Sanierung der Christuskirche teurer als gedacht

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Küster Ralf Reininghaus steht am höchsten Punkt des derzeitigen Gerüstes an der Stirnseite der Christuskirche. Erst in dieser Höhe ließ sich erkennen, dass auch die noch darüberliegende Fassade aus Naturstein neu verfugt werden muss.

Werdohl - Schon seit Wochen stehen Gerüste an der Christuskirche, die Fugen an der Wetterseite müssen in kleinteiliger Handarbeit ausgebessert werden. Jetzt sind noch größere Schäden aufgefallen: Auch im mittleren Bereich sind die Fugen brüchig, auch die Dachrinnen sind hinüber. Baukirchmeister Petersmann rechnet mit Gesamtkosten von 80.000 Euro.

Für die evangelische Kirchengemeinde kommt diese zusätzliche Ausgabe völlig ungelegen, sie ist auch durch nichts gedeckt. Der Kirchenkreis wird nichts dazulegen, die Gemeinde muss für den Unterhalt ihrer Gebäude selber sorgen. Ein Antrag auf gesonderte Bezuschussung bei der Stadt sei gestellt, so Petersmann, doch das sei nur ein sehr kleiner Betrag, der eventuell zu erwarten sei. Im Presbyterium werde überlegt, die 80 000 Euro aus dem Verkauf von Gebäuden in Pungelscheid zu decken.

Auf den Gerüsten ist Maurer Friedrich Kurz unterwegs, der schon 2006 bei der Sanierung von Fugen im Einsatz war. Kurz ist einer der wenigen, der diese Technik beherrscht und einen speziellen Mörtel benutzt. Ausgeschrieben wurde diese Aufgabe nicht, Petersmann: „Man muss den nehmen, der es kann.“ Und Kurz kann es. Sein Wissen und seine Erfahrung gibt er momentan an den Mitarbeiter einer anderen Baufirma weiter. Ein Fachingenieur musste die Mischung des Mörtels genehmigen, weil die Christuskirche unter Denkmalschutz steht. Petersmann schmunzelt: „Die Geheimnisse des Mörtels sind weitergegeben worden.“

Bei der Arbeiten an den Fugen wurden aber weitere Schäden deutlich, die von unten auch mit dem Fernglas nicht einzuschätzen waren. Deshalb wird in dieser Woche das bestehende Gerüst vergrößert. Vor allem im Mittelfeld über der Uhr bis hoch zur Dachrinne sind viele Fugen bröckelig und müssen neu verputzt werden. Als auf die Dachrinne geschaut wurde, fiel der nächste Schaden auf. Die Dachrinne ist aus Kupferblech, die Rinneisen wurden aus Eisen gefertigt. Die beiden Materialien treiben gegenseitig eine Verrostung voran – die komplette Dachrinne muss ausgetauscht werden. Ein komplettes Gerüst nur für die Regenwasserableitung wäre enorm teuer. Küster Reininghaus: „Dafür müsste man Teile des Daches vom Kirchenschiff herausnehmen, um von hinten an den Turm zu kommen.“ Deshalb sollen die Arbeiten von einer mobilen Hebebühne aus erledigt werden. Der bisherige Dachdecker hat aber nur eine mit einem 30-Meter-Ausleger. Die reicht vor allem nicht in den hinteren Turmbereich. Jetzt ist eine mobile Bühne mit 50-Meter-Ausleger bestellt. Wenn die Fassade vielleicht Ende Juni gesichert ist, wird der untere Bereich vor dem Eingang dauerhaft für den normalen Durchgangsverkehr von Fußgängern gesperrt sein.

Petersmann: „Wir sind froh, dass die Kirche nur mit dem Turm genau zur Wetterseite hin ausgerichtet ist.“ Wenn die Kirche schräg oder quer zu Wetterseite stünde, wären die Kosten für die Sanierung wesentlich höher. Bei der Lüdenscheider Christuskirche sei das der Fall.

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