Reinigungsdienst im Flüchtlingsheim

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Zwei junge Bewohner der Unterkunft Im Winkel.

Werdohl -  Damit die Zustände der sanitären Einrichtungen in der Flüchtlingsunterkunft Im Winkel 32 nicht unter ein gewisses Maß an Hygiene und Sauberkeit sinken, hat die Stadt für zwei Tage der Woche einen Reinigungsdienst beauftragt. Fachbereichsleiter Bodo Schmidt ist darüber gar nicht glücklich, weiß aber auch keine andere Lösung.

Natürlich sei von den erwachsenen Menschen in der Unterkunft zu erwarten, dass sie die gemeinschaftlich genutzten Toiletten und Duschen aus eigener Kraft sauber hielten. Die Realität sehe aber anders aus: Vor allem die Toiletten im unteren Bereich des Gebäudes würden von einigen Bewohnern so unsachgemäß benutzt, dass sich viele andere Bewohner darüber beschweren würden. 

Schmidt ist diese Problematik voll und ganz bewusst. Trotz aller Aufklärung und Anweisung durch die Mitarbeiter der Verwaltung seien die Klos so erheblich verschmutzt gewesen, dass die regelmäßige Reinigung durch ein Unternehmen letzten Endes die kostengünstigste Lösung sei.

Schmidt: „Wir müssen als Kommune für eine saubere und menschenwürdige Unterbringung der Bewohner sorgen. Wenn einzelne die sanitären Anlagen verdrecken, dürfen nicht alle anderen darunter leiden.“ Nicht auszudenken, wenn es durch unhygienisches Verhalten zu wirklich schlimmen Krankheiten kommen würde. Schmidt versuchte, die Verhältnisse zu relativieren: „In Studenten-WGs oder Schwesternwohnheimen oder in anderen gemeinschaftlich genutzten Unterkünften gibt es dieselben Probleme.“

Die drei höchstwahrscheinlich von Krätze (Scabies) betroffenen Bewohner haben gestern Vormittag den Winkel verlassen und sind von der Stadt anderswo untergebracht worden. Wohin sie umgezogen sind will Schmidt nicht sagen, um die Persönlichkeitsrechte aller Beteiligten zu schützen. In zwei Zimmern hatten sechs junge Männer gelebt, drei Betroffene, drei nicht Betroffene. Die Nacht zu Mittwoch hatten die drei Betroffenen noch in ihren eigenen Betten verbracht.

Alle sechs sind Mittwochmorgen umgezogen, die beiden Zimmer wurden für eine Woche verschlossen. Danach bestehe keine Ansteckungsgefahr mehr, die Zimmer könnten nach einer Reinigung wieder bezogen werden.

Fachbereichsleiter weist Arztbesuch an

Schmidt schilderte aus seiner Sicht, wie die Behörden von der Scabies-Erkrankung erfahren haben. Schon die beiden halbnackten Protestierer Mitte vergangener Woche hätten ihm berichtet, dass es im Winkel Bewohner mit Juckreiz gebe. Mehrere Tage hätten die Mitarbeiter des Sozialamtes gebraucht, um herauszufinden, welche Personen tatsächlich betroffen seien. 

Schmidt: „Wir sind natürlich diesem Juck-Problem auf den Grund gegangen.“ Erst durch sein massives persönliches Zureden sei es ihm gelungen, die drei jungen Männer zu einem Arztbesuch zu bewegen. Der Arzt unterliege selbstverständlich der Schweigepflicht, so dass er keine fachliche Erklärung über die Erkrankung bekommen habe. „Wir haben die Beipackzettel der Salbe durchgelesen, die die Männer verschrieben bekommen haben“, schildert Schmidt das ganz praktische Vorgehen. Erst dann – das war am Mittwochmorgen – sei er von Milbenbefall ausgegangen.

„Wir haben jetzt wirklich mehr als nötig getan, um weitere Ansteckungen zu verhindern“, betont Schmidt.

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