Kampf gegen interkulturelle Konflikte in Werdohl

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Andrea Grafe-Falke will ein in Köln erfolgreiches Konzept auch in Werdohl umsetzen.

Werdohl - Dem Schulstart blickt Andrea Grafe-Falke mit besonderer Vorfreude entgegen. Sie hat sich dafür eingesetzt, dass das Projekt „Heroes” im September in Werdohl starten kann.

Die einst in Berlin ins Leben gerufene Initiative packt junge Menschen mit Migrationshintergrund und hat interkulturellen Konflikten den Kampf angesagt. Identität und Geschlechterrollen sind nach wie vor Themen, die für Streit und Missverständnisse sorgen. „Insbesondere der Begriff der Ehre birgt zwischen Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen Zündstoff“, weiß Andrea Grafe-Falke.

Als sie vom Projekt „Heroes“ erfuhr und den Erfolgen, die unter anderem im Köln damit erzielt wurden, war sie schnell überzeugt, dass eine Stadt wie Werdohl mit hoher Migrationsdichte davon profitieren kann. Im Februar setzte sich nicht nur sie dafür ein, dass „Heroes“ nach Werdohl kommen kann. Industrie, Banken, Dienstleiter und sozial engagierte Clubs holten sich Input aus Köln und gründeten die Initiative „Heroes Köln für Werdohl“. Ins Boot geholt wurden die Städtische Realschule und die Albert-Einstein-Gesamtschule. Pädagogen beider weiterführenden Schulformen sagten zu, die Workshops zu besuchen und sich an der Ausbildung eigener Werdohler „Helden“ zu beteiligen.

Begriff der "Ehre" als thematischer Ansatzpunkt

Das Konzept von „Heroes“ basiert auf dem pädagogischen Prinzip der „Peer education“: Speziell geschulte Multiplikatoren (Peers) informieren eine bestimmte Gruppe über ein bestimmtes Thema. In regelmäßigen Trainings setzen sich Jugendliche, insbesondere junge Männer, die in einer Migrationskultur aufgewachsen sind, mit Themen wie Identität und Geschlechterrollen auseinander. Thematischer Ansatzpunkt ist der Begriff der „Ehre“, der in den Migrationskulturen häufig von zentraler Bedeutung ist.

Tutoren sind junge Menschen, die selber einen Migrationshintergrund haben, und damit sowohl aufgrund ihres Alters aber auch aufgrund ihrer Herkunft von den Teilnehmern akzeptiert und anerkannt werden. „Heroes“ setzen erfolgreich darauf, dass gegenseitiges Verstehen, der gegenseitige Respekt und die gegenseitige Wertschätzung zu gutem Miteinander beitragen. „Heroes Köln für Werdohl“ richtet sich an alle Schüler der Jahrgangsstufe 8.

Die Workshops, die nach den Sommerferien starten, umfassen Diskussionen, das Erlernen verbaler Auseinandersetzung als gewaltfreie Option ebenso wie Rollenspiele und andere erfolgreiche Module. Lehrer nutzen einen speziell für Pädagogen konzipierten Workshop. „Die Einbeziehung der Elterngeneration durch Elternabende, geleitet von den jeweiligen Heroes-Teams, hat sich in allen Städten als enorm wichtig für den Anschub einer Veränderung, eines neuen Denkens innerhalb der jeweiligen Gemeinschaft erwiesen.

Hilfe vom Kölner Team des Projekts

Durch dieses Gesamtkonzept können sowohl Schüler als auch Eltern zu Multiplikatoren eines neuen Denkens in ihrem jeweiligen sozialen Umfeld werden“, teilt die Kölner Initiative mit. „Und das möglicherweise nicht nur in Werdohl“, ergänzt Andrea Grafe-Falke. „Wir starten jetzt vor Ort mit Hilfe des Kölner Teams, bestehend aus Sonja Fatma Bläser und Jaouad Hanin. Ich bin aber ganz zuversichtlich, dass sich die Werdohler Initiative auch auf andere Städte im Märkischen Kreis übertragen lässt. Ich denke da zuerst an unsere Nachbarstadt Altena, die auch davon profitieren könnte.“

Erste Studien haben die Nachhaltigkeit der Workshops bereits belegt: Gewalt als Mittel zur Durchsetzung des eigenen Willens wird in Frage gestellt, verbale Auseinandersetzung wird als Alternative anerkannt. Der bisherige Begriff „Ehre“ wird in einen anderen gesellschaftspolitischen Kontext überführt und gelebt.

Der Werdohler Arbeitskreis ist zuversichtlich, dass ein positiver Effekt auch außerhalb der Schulgemeinschaften eintreten kann – bis in die Vereine der Stadt und die Unternehmen. Dazu braucht es Multiplikatoren und Sponsoren. Der Auftakt ist finanziell abgesichert, für die Aufrechterhaltung braucht es langfristig Unterstützer.

Wer mitmachen will oder weitere Informationen braucht, kann Andrea Grafe-Falke kontaktieren (Tel. 0 23 92/5 22 59, E-Mail: andrea.grafe-falke@ag.vossloh.com.

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