1,93 Meter großer Ismail Uzun will Erzieher werden 

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Ganz schön zusammenfalten muss sich Praktikant Ismail Uzun mit seinen 1,93 Meter, wenn er mit den Kindern in St. Michael Karten spielt. Dass er einer der wenigen Männer im Beruf des Erziehers ist, stört ihn nicht.

Werdohl - Ismail Uzun ist 1,93 Meter groß und eine stattliche Erscheinung. Genau das bereitete ihm Sorgen, als vor fast vier Wochen sein erster Praktikumstag in der katholischen Kindertageseinrichtung St. Michael bevorstand: „Ich dachte, dass die Kinder vielleicht Angst vor mir hätten“, erinnert sich der 22-jährige Werdohler.

Doch davon kann keine Rede sein: Der Praktikant ist ständig von Mädchen und Jungen umringt, die mit ihm spielen oder ihm etwas erzählen wollen. „Die Kinder spüren, dass er wirklich an ihnen interessiert ist,“ sagt Gisela Urbas, die Leiterin des Familienzentrums.

Ismail Uzun besucht das Gertrud-Bäumer-Berufskolleg in Plettenberg. In seiner Klasse sind 17 Schülerinnen – und nur drei Schüler. „Und das ist ein hoher Männeranteil, haben unsere Lehrer gesagt“, stellt der junge Mann fest.

Trotzdem ist er ganz sicher: Mit der Ausbildung zum Erzieher und dem damit verbundenen Erwerb des Vollabiturs am Berufskolleg hat er genau den richtigen Weg eingeschlagen. „Ich komme jeden Morgen gerne hierher“, sagt der Werdohler.

Dass der Geräuschpegel in einer Kindertageseinrichtung manchmal enorm sein kann, macht ihm überhaupt nichts aus. Besonders gerne spielt er mit den Kindern – Gesellschaftsspiele oder auch Fangen auf dem Außengelände. Auch die Kommunikation mit dem Nachwuchs ist für Ismail Uzun sehr wichtig:

„Wenn sie sich zum Beispiel streiten, dann reden wir darüber, wie man das Problem gemeinsam lösen kann.“ Dass ein Erzieher nicht zu den Spitzenverdienern in Deutschland gehört, ist Uzun bewusst, spielt für ihn aber eine untergeordnete Rolle. „Darüber habe ich mir keine großen Gedanken gemacht. Wichtig ist doch, dass die Arbeit Spaß macht.“ Und dass das der Fall ist, merkt man ihm an. Obwohl er noch nicht weiß, ob er nach dem Abschluss seiner beruflichen Ausbildung, an die sich noch ein einjähriges Praktikum anschließt, tatsächlich in einer Kindertageseinrichtung tätig wird.

„Ich könnte mir auch vorstellen, mit Jugendlichen zu arbeiten, vielleicht im Jugendzentrum oder in einem SOS-Kinderdorf“, sagt Uzun, der als Basketball-Trainer schon Erfahrungen im Umgang mit Jugendlichen sammeln konnte.

Weitere sollen folgen – während des vierwöchigen Praktikums im kommenden Jahr. Zunächst steht Ismail Uzun allerdings der Abschied von den Kindern in St. Michael bevor.

„Wenn ich daran denke, bin ich wirklich traurig“, gibt der 22-Jährige zu. „Wir auch“, sagt Gisela Urbas im Namen ihres Teams. Sie ergänzt: „Und auch den Kindern wird der Abschied nicht leicht fallen.“

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