Hoher Verdünnungsgrad macht Abwasser in Werdohl teuer

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An einigen Stellen im Stadtgebiet läuft ungewollt sauberes Regenwasser in die städtischen Abwasserkanäle: Hier am Pungelscheider Weg tritt Hangwasser nach einem Starkregen auf. Der unbefestigte Boden kann die Wassermengen nicht mehr aufnehmen, diese laufen auf die Straße und suchen sich ihren Weg in die Straßenabläufe.

Werdohl - Grundwasser aus Drainagen und Regenwasser hat grundsätzlich nichts im städtischen Abwasserkanal zu suchen, schließlich erhöht das saubere Wasser die Menge des aufwändig zu klärenden Schmutzwassers ganz erheblich. In der Tallage Werdohl an Lenne und Verse ist dieser Verdünnungsgrad mit 300 Prozent besonders hoch – und muss mit einer sechsstelligen Fremdwasserabgabe an den Ruhrverband teuer bezahlt werden.

Wer ab und zu seinen Keller vom aufsteigenden Grundwasser befreien muss und mittels einer Hebepumpe das klare Wasser in den Abwasserkanal einleitet, wird von der Stadt geduldet. „Eigentlich ist das nicht erlaubt“, weiß Thomas Schmidt, Tiefbauingenieur bei der Stadt und zuständig für das Sondervermögen Abwasser.

„Aber die Leute könnten es sonst nur mit dem Eimerchen aus dem Keller holen und in den Garten schütten“, ist er ein Freund der Verhältnismäßigkeit. Bei großen und vor allem ständig wiederkehrenden Wassermengen, die von privat in den Abwasserkanal eingeleitet werden, schreitet die Stadt ein. „Wenn wir es denn mitbekommen“, schränkt Thomas Schmidt die Lage gleich ein.

Gemäß der Entwässerungssatzung der Stadt Werdohl ist auch ein Anschluss von privaten Drainagen an die städtische Kanalisation verboten. Dasselbe gelte auch für Ringdrainagen, die üblicherweise um ein Haus gelegt werden. Manchmal gebe es sogar Falschanschlüsse auf privaten Grundstücken, die – unbewusst oder vorsätzlich – sauberes Wasser in den Schmutzwasserkanal befördern. Schmidt sind Fälle bekannt, bei denen im Wohngebiet mit Trennkanalisation versehentlich das Fallrohr der Dachentwässerung mit an den Schmutzwasserkanal angeschlossen wurde. Das teure Trennsystem gibt es in Werdohl allerdings nur im Neubaugebiet Düsternsiepen und in Teilen von Dresel.

Auch Quell- und so genanntes Fremdwasser dürfe nicht in die städtischen Kanäle fließen, so Schmidt. Das sei prinzipiell nicht erlaubt, in der Praxis geschehe das allerdings sehr häufig. In der kompliziert berechneten Ruhrverbandsabgabe steckt auch der sechsstellige Fremdwasserzuschlag, der letztlich wieder von der Allgemeinheit über die Abwasserkosten bezahlt wird.

Die Stadt selbst ist Hauptverursacher des 300-prozentigen Fremdwasseranteils im Abwasser. Schmidt: „Vor Jahren noch führten so genannte ‘Bürgermeisterkanäle’ das Fremdwasser direkt in die Lenne und in die Verse.“ Heute sind solche Kanäle lange geschlossen und leiten das Wasser in die Kläranlage Ütterlingsen.

Wenn es viel regnet, fließt über Umwege Massen von Regenwasser in die Kläranlage. An vielen Stellen im Stadtgebiet läuft bei Regen Wasser aus dem Hang direkt auf die Straße in die Abläufe. Manch städtischer Abwassersammler ist auch schlicht und einfach kaputt: Dann drückt Lennewasser oder Grundwasser durch Ritzen und Löcher in den Abwasserkanal. Solche Kanäle müssen saniert werden.

Schmidt weiß auf Anhieb eine ganze Menge Situationen im Stadtgebiet, wo mit Regenrückhaltebecken oder der Verlegung von Sammlern versucht wird, der Fremdwasserproblematik Herr zu werden. Schmidt: „Das werden wir nie 100-prozentig in den Griff kriegen, aber jede einzelne kleine Maßnahme hilft.“

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