Pfarrei gestaltet die eigene Umstrukturierung

Katholiken wollen sich öffnen

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Laden zum offenen Dialog mit den katholischen Christen in Werdohl und Neuenrade ein (von links): stellvertretender Kirchenvorstandsvorsitzender Dieter Gierse, Pfarrer Irenäus Wojtko und Pfarrgemeinderatsvorsitzender Hans-Jürgen Stracke.

Werdohl/Neuenrade - Die katholische Pfarrei St. Michael wendet sich in ihrem Umstrukturierungsprozess nach außen: Der Koordinierungsausschuss lädt für den 14. Juni, 19 Uhr, in das weltliche „Haus Werdohl“ ein. Um Kirchenferne und eventuell auch Außenstehende zu erreichen, wurde bewusst nicht der eigene Pfarrsaal gewählt.

Es gehe in erster Linie um die Anpassung des Pastoralen an die Wirklichkeit in den Gemeinden. Dahinter steckt auch ein finanzieller Druck: Bis 2020 werden die Schlüsselzuweisungen des Bistums an die Pfarrei um 30 Prozent zurückgefahren.

In einem bistumsweiten Prozess sind alle Kirchengemeinden aufgefordert, ein Konzept für die Zukunft aufzustellen. Auf lokaler Ebene soll dieses Konzept Ende 2017 fertig sein, danach wird dieses Votum mit dem Bistum abgesprochen. In einer Art Vertrag legen sich beide Seiten auf die Ziele und Perspektiven fest, umgesetzt werden sollen sie im Jahr 2018. Der große Gedanke dahinter ist, die Pfarrei pastoral und wirtschaftlich zukunftssicher bis 2030 aufzustellen.

Der Prozess läuft seit Herbst vergangenen Jahres. Die Koordinierungsgruppe besteht aus Pfarrer Wojtko, Verwaltungsleiterin Grobel, Vertretern von Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat sowie einer Beraterin vom Bistum Essen. Dieser Kreis hat in der vergangenen Woche die drei Arbeitsgruppenbereiche festgelegt.

Die erste Gruppe trägt den Titel „Menschen“ und beschäftigt sich mit dem Pastoralen, der Liturgie und den Gruppen wie Jugend, Familien und Senioren. Drei Fragen stehen hier als Überschrift: Was haben wir, was leben wir? Wo sind wir Christ in unserer Stadt? Wie werden wir wahrgenommen?

Die zweite Gruppe heißt „Vernetzung“, befasst sich mit denselben Fragestellungen der Gruppe „Menschen“ und beschäftigt sich mit dem Außen von Caritas bis Flüchtlingen. Dabei geht es auch um Ökumene und um den interreligiösen Dialog. Der dritte Arbeitskreis dreht sich um „Finanzen“, was sich selbst erklärt. Die vorgegebene Einkürzung von 30 Prozent Zuweisung ist Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat natürlich auch in ganz konkreten Zahlen bekannt. Für alle diese Arbeitsgruppen werden am 14. Juni Menschen aus Werdohl und Neuenrade gesucht, die am Veränderungsprozess mitarbeiten wollen. Und das sollen nicht nur Katholiken sein.

Wojtko, Gierse und Stracke erinnern sich an den Umstrukturierungsprozess vor 15 Jahren. Damals herrschte schwere Finanznot im Bistum, von oben herab wurden die Gemeinden neu geordnet, Gebäude geschlossen und Strukturen festgelegt. Im Gegensatz zu damals werden die Gemeinden heute selbst dazu angehalten, über Strukturen und Einsparungen nachzudenken. Kirchenvorstandsmitglied Dieter Gierse beschreibt das so: „Die finanziellen Leitlinien sind uns heute auch vorgegeben, aber es kommt nicht so mit dem dicken Hammer wie damals.“ Das Pfarrgemeinderatsmitglied Hans-Jürgen Stracke empfindet die Aufgabe als „positiv, über das Gemeindeleben mit teilweise offenem Ergebnis zu diskutieren“. Wenn am Ende schwere Entscheidungen zu treffen seien, gehöre das zur Verantwortung dazu.

Solche möglicherweise schweren Entscheidungen können die Filialkirche St. Petrus Canisius in Eveking, die drei Friedhöfe und die drei Familienzentren betreffen. Alles müsse angeschaut werden.

Bei dem Prozess wende sich die Pfarrei ganz bewusst nach außen. Was erwarten die Gemeindemitglieder, was Fern- und Außenstehende von der Kirche? Wie kann man die Kerngemeinde weiter bedienen, wie können Christen dazugewonnen werden? Pfarrer Wojtko ist ein offener Prozess wichtig: „Wir wollen sehr transparent mit dem Thema umgehen, dieser Prozess ist keine Entscheidung allein der Gremien.“

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