„Ricke“ bekommt einen Namen

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Jagdpächter Uwe Bettelhäuser hat die Ricke mit Unterstützung eingefangen und in die Praxis der Tierärztin Dr. Susanne Trilling gebracht. Eine Woche musste das verletzte Wildtier im Stall bleiben, bald soll das Reh in die Freiheit entlassen werden.

Werdohl -  Zufrieden knabbert das junge Reh Maiskörner und kaut genüsslich auf frischem Buchenlaub herum. Dass das Wildtier vor einer Woche nur knapp mit dem Leben davon gekommen ist, ahnt der Betrachter nicht mehr.

Der Werdohler Uwe Bettelhäuser, Jagdpächter des Reviers am Eschen, hat das Reh mit Unterstützung seines Sohnes Fynn und der Hilfe seines Mitpächters Frank Müller gerettet. „Anwohner des Eickelsborns haben mich am Samstagnachmittag angerufen und von einem verletzten Reh in ihrem Garten berichtet“, erzählt Bettelhäuser. Als der Werdohler samt Verstärkung dort antraf, lag das blutende Wildtier am Boden. „Es kam nicht mehr hoch. Und es hat schrecklich geschrien“, erinnert sich Bettelhäuser noch genau.

Offensichtlich hatte ein großer Hund das junge Tier – in der Waidmannssprache Schmalreh genannt – angefallen. „Die Keule war aufgerissen und auf dem Rücken waren eindeutig Kratzspuren von großen Krallen“, berichtet Bettelhäuser. Auch am Hals – dem sogenannten Träger – klaffte eine blutende Wunde.

Der Anblick des leidenden Jungtieres berührte den Jagdpächter: „Wir haben es nicht übers Herz gebracht, das Reh zu töten.“ Gemeinsam fingen es die Männer und der Jugendliche ein. „Es war so verängstigt, dass wir ihm einen Sack über den Kopf ziehen mussten, damit es sich wenigstens etwas beruhigt“, sagt Uwe Bettelhäuser.

Als das Vorhaben geglückt war, brachten die Helfer das Wildtier in die Praxis der Werdohler Tierärztin Dr. Susanne Trilling. Bettelhäuser hatte die Veterinärin zuvor telefonisch kontaktiert. „Sie hat keinen Moment gezögert uns zu helfen“, betont der Werdohler. Die Tierärztin sah sich die Verletzungen an – und entschied sich, die Wunden zu nähen. Allerdings stellte Dr. Trilling noch etwas fest: „Die Ricke ist sehr wahrscheinlich tragend,“ berichtet Bettelhäuser. Aus diesem Grund verzichtete die Tierärztin auf eine Narkose und die Gabe von Antibiotika. Länger als eine Stunde dauerte es, bis alle Verletzungen versorgt waren. „Wir haben währenddessen beruhigend auf das Reh eingeredet“, erinnert sich der Werdohler.

Damit sich das Wildtier erholen konnte, nahm Uwe Bettelhäuser es vorübergehend mit nach Ludemert. Und tatsächlich geht es der Ricke, die in Bettelhäusers Stall untergebracht ist, täglich besser. Von den großen Wunden ist mittlerweile nicht mehr viel zu sehen. Auch die Angst hat das junge Reh abgelegt: Bettelhäuser und Sohn Fynn dürfen das Wildtier sogar streicheln. „Es kennt unsere Stimmen und erinnert sich wohl daran, dass wir ihm geholfen haben. Kommt ein Fremder in den Stall, wird es nervös und schreit“, beschreibt der Werdohler.

Der Jagdpächter hat das Tier inzwischen ebenfalls ins Herz geschlossen. Bisher spricht er es mit „Ricke“ an, aber es soll noch einen Namen bekommen – bevor es auf Ludemert in die Freiheit entlassen wird. „Vielleicht bleibt es sogar ganz in der Nähe“, hofft der Werdohler. Auf jeden Fall soll das Reh eine Ohrmarke bekommen. Bettelhäuser: „Ich möchte nicht, dass es irgendwann abgeschossen wird.“

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