Uwe Schemberg auf Azubi-Suche

Wenig Interesse an Handwerksberufen

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Werdohl - Bei der Auftragslage, die Uwe Schemberg, Geschäftsführer und Inhaber des Betriebs Schemberg Gartenpflege und Gestaltung momentan hat, würde er sich „über ein wenig Entlastung durch eine zusätzlich Arbeitskraft nicht beschweren“.

Deshalb hat er extra einen Meister eingestellt, um zukünftig auch auszubilden und sich somit seine Fachkräfte der Zukunft zu sichern. Zukünftige Fachkräfte für seinen Beruf zu finden, sei in Schembergs Augen momentan sehr schwierig: „Man findet heute nur noch wenig junge Leute, die eine Ausbildung im Handwerk anpeilen. Viele haben den Plan, nach der Schule direkt im Büro zu landen und dort das große Geld zu verdienen.“

Diese Ansicht kann Arbeitsvermittler Armin Dzaferovic bestätigen: „Von 220 Bewerbern wollen schätzungsweise 130 Industriekaufmann oder Industriekauffrau werden. Für Handwerksberufe sind die Interessen am wenigsten ausgeprägt.“ Eine Bewerberin auf die Ausbildungsstelle zum Gärtner im Garten- und Landschaftsbau hat bereits Kontakt zu Schemberg aufgenommen. Dass diese in Attendorn wohnt, sei kein Problem: „Einer meiner acht Mitarbeiter kommt täglich aus Köln. Solange man über eine gewisse Mobilität – und sei es nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln – verfügt, ist alles möglich“, betont Schemberg.

Neben der Tätigkeit in Werdohl gehöre auch der Besuch der Berufsschule in Letmathe zur Ausbildung dazu. Bürgermeisterin Silvia Voßloh, die am Donnerstag ebenfalls im Betrieb von Uwe Schemberg zu Gast war, fügte hinzu, dass sie aus eigener Erfahrung wisse, dass sich „eine gewisse Mobilität“ ja auch während der Ausbildung ergeben könne: „Wenn man erst einmal eigenes Geld verdient, kann man ja auf gewisse Dinge, wie zum Beispiel ein Auto, ja sparen.“

Lena Draxler von der Bundesagentur für Arbeit rät allen ausbildenden Arbeitgebern, nicht nervös zu werden, weil eine Ausbildungsstelle im Frühjahr noch nicht besetzt ist: „Es gibt regelmäßig Fälle, wo wir selbst fast die Hände über dem Kopf zusammen schlagen, da manche Bewerber zu uns kommen und sagen, dass sie in zwei Wochen eine Ausbildungsstelle brauchen.“ Doch auch in solchen Fällen habe man gute Erfahrungen gemacht: „Manche Bewerber hatten nach einem Tag eine Stelle“, so Armin Dzaferovic.

Für die Stelle im Betrieb von Grundvoraussetzung sei mindestens der Hauptschulabschluss. Lernbereitschaft, Motivation, Teamfähigkeit und Zuverlässigkeit seien ebenfalls gefordert. „Außerdem sollten grundlegende Mathematik-Kenntnisse vorhanden sein“, so Schemberg. Dies unterstreiche in den Augen Schembergs die Vielseitigkeit des Berufs: „Zur Gestaltung der Umwelt gehören eben auch Vorbereitungsarbeiten, in denen beispielsweise Flächen berechnet werden müssen.“

In der Gesprächsrunde war man sich einig, dass Bewerber – egal, welchen Berufsweg sie wählen wollen – mit einem Praktikum sehr gut herausfinden können, ob sie sich im Beruf und vor allem in einem bestimmten Betrieb wohlfühlen. „Im Praktikum lernt man den Beruf kennen und kann überprüfen, ob die eigenen Erwartungen mit der Wirklichkeit übereinstimmen“, so Bürgermeisterin Voßloh.

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