Werdohler Rathausbrücke kann bald höchste Lasten tragen

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Derzeit werden auf der zuvor mit Kunstharz beschichteten Betonkonstruktion Bitumen-Schweißbahnen verlegt, damit in das darunter liegende Brückenbauwerk kein Wasser eindringen kann.

Werdohl - 760 000 Euro investiert der Landesbetrieb Straßen.NRW derzeit in die Werdohler Rathausbrücke. Mit diesem Geld werden nicht nur Schäden am Bauwerk behoben und eine neue Ampelanlage installiert, darüber hinaus wird die Brücke auf den neusten Stand der Technik gebracht und ihre Nutzlast erhöht.

Die Stadt Werdohl hat die Brücke im Jahr 1969 als Brücke der Klasse 60 gebaut, was bedeutet, dass ihre maximale Nutzlast 60 Tonnen betrug. Mittlerweile gelten jedoch neue Brückenklassen und der Schwerlastverkehr auf den Straßen hat deutlich zugenommen.

Bei der Renovierung der Rathausbrücke ist an einigen Stellen auch noch mühsame Handarbeit gefragt.

Die Beförderungsleistung im Straßengüterverkehr hat sich in den vergangenen 50 Jahren ungefähr verzehnfacht – und sie wird Prognosen zufolge bis 2025 noch einmal um die Hälfte ansteigen. Auch das zulässige Gesamtgewicht hat sich von 38 Tonnen im Jahr 1965 auf derzeit 44 Tonnen erhöht. Schwertransporte bringen noch deutlich mehr Gewicht auf die Straße.

Brücke wird auf höchste Lastmodell-Klasse aufgestuft

Das Bundesverkehrsministerium hat deshalb eine Strategie entwickelt, vorhandene alte Brücken so aufzurüsten, dass sie auch höheren Lasten standhalten können. Genau das geschieht derzeit mit der Rathausbrücke. Durch verschiedene Maßnahmen wird die Zweifeld-Brücke nun auf die höchste Lastmodell-Klasse 1 aufgestuft. Wie das geschieht, erläuterte jetzt Volker Heise vom Landesbetrieb Straßen-NRW bei einem Ortstermin.

Eine höhere Tragkraft soll die Rathausbrücke durch den Austausch der Lager und durch eine rückseitige Verankerung auf der Rathausseite erhalten. Dazu müssen die 22 vorhandenen Elastomer-Lager, dicke Hartgummiplatten mit Stahleinlagen, ausgetauscht werden. Die gesamte Brücke wird demnächst um etwa 15 Millimeter angehoben. Diese Arbeiten werden an mehreren Wochenenden durchgeführt, weil die Brücke währenddessen nicht voll belastbar ist. Das Befahren mit Pkw sei dann zwar möglich, Lastwagen und Busse müssten aber umgeleitet werden, erklärte Heise.

Ertüchtigungsmaßnahmen und Sanierungsarbeiten

Auch eine Verankerung der Brücke soll dazu beitragen, dass das Bauwerk zukünftig höhere Lasten tragen kann. Dazu wird auf der Rathausseite ein Anker gesetzt. Zwölf Meter tief wird eine Maschine dafür in den Untergrund bohren. Neben diesen Ertüchtigungsmaßnahmen werden an dem fast 50 Jahre alten Bauwerk, das vor rund 30 Jahren zum letzten Mal renoviert worden ist, aber auch noch Sanierungsarbeiten durchgeführt.

Nicht überall kann die Schweißbahn mit einer Maschine verlegt werden.

An der Unterseite werden kleine Haarrisse im Beton ausgebessert und auch größere Schäden am Tragwerk werden behoben. An einer Stelle beispielsweise hat der Beton Schaden genommen, weil auf der Brücke einmal ein Fahrzeug gebrannt hat. Der dunkle Fleck, den die Hitzeeinwirkung hinterlassen hat, ist auf der Brückenunterseite noch heute zu sehen. Auch die Fahrbahndecke wird erneuert. Vor der Ampel abbremsende Lkw haben die Asphaltschicht zu kleinen Wellen aufgeschoben, durch das Befahren mit schweren Fahrzeugen haben sich Spurrinnen gebildet.

Zwei Schichten wasserundurchlässiger Gussasphalt

Die Fahrbahndecke ist deshalb auf etwa zwei Dritteln der Brückenbreite schon abgefräst worden. Der darunter liegende Beton wurde dann mit Kunstharz beschichtet und wird derzeit mit Schweißbahnen abgedichtet. Zwei Schichten aus besonders wasserundurchlässigem Gussasphalt, insgesamt acht Zentimeter dick und rund 250 Tonnen schwer, sollen zusätzlich dafür sorgen, dass von oben kein Wasser in den Konstruktionsbeton eindringen und ihn beschädigen kann.

Diese Arbeitsschritte sind anschließend auch noch auf dem verbleibenden, jetzt noch befahrbaren Brücken-Drittel nötig. Ganz nebenbei werden auch die Brückenentwässerung erneuert und zwei 80 Meter lange neue Geländer angebracht. Und eine neue LED-Ampel mit moderner Steuerung gibt es noch obendrauf.

Bis Ende September sollen all diese Arbeiten abgeschlossen werden – wenn in der nächsten Zeit das Wetter mitspielt. Bis die Asphaltschichten aufgebracht sind, darf es nicht längere Zeit regnen, um den Zeitplan nicht zu gefährden.

Dass es zu Verkehrsbehinderungen kommt, lässt sich offenbar nicht verhindern. Klaus Heise von Straßen.NRW gibt aber zu bedenken: „Die Verkehrsteilnehmer sind unsere Kunden. Und unsere Aufgabe ist es, ihnen ein verkehrssicheres Bauwerk zur Verfügung zu stellen.“

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