Presbyter: Seit langer Zeit wieder eine „echte“ Wahl

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Pfarrer Martin Buschhaus (li.) und Pfarrer Dirk Grzegorek bereiten die Kirchenwahl am 14. Februar nach dem Gottesdienst in der Christuskirche vor.

Werdohl - Seit 1990 ist Martin Buschhaus (57) Pfarrer in Werdohl und auf die Schnelle kann er sich nicht daran erinnern, ob es in diesen 25 Jahren schon einmal eine echte Kirchenwahl gegeben hat. Eigentlich gab es immer genauso viele Kandidaten wie zu besetzende Ämter.

Das ist am 14. Februar anders: Zwölf Plätze im neuen Presbyterium gibt es, 17 Männer und Frauen bewerben sich darum. Getrost kann man bei der Kirchenwahl in Werdohl von einer Besonderheit sprechen. Von den 501 Kirchengemeinden im Bereich der Evangelischen Kirche von Westfalen hat wahrscheinlich gerade einmal ein Viertel die Auswahl zwischen Kandidaten. Bei der Kirchenwahl vor vier Jahren waren es 23 Prozent, da gab es auch noch 522 Gemeinden. Der Trend wird gewiss nicht besser.

Sogar die Vordrucke für die Wahlzettel der Landeskirche nützen der Werdohler Kirchengemeinde wenig: Dort sind nur 15 Positionen aufgelistet, während aber 17 Positionen benötigt werden. Die Gemeindesekretärin musste einen eigenen Wahlzettel entwerfen.

Pfarrer Dirk Grzegorek (48) ist Wahlleiter und in dieser Funktion bemüht, keine später anfechtbaren Fehler zu machen. An die Wähler geht der Hinweis, nicht mehr als zwölf Kreuze hinter die alphabetisch sortierten Kandidaten zu machen. „Und jeder Kandidat bitte nur ein Kreuz“, schmunzelt Grzegorek.

Mehr als zwölf Kreuze insgesamt oder mehr als ein Kreuz hinter einem Kandidaten macht den Wahlzettel sofort ungültig. Wählen dürfen am Sonntag rund 5000 Gemeindeglieder. Wählen darf, wer mindestens 14 Jahre alt und getauft ist. Die Taufe zählt als Gemeindezugehörigkeit. Früher wurde ein Alter von 16 Jahren und die Konfirmation als Voraussetzung zur Teilnahme an der Wahl gesetzt, das ist ab diesem Jahr nicht mehr der Fall.

Das bisherige Presbyterium besteht aus 17 gewählten Stellen, eine ist seit Jahren vakant. Dazu kommen die beiden Pfarrer als geborene Mitglieder des Presbyteriums. Zum Vorsitzenden ist Pfarrer Grzegorek gewählt worden, es muss aber nicht zwangsläufig der Pfarrer sein. Auch ein ehrenamtlicher Presbyter kann zum Vorsitzenden gewählt werden. Der Vorsitz kann auch während der Wahlzeit von zukünftig vier Jahren wechseln.

Von den aktuell 17 Presbytern haben sich elf erneut als Kandidaten aufstellen lassen. Sechs Männer und Frauen sind ganz neu auf der Liste. „Wir haben Gemeindeglieder darauf angesprochen, ob sie Interesse an dem Ehrenamt hätten“, so Buschhaus. Die Vielzahl der Kandidaten überraschte letztlich alle. Zwar sind die meisten der Kandidaten und Kandidatinnen bereits im Rentenalter oder nahe davor, es gibt aber immerhin sechs Männer und Frauen unter 50 Jahren – vergleichsweise „junge Leute“ in diesem Gremium.

Wahltag ist der 14. Februar, nach dem Gottesdienst in der Christuskirche stehen die Urnen und Wahlkabinen der Stadt im Gemeindehaus an der Freiheitstraße bereit. Bis 14 Uhr ist eine persönliche Stimmabgabe möglich. Danach werden die Zettel aus der Briefwahl dazugegeben, dann wird ausgezählt. Bei Stimmengleichheit muss gelost werden. Die Gewählten werden gefragt, ob sie die Wahl annehmen, danach gilt das Gremium als gewählt. Grzegorek: „Wir betreten Neuland mit dieser Wahl und müssen ganz genau hinschauen.“ Die Amtseinführung des neuen Presbyteriums ist für den 6. März gefragt. Dann endet der Auftrag des bisherigen Presbyteriums.

Dessen schwerste Entscheidung ist bis Anfang März gefallen: Das Presbyterium wird bis dahin hoffentlich einmütig geklärt haben, ob die Friedenskirche oder die Kreuzkirche in Zukunft aufgegeben werden muss.

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