Innige Dialoge zu Varianten der Liebe

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Ruth Schimanski: „Gott, was sind Männer primitiv.“ - Foto: Krumm

Werdohl -  Die Kommunikation zwischen Mann und Frau beleuchteten Ruth Schimanski und Rudolf Sparing am Sonntag im Kleinen Kulturforum in einer satirisch-poetischen und überaus vergnünglichen Lesung.

Die Kommunikation zwischen Frauen und Männern ist nicht immer leicht. Einen besonderen Fall stellen Rede und Gegenrede zwischen einer Frau und einem Mann dar, die aus Gewöhnung, Resignation, auf der Grundlage eines Ehevertrages oder gar durch Liebe ineinander verstrickt oder miteinander verbunden sind. „Ich Dich auch – Du mich auch“ lautet der Titel eines Programms, das Ruth Schimanski und Rudolf Sparing am Sonntag im Kleinen Kulturforum des Bahnhofs präsentierten – in innigen Dialogen, die sich zwischen liebevoller Sym- und mörderischer Antipathie bewegten.

Die Spannweite der vorgetragenen Gedichte, Dialoge und Satiren schloss dabei das kunstvoll in Szene gesetzte Missverständnis, das mehr oder weniger geduldige Miteinander-Ausharren und die gekonnt in Szene gesetzte Abrechnung mit dem geliebten Biest an seiner oder ihrer Seite ein. Dazu kam das Salz, das manche in ihrer Suppe brauchen – der fröhlich genossene Ehebruch: „Was glaubst Du – wann wird Dein Mann nach Hause kommen?“ Ein solcher Satz zeugt von einer innigen, wenn auch zeitlich sehr begrenzten Gemeinsamkeit. Angesichts der angedeuteten Unwägbarkeiten spricht hier offenbar jemand mit guten Nerven.

Beredte Sprachlosigkeit herrscht immer wieder zwischen Loriots Frauen und Männern: Egal, ob ein kaputter Fernseher die Antagonisten plötzlich zum Gespräch nötigt oder ob es zweifelhaft ist, dass sein Frühstücksei durch die zeitliche Intuition der Gattin den richtigen Härtegrad bekommt. „Gott, was sind Männer primitiv“, stöhnt sie am Ende des Wortgefechts, und er verschiebt die fällige Konsequenz: „Morgen bringe ich sie um!“

Doch es geht auch schleichender: Nüchtern stellt Erich Kästner in seiner „Sachlichen Romanze“ fest, dass ihnen die Liebe „abhanden“ gekommen war. Doch von solcher Entfremdung nach acht Jahren ist es noch ein weiter Weg, bis eine Frau ihren Kerl zerlegt, einfriert, frittiert und serviert: „Der Tisch ist gedeckt für Zwei, und Du bist auch dabei, Peter!“ Verglichen mit einem solchen Schicksal kann von Glück sagen, wessen Partnerin lediglich ankündigt zu tratschen: „Ich werde allen erzählen, wie schlecht Du bist!“ Und manchmal geht es dann doch eher schlecht als recht miteinander weiter – wenn ein Ehepaar, getrieben von Kurt Tucholsky, gründlichst daran scheitert, einen Witz zu erzählen.

All diese Varianten setzten Ruth Schimanski und Rudolf Sparing im Dialog gekonnt in Szene – unterstützt von Zwischenmusiken und blumigen Aquarellen, die eher zu den seltenen liebevollen Dialogen passten. Eine Distel war eher aus Versehen nicht dabei. Das machte Freude und ließ am Ende die interessante Frage aufkommen, in welchem Verhältnis Literatur und familiäre Wirklichkeit stehen.

Leider, aber auch erfreulicherweise zeigen sich mit der Qualität der Veranstaltungen und mit zunehmenden Besucherzahlen die Grenzen des Kulturforums. Es ist nicht nur klein, sondern zu klein. Doch das wird sich wohl nicht ändern lassen.

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