betriebsratswahl der Auslöser war.

Werdohl - War das der nächste Versuch eines Unternehmens im Gewerbegebiet Dresel, die Wahl eines Betriebsrates zu verhindern? Oder ist es ein zwar nicht alltäglicher, aber doch häufig auftretender Zwist zwischen Arbeiternehmer und Arbeitgeber? Die Kündigung von Isa Avci (38), Schichtleiter bei der Firma AB-EK Entlackungs-GmbH, beschäftigt auf jeden Fall die Gewerkschaft IG Metall – und möglicherweise auch demnächst das Arbeitsgericht.

Als einer von drei Beschäftigten des Unternehmens hatte Isa Avci, seit 2010 bei AB-EK beschäftigt, in der vergangenen Woche zu einer Betriebsversammlung eingeladen, um die erstmalige Wahl eines Betriebsrates in die Wege zu leiten. Drei Tage später überreichte ihm die Geschäftsleitung die außerordentliche und fristlose Kündigung und erteilte ihm obendrein Hausverbot. Schriftliche Begründung? Fehlanzeige. Mündlich sei ihm mitgeteilt worden, seine Streitigkeiten mit dem Produktionsleiter seien der Kündigungsgrund, erklärte Avci. Er selbst verweist darauf, dass er als Schichtleiter auch die Interessen seiner Mitarbeiter vertreten habe. Meinungsverschiedenheiten seien da vorprogrammiert. Eine Stellungnahme der Geschäftsleitung zu dieser Angelegenheit war am Dienstag (6. September) nicht zu bekommen. Betriebsleiter Dirk Wengenroth verwies darauf, dass es sich um eine Personalangelegenheit handele und möglicherweise ein Arbeitsgerichtsverfahren anstehe.

Für Ulrich Flasshoff, Gewerkschaftssekretär der IG Metall, ist der Zusammenhang zwischen Aufruf zur Betriebsratswahl und Kündigung indes offensichtlich. Mit solchen Methoden versuchten immer mehr Arbeitgeber, ihre Belegschaft einzuschüchtern. Vor diesem Hintergrund sei die Kündigung Avcis unwirksam: „Arbeitnehmer, die Betriebsratswahlen vorbereiten oder sich als Kandidaten aufstellen, genießen Kündigungsschutz. Darüber darf sich kein Arbeitgeber hinwegsetzen“, sagt er.

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Betriebsleiter Wengenroth wies den Vorwurf, die Geschäftsleitung wolle die Betriebsratswahl unterbinden, am Dienstag zurück: „Wir unterstützen die Betriebsratswahl und stellen auch einen Raum für die Wahlversammlung zur Verfügung.“ Warum es in dem 2004 gegründeten Unternehmen mit heute 38 Mitarbeitern in der Stammbelegschaft und etwa zehn Leiharbeitern bislang keinen Beriebsrat gab? „Weil die Mitarbeiter das nicht gefordert haben“, sagt Wengenroth.

Jetzt fordern die Mitarbeiter jedoch ihr Mitbestimmungsrecht ein. Die Wahlversammlung konnte am Dienstagnachmittag wie geplant stattfinden, 22 Mitarbeiter nahmen daran teil. „Wir sind von der Geschäftsleitung auch sehr freundlich begrüßt worden“, räumte Flasshoff ein. Es sei ein dreiköpfiger Wahlvorstand gebildet worden, zehn Mitarbeiter wollten für den Betriebsrat kandidieren. „Darunter ist auf Vorschlag der IG Metall auch Herr Avci“, betonte Flasshoff. Die Betriebsratswahl soll am Mittwoch, 14. September, durchgeführt werden.

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