"Privilegierte Migrantin" auf Stippvisite in Werdohl

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Stefan Ohrmann (l.) zeigt seiner ehemaligen Schulfreundin Rosalía Cornejo und ihrem Sohn Alejandro die Stadt.

Werdohl - Mit knapp vier Jahren kam sie 1966 als Kind von spanischen Gastarbeitern nach Werdohl – heute ist Rosalía (Rosi) Cornejo Professorin an der Universität von Ottawa. Zurzeit ist sie zusammen mit ihrem Sohn Alejandro zu Gast bei Familie Ohrmannin Werdohl.

Anlass ist das 150-jährige Bestehen der St. Michael-Grundschule. Stefan Ohrmann und Rosalía Cornejo waren dort von 1969 bis 1973 Klassenkameraden.

„Wir haben uns einige Jahre aus den Augen verloren, aber zu Zeiten von Facebook konnten wir den Kontakt wieder herstellen“, erzählt Ohrmann. Er gab ihre Kontaktdaten auch an die Schulleiterin der katholischen Grundschule, Christel Kringe, weiter. „Ich war sehr überrascht, als ich in meinem Posteingang eine E-Mail mit dem Absender ‘Schulleitung Werdohl’ fand. Aber ich habe mich auch sehr gefreut und mir war sofort klar, dass ich zu der Feier kommen muss“, erinnert sich Cornejo.

Vor sieben Jahren war sie das letzte Mal in Werdohl. Damals hat sie zusammen mit ihrem Mann, ihren zwei Kindern Alejandro und Andrea, ihren Eltern und der Familie ihrer Schwester hier Urlaub gemacht. „Mir ist es sehr wichtig, dass meine Kinder sehen, wo ich herkomme“, sagt sie. Natürlich besucht sie bei solchen Gelegenheiten die vielen Freunde, die sie in Werdohl noch hat.

Die Bildung ihrer Kinder sei für ihre Eltern immer sehr wichtig gewesen und sie sei auch sehr gerne zur Schule gegangen, erinnert sie sich. Nach der Grundschule ging sie mit elf Jahren zurück nach Spanien auf ein Internat, verbrachte aber die fünf Sommer danach immer in Werdohl, bis ihre Eltern 1978 wieder nach Spanien zogen.

Studiert hat Cornejo an der Universität Salamanca, dann promovierte sie an der Pennsylvania State University in lateinamerikanischer und spanischer Literatur. Dort hat sie auch ihren Mann Lawrence Prescott kennenlernt, der zu der Zeit Professor an der Universität war.

Ein paar Jahre unterrichtete sie an verschiedenen Universitäten in Amerika, bis die Familie 2001 schließlich nach Ottawa zog. „Ich habe die Migration in zwei Perspektiven erlebt. Zum einen war ich das Kind von Gastarbeitern. Zum anderen bin ich heute eine privilegierte Migrantin, die in der Hauptstadt von Kanada unterrichtet“, sagt Cornejo.

Ihre Herkunft habe sie aber nie vergessen. „Ich war damals sehr traurig, als ich aus Werdohl wegzog.“ Auch heute noch spiele die deutsche Kultur eine große Rolle in ihrem Leben. Sie lese beispielsweise regelmäßig den Spiegel, um sich immer auf dem Laufenden zu halten, was in Deutschland passiert.

„Ich freue mich sehr, dieses Wochenende hier zu sein. Meinen Grundschullehrerinnen bin ich auch heute noch sehr dankbar für die Zeit.“

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