Mit gefälschten Unterschriften Omas Sparbuch geplündert

Das Amtsgericht verhandelte einen Fall gegen einen 22-Jährigen.

Werdohl - Auf das Konto der Großmutter eines Bekannten hatten es ein mittlerweile 22-jähriger Werdohler und sein Mittäter abgesehen.

Nachdem die Beiden die Kontonummer der Seniorin herausbekommen hatten, füllten sie im Oktober und November 2013 sechs Überweisungsträger aus und reichten diese bei verschiedenen Sparkassenfilialen ein. Die Unterschrift fälschten sie. Dreimal gelang es den Betrügern auf diese Weise, Geld auf ihre eigenen Konten zu überweisen – Beträge zwischen 400 und 850 Euro.

Dreimal verweigerten aufmerksame Sparkassenmitarbeiter aber auch die Überweisung. Außerdem sollte der 22-Jährige nach dem Rauswurf einer Freundin aus seiner Wohnung deren Eigentum, vor allem ein teures Smartphone, nicht zurückgegeben haben. „Das stimmt alles“, legte der Angeklagte im Amtsgericht Altena ein umfassendes Geständnis ab.

Da die Taten zum Teil nach, zum Teil aber auch noch vor seinem 21. Geburtstag begangen worden waren, war ein Jugendschöffengericht zusammengekommen, um über die strafrechtlichen Konsequenzen aus der üblen Betrugsserie zu entscheiden. „Hilfe statt Strafe“ lautet im Jugendstrafrecht ein zumeist hilfreicher Grundsatz. In diesem Fall wurde aber recht schnell klar, dass der junge Mann die damit verbundenen Chancen wiederholt nicht genutzt hatte: Nach einer vorangegangenen Bewährungsstrafe von einem Jahr hatte er sich vor einer ihm zur Auflage gemachten Drogenentwöhnungstherapie gedrückt.

Und natürlich empfahl er sich durch die neuen Straftaten in der Bewährungszeit nicht für eine weitere Bewährung. Selbst die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe sah schwarz: „Er konsumiert weiterhin.“ Weil er täglich „für zehn Euro“ Marihuana brauche, könne er als Bezieher von Sozialleistungen auch nicht garantieren, dass er zukünftig straffrei durchs Leben gehe werde. „Es sind definitiv schädliche Neigungen vorhanden.“

Das Jugendschöffengericht folgte dieser Linie und verurteilte den Angeklagten letztlich zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren ohne Bewährung. Darin enthalten ist ein Jahr Haft aus der vorangegangenen Verurteilung.

Richter Dirk Reckschmidt erinnerte daran, dass der Verlust solcher Summen der Bezieherin einer kleinen Rente mit Sicherheit wehgetan habe. Trotz aller Hilfsangebote habe der Angeklagte keinerlei Eigeninitiative gezeigt. Für eine Bewährung gebe es auf dieser Grundlage keine Anhaltspunkte.

Als einziger Weg am Gefängnis vorbei bleibt für den 22-Jährigen nun nur noch eine ernsthafte Drogenentwöhnung: „Entweder Sie machen eine vernünftig strukturierte Therapie oder Sie landen irgendwann im Knast“, machte der Richter deutlich.

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