Rettungskarten zeigen Verstärkungen und Airbag an

Um langes Suchen zu verhindern, sollte die Karte auf der Fahrerseite hinter die Sonnenblende platziert werden. - Foto: Peuckert

Werdohl -  Szene: Ein Pkw ist in einen Lkw gefahren und steckt unter diesem fest. Die zur Hilfe gerufene Feuerwehr findet hinter der Sonnenblende des verunglückten Wagens eine Rettungskarte. Mit ihrer Hilfe wissen die Einsatzkräfte sofort, wo sie ihre Schneidegeräte ansetzten können. Schnell ist der Unfallfahrer aus dem Fahrzeug befreit. Leider haben erst wenige Autofahrer eine Rettungskarte an Bord, weiß Georg Koch, Löschzugführer Stadtmitte.

Das Thema Sicherheit wird in der Automobilbranche groß geschrieben. Mit zunehmender Leistung der Fahrzeuge, sollen auch die Insassen immer besser geschützt werden. Erreicht wird das unter anderem durch die Verwendung eines hochfesten Stahls bei der Karosserieverstärkung. Im Falle eines Unfalls können aber gerade diese Verstärkungen eine Rettung erschweren. „Wir haben Schwierigkeiten, mit unserer Rettungsschere durchzukommen“, sagt Koch. Das gelte auch für den Gurtstraffer. Hinter diesem befinde sich eine Platte aus gehärtetem Material. Auch dort hätten die Schneidewerkzeuge der Feuerwehr keine Chance.

Deshalb sei eine Rettungskarte sehr hilfreich. Diese sei auf jeden Fahrzeugtyp zugeschnitten. Die Karte gibt es kostenlos als Download im Internet. Farbig ausgedruckt sollte sie auf der Fahrerseite hinter der Sonnenblende platziert werden. Sie an anderen Stellen unterzubringen sei nicht gut: „Wir können ja nicht erst das ganze Auto durchsuchen“, erklärt Koch. Zusätzlich gebe es Aufkleber, die an der Frontscheibe angebracht, auf das Vorhandensein der Karte hinweisen.

Die Karte sei sehr einfach dargestellt, beschränke sich auf Farben und kurze Beschreibungen. Dadurch könne sich jeder schnell orientieren, sagt der Löschzugführer. Aber nicht nur verstärkte Teile des Wagens seien auf der Karte verzeichnet. Auch die genaue Position von Tank, Airbag, Gasgeneratoren, Gasdruckdämpfer und Batterie sei aufgezeigt. „Wenn der Airbag während der Rettung unkontrolliert ausgelöst wird, ist das für alle Beteiligten gefährlich“, erklärt Koch. Wenn die Einsatzkräfte wüssten, wo genau der Airbag eingebaut ist, könnten sie einen Airbag-Spanner einsetzten, der das Auslösen verhindere.

Zu wissen, wo sich die Batterie befindet, sei einerseits zum Abklemmen wichtig. Andererseits gehe von der Batterie eine Brandgefahr aus. Gerade diese befinde sich je nach Fahrzeug an unterschiedlichen Stellen. Bei Elektro-Fahrzeugen sei unverzichtbar, die Position der Hochvolteinrichtungen zu kennen. An der Kofferraumklappe befinden sich Gasdruckdämpfer, die das langsame Auf- und Absenken der Tür regeln. Auch deren genaue Lage sollte bekannt sein. Denn: „Mit unserer Schere kriegen wir die nicht durch, die würden uns um die Ohren fliegen“, macht Koch deutlich.

Um am Unfallort schnell handeln zu können, markieren die Feuerwehrleute mit einem Wachsmalstift die Stellen, an denen sie unbedenklich mit ihren Schneidegräten arbeiten können. Die Feuerwehrleute führen Rettungskarten mit sich. Allerdings bedürfe das Heraussuchen der passenden Vorlage immer etwas Zeit. Habe der Autofahrer eine Karte an Bord, sei das von großem Vorteil. „Die Erkundungsphase ist dann einfach kürzer“, erklärt Koch.

Zu seinem Bedauern hätten bislang nur sehr wenige Autofahrer eine Rettungskarte dabei. Eine Umfrage des Süderländers bestätigt diesen Umstand. Von 50 Befragten wussten drei Personen, worum es sich bei der Karte handelt. Einer von ihnen ist Werner Schmidt. Der 51-Jährige hat durch einen Bekannten von der Rettungskarte erfahren und sie sich sofort angeschafft. „Gerade heute, wo so viel Technik verbaut wird ist es gut, einen Plan zu haben“, sagt er. Auch Martina Werdes (53) und Michelle Sanders (21) kennen die Karte und wissen um ihre Nützlichkeit.

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